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Kunst
Spektakuläre Monet-Ausstellung in Potsdam

Antje Scherer / 22.02.2020, 04:15 Uhr
Potsdam (MOZ) Seine Bilder kennt jeder – die Seerosen, die Heuhaufen … Als Kunstpostkarte gibt es sie in jedem Winkel der Welt zu kaufen. Hübsch, harmlos und vertraut; so vertraut, dass man kaum noch hinguckt.

Jetzt aber gibt uns eine Ausstellung in Potsdam mit dem schlichten Titel "Monet. Orte" die Chance, mit diesem Schwergewicht der Malerei noch einmal ganz von vorne anzufangen. Es ist die größte Monet-Schau, die es je in Deutschland gab – 110 Werke, verteilt über drei Etagen. Bei der Pressekonferenz  am Donnerstag hagelt es denn auch Superlative; Christoph Heinrich, Chef des kooperierenden Denver Art Museum, stellt das Barberini in eine Reihe mit dem Frankfurter Städel Museum und sagt dem neu erworbenen "Getreideschober" (1890) voraus, es könne "die Mona Lisa" dieses Hauses werden.

Dieses Bild alleine ist schon ein Coup: Es war Mitte 2019 beim Auktionshaus Sotheby’s für knapp 111 Millionen Dollar versteigert worden; erst jetzt outete sich Hasso Plattner, beziehungsweise dessen Stiftung, als Eigentümer. Sowohl der teure Heuhaufen wie 103 weitere Impressionisten aus der Plattner-Sammlung ziehen ab Herbst dauerhaft ins Barberini ein. Als Gag hat das Haus jetzt schon mal einen realen Haufen Heu auf den Hof geschaufelt.

Aber das nur am Rande, denn aktuell geht es im Barberini ja exklusiv um "das wunderbarste Auge, seit es Maler gibt", wie Paul Cézanne Kollege Claude Monet (1840–1926) charakterisierte.

Kurator Daniel Zamani, der 2018/19 bereits die Schau zum Neoimpressionisten Henri-Edmond Cross verantwortet hat, und seinem Team ist nicht nur eine große, sondern wirklich großartige Schau gelungen. Die Fülle der Exponate, die sie weltweit zusammengetragen haben, erfasst das gesamte Schaffen des Malers, ist klug gebaut und  wirkt doch luftig und nie überladen.

Los geht es in der Normandie, wo Monet aufwuchs und seine ersten Erfahrungen beim Landschaftsstudium unter freiem Himmel machte. Und dann reist man quasi an seiner Seite durch sein Leben, begleitet ihn an seine Wohnorte und auf Reisen und erlebt mit, wie sich Malweise und Sujets allmählich verändern. Das Thema Orte eignet sich dabei wunderbar zur Gliederung – denn der Maler wählte Wohnorte und Reiseziele bewusst nach ihrer Eignung als Motiv aus. Immer wieder sprach er von seinem Bedürfnis, zunächst in eine Landschaft eintauchen zu müssen, bevor er sie auf die Leinwand bannen konnte. War er mit einer Landschaft "durch", suchte er sich eine völlig neue Herausforderung – das gleißende Licht der Riviera, dann die raue Atlantikküste, Venedig, sein selbst geschaffenes Paradies in Giverny …

Er malt anfangs moderne, zeitgenössische Themen – den Bahnhof Saint-Lazare in Paris, Brücken in London; später wendet er sich vorwiegend reiner Landschaftsmalerei zu. Anders als die Kollegen ist er mittendrin: Er zieht mit der Staffelei ins Freie, zumindest aber – wie bei den London-Bildern – auf den Hotelbalkon.

Monet verbindet zwei Welten: Arbeitet auf der einen Seite topografisch so exakt, dass man fast jedes Bild verorten kann; und selbst Küstenlinien oder eine Kirchturmspitze stimmen genau mit den Gegebenheiten vor Ort überein, wie Kurator Zamani anhand von Fotografien zeigt. Und löst dann die fast naturwissenschaftliche Beobachtung in dieses flirrende Licht und die geheimnisvollen Farbverläufe auf, die rufen: Atmosphäre! Erlebnis des Moments!

Das ab Ende des Jahrhunderts für Monet typische Prinzip der Serie kann man erst durch die Vielzahl der Arbeiten, die jetzt in Potsdam zu sehen sind, nachvollziehen: etwa die London-Bilder, noch stärker bei den Seerosen, denen ein ganzer Raum gewidmet ist. Es ist Luxus, in so viel Monet auf einmal schwelgen zu können. Und erst im Vergleich erkennt man auch so richtig, dass seine späten Seerosenbilder gar nicht mehr harmlos sind, sondern fast schon nach  Jackson Pollock aussehen – Monet war eben nicht nur der Vater des Impressionismus, sondern auch ein Wegbereiter der abstrakten Kunst.

"Monet.Orte", bis 1.6., Mo/Mi–So10–19 Uhr, Museum Barberini, Alter Markt, Potsdam, Tel. 0331 236014499

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