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Gigafactory
Vor Ort in Grünheide auf dem Gelände von Tesla

Andreas Schmaltz / 22.02.2020, 03:30 Uhr - Aktualisiert 22.02.2020, 13:15
Grünheide (MOZ) Ein leicht süßlicher Geruch von frisch geschnittenem Holz liegt in der Luft. Auf den ersten Blick ist allein ein halbes Dutzend der großen Harvester, der Baumerntemaschinen, zu sehen. In nur wenigen Tagen haben sie einen großen Teil der Fläche von Bäumen befreit. Zu beobachten ist das Spektakel nur von hinter dem erst vor wenigen Tagen errichteten Zaun. Seit die Rodungsarbeiten vergangene Woche gestoppt wurden, gibt es keinen Zutritt mehr zum Gelände – ordnungsrechtliches Betretungsverbot heißt das Zauberwort.

Die Polizei hat sich vor der Zufahrt zum Gelände positioniert. Zusammen mit dem Sicherheitsdienst wehren die Beamten jeden ab, der sich ihnen nähert. Wer sie anspricht, bekommt schroffe, knappe Antworten, aber keinen Zutritt. Über Nacht haben sich erneut Naturschutzaktivisten Zugang verschafft und besetzen nun Bäume, um deren Abholzen zu verhindern. Einheiten der Bereitschaftspolizei, die zur Verstärkung gerufen wurden, um eigentlich genau das zu verhindern, haben ebenfalls im Eingangsbereich Stellung bezogen. Ein Hubschrauber der Polizei kreist in der Luft.

Zutritt strengstens verboten

Am neuen Zaun hängen zwei Arbeiter Warnschilder auf. "Betreten verboten – Kampfmittelräumung" ist auf ihnen zu lesen. Angesichts der schweren Harvester, die im Hintergrund einen Baum nach dem anderen fällen, sind sie skeptisch, ob die Schilder einer tatsächlichen Gefahr entsprechen. Klaus-Peter Schulz vom Ordnungsamt Grünheide, der sich vor dem Eingang positioniert hat, erklärt der anwesenden Presse die Situation der Baumbesetzer. Freundlich lächelt er in die Kameras. Muss immer wieder die selben Sätze wiederholen. Doch eigentlich sind er und sein Team an diesem Freitag vor Ort, um eine Sprengung abzusichern. Gefundene Munition wird gesammelt und anschließend in Absprache mit dem Kampfmittelbeseitigungsdienst kontrolliert gesprengt, erklärt er. "Wir organisieren die Absperrmaßnahmen", sagt Schulz. Dieses Mal sollen amerikanische Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg unschädlich gemacht werden.

Das dumpfe Dröhnen der Maschinen erfüllt den Ort – Lastwagen, die über die Schotterpiste donnern, die Sägen der Harvester und dazwischen das Kratzen der Bagger, die die Baumstümpfe samt Wurzeln aus dem Boden reißen. Der noch immer über dem Gelände kreisende Polizeihubschrauber ist über den Lärm nicht zu hören.

Während drinnen geschäftiges Treiben herrscht, ist neben dem Verkehr von und zur Autobahn kaum jemand unterwegs. Demonstranten vor den Toren des Tesla-Geländes sucht man vergeblich. Hin und wieder hält jemand an, steigt aus dem Auto, knipst ein paar Fotos und fährt dann weiter. Auch ein älterer Herr bleibt für einen Moment mit seinem Fahrrad auf der gegenüberliegenden Fahrbahnseite stehen, um einen Blick auf die Arbeiten zu werfen. Dann geht auch er seiner Wege.

Hunderte gestapelte Baumstämme säumen den Zufahrtsweg. Kahl, entastet und entrindet und in gleichgroße Stücke geschnitten. Alle paar Minuten fährt ein vollbeladener Lkw die Stämme davon. Die Harvester leisten ganze Arbeit. Wie sie in kaum einer Minute eine der Kiefern greifen, absägen und zerteilen, nur um das selbe sofort mit dem nächsten Baum zu machen, zeugt von der beeindruckend verstörenden Effizienz, die das ganze Gelände im Griff hat.

Um das ganze Treiben zu dokumentieren, steht Lothar Runge gegenüber der Zufahrt und macht einige Fotos. Der Ortsbeirat und Vorsitzende des Heimatvereins aus Grünheide freut sich, dass die Arbeiten für die Gigafactory vorangehen. "Ich finde es gut und habe die Daumen gedrückt, dass vor Gericht alles gut geht", erklärt er und fügt hinzu: "Die jungen Leute warten darauf." Runge sei damals auch für die Ansiedlung von BMW gewesen. Jetzt hofft er, dass es diesmal mit Telsa klappt. Für Runge bietet die Ansiedlung des US-amerikanischen Autobauers viele Chancen für die Region, besonders auch Perspektiven für junge Menschen. "Wir haben hier Logistik vor Ort", sagt er und deutet hinter sich auf die in Sichtweite angesiedelten Unternehmen. Dort sei das Angebot an Arbeitsplätzen recht einseitig. "Da kann die Region etwas Anderes gebrauchen."

Tesla hat bereits einige Stellen ausgeschrieben, aber auch während der Bauarbeiten werden Arbeitskräfte gesucht. So hat der Sicherheitsdienstleister Pons "Quereinstieger Security" in Voll- oder Teilzeit für Grünheide inseriert. Pons bewacht die Eingänge des Tesla-Geländes. Ein Mitarbeiter der Sicherheitsfirma steht auch an der zweiten Zufahrt, etwas weiter rechts gelegen, vor einem weißen Container-Häuschen. Beim Schlendern über die Zufahrt ist einem seine Aufmerksamkeit sicher. "Das kann ich nicht sagen", lautet die ebenfalls knappe Antwort auf die Frage, ob er schon viele Leute zurückweisen musste. Mehr ist aus ihm nicht herauszubekommen. Währenddessen wird hinter ihm weiter Baumstamm um Baumstamm abgesägt, zerteilt und gestapelt, um später mit einem der unzähligen Lkw abtransportiert zu werden.

Tesla-Autos für die Polizei ungeeignet

Teslawünscht sich für Elektro-Lastwagen eine Ausnahme vom Sonntagsfahrverbot. Wie das Portal "Business Insider" berichtet, sollen sich Tesla-Vertreter mit dieser Bitte ans Bundesverkehrsministerium gewandt haben. Dort hieß es, die Länder seien für Ausnahmeregelungen zuständig. Man könne darüber diskutieren, sagte Brandenburgs Verkehrsminister Guido Beermann (CDU) am Freitag. Die Angelegenheit sei jedoch komplex, kurzfristig werde es keine Änderungen geben. Und wie steht es mit in Brandenburg hergestellten Tesla-Autos für die hiesige Polizei? Auch diese Frage kam Freitag in Potsdam auf. Für E-Autos im Streifendienst fehle derzeit die Ladestruktur, sagte Innenminister Michael Stübgen (CDU). "Polizisten haben keine Zeit, die Batterie aufzuladen, wenn sie gerade Verbrecher jagen." ⇥mat

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