Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Ländlicher Raum
Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke besucht Heckelberg-Brunow

Aufmerksam zugehört: Ulrike Liedtke (Mitte) kam auf Einladung von Heiko Liebig zu Besuch nach Heckelberg und informierte sich über die Themen, die Politik und Verwaltung im ländlichen Raum beschäftigen.
Aufmerksam zugehört: Ulrike Liedtke (Mitte) kam auf Einladung von Heiko Liebig zu Besuch nach Heckelberg und informierte sich über die Themen, die Politik und Verwaltung im ländlichen Raum beschäftigen. © Foto: Jörn Kerckhoff/MOZ
Jörn Kerckhoff / 24.02.2020, 13:35 Uhr - Aktualisiert 24.02.2020, 13:53
Heckelberg (MOZ) Es kann nicht sein, dass die Bürokratie wichtige Entscheidungen ausbremst." Dies war eine Erkenntnis die Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke (SPD) von ihrem Besuch in Heckelberg mit zurück nach Potsdam nahm. Am Donnerstag war Ulrike Liedtke auf Einladung von Heiko Liebig, Bürgermeister von Heckelberg-Brunow, angereist, um sich einen Überblick zu verschaffen, welche Themen die Gemeinde des Amts Falkenberg-Höhe bewegen – exemplarisch für den gesamten ländlichen Raum.

Viele Projekte auf dem Plan

Kinderhort, Kita, Schule, Ärztemangel, Öffentlicher Personennahverkehr, Zustand der Straßen, finanzielle Ausstattung – alles Projekte, die in den kommenden Jahren angegangen werden müssen, machte Amtsdirektor Holger Horneffer deutlich. Er nutze den Besuch der Landtagspräsidentin, um ihr die Probleme zu schildern, denen sich die Politik und die Verwaltung bei diesen Projekten ausgesetzt sehen.

Ein Beispiel dafür ist etwa die Hausarztpraxis in Falkenberg, die seit Dezember 2018 leersteht. Zwei Jahre lang bleibt die Praxis im Bestand der Kassenärztlichen Vereinigung und kann mit einem Allgemeinmediziner neu besetzt werden. Nun zieht es besonders junge Ärzte nicht so sehr aufs Land. Angestelltenverhältnisse, einigermaßen geregelte Arbeitszeiten und ein gutes Freizeitangebot in den Ballungsräumen üben auf viele Mediziner eine deutlich stärkere Anziehungskraft aus, als der ländliche Raum. Und nicht nur auf die.

Im Fall von Falkenberg fehlt es nämlich weniger an einem Arzt, als vielmehr an medizinischem Fachpersonal. "Nach langer Suche haben wir einen Arzt gefunden, der bereit wäre, die Praxis in Falkenberg zu übernehmen", so Horneffer. Die sei aktuell noch voll eingerichtet und warte nur darauf, als Arztpraxis wiedereröffnet zu werden. Im Gespräch mit der MOZ erzählt der Arzt aus Berlin auch – namentlich möchte er nicht genannt werden – welche Pläne er für die Praxis hätte. "Ich habe verschiedene Facharztausbildungen und könnte neben der Sprechstunde für Allgemeinmedizin auch noch Privatsprechstunden im Bereich Orthopädie und Chirurgie anbieten. Außerdem wäre es möglich, auch noch einen Kinder- oder Frauenarzt mit in die Praxis zu nehmen."

This browser does not support the video element.

Video

Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke vor Ort

Videothek öffnen

Das Problem sei, dass er bislang kein Fachpersonal für die Praxis gefunden habe. Nun zeigte sich im Gespräch mit Ulrike Liedtke am Donnerstag, dass dieses Thema eine Menge Potenzial für Missverständnisse in sich birgt. So schilderte Amtsdirektor Horneffer die Situation so, dass die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg eine Wiedereröffnung der Praxis ohne Fachpersonal untersage und dass der Arzt erst Personal einstellen müsse, bevor er überhaupt die Zulassung für die Praxis beantragen könne.

Im Telefonat mit dem Arzt kam nun heraus, dass er die Praxis durchaus alleine eröffnen dürfe, dies aber nach einer Rechtsberatung gar nicht wolle. "Wenn es zu einem Notfall in der Praxis kommt, bin ich darauf angewiesen, dass ich mit ausgebildetem Fachpersonal zusammenarbeiten kann", so die Schilderung. Ansonsten sei es deutlich schwerer, einen Patienten, der vielleicht plötzlich einen Herzinfarkt erleide, zu retten, macht der Mediziner deutlich. Seine Suche nach Fachkräften sei bislang erfolglos gewesen.

Dschungel an Regeln

Daran kann auch die Landtagspräsidentin nun erstmal nicht viel ändern. Ohnehin hatte sie gleich zu Beginn ihres Besuchs in Heckelberg erklärt, dass sie kein Geld in der Tasche und auch keine Entscheidungsbefugnis für irgendetwas habe, die Themen aber gerne mit nach Potsdam nehme, um sie dort in die entsprechenden Gremien zu tragen. Das Beispiel zeigt aber auch, dass der Dschungel an Regelungen und Vorschriften so dicht ist, dass selbst Profis kaum durchblicken und dadurch viele Möglichkeiten nicht ausgeschöpft werden. Umso komplizierter für Personen, die sich im Ehrenamt, neben ihrer eigentlichen Arbeit, politisch engagieren. Für die war Ulrike Liedtke übrigens auch eigens nach Heckelberg gekommen.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG