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Atommüll
Info-Runde zur Endlagersuche in Netzeband

Vor zwei Wochen: In Neuruppin ist bereits einmal über das Verfahren zur Endlagersuche informiert worden. Jochen Stay (links) kommt jetzt auch nach Netzeband.
Vor zwei Wochen: In Neuruppin ist bereits einmal über das Verfahren zur Endlagersuche informiert worden. Jochen Stay (links) kommt jetzt auch nach Netzeband. © Foto: Judith Melzer-Voigt
Markus Kluge / 26.02.2020, 15:57 Uhr - Aktualisiert 26.02.2020, 18:41
Ostprignitz-Ruppin (MOZ) Wer sich für die Suche der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) nach einem möglichen Atommüll-Endlager in der Region interessiert, ist am Donnerstag, 12. März, in der Temnitzkirche in Netzeband richtig. Dort findet eine Informationsveranstaltung statt, bei der Jochen Stay von der Anti-Atom-Organisation "Ausgestrahlt", Ulrike Laubenthal von der Friedensscheune in Zempow und möglicherweise Vertreter von der Grünen Liga Brandenburg sprechen werden. Los geht es um 19 Uhr. "Die Menschen müssen informiert werden", sagt Temnitzquells Bürgermeister Bernd Müller. Er hatte Anfang Februar die Infoveranstaltung in Neuruppin besucht und empfand die Beteiligung von nur rund 100 Gästen als zu gering, weshalb er eine weitere Info-Runde in seine Gemeinde holt.

Die könnte schließlich betroffen sein. Denn bei der noch jahrelang dauernden bundesweiten Endlagersuche sind unter anderem Salzstöcke unter Netzeband, unter dem einstigen Bombodrom-Gelände bei Flecken Zechlin und Zempow sowie eine Tonformationen in der Prignitz in den Fokus geraten.

Atommüll-Endlager in Ostprignitz-Ruppin

Was die Endlagersuche im Landkreis betrifft, hat die Kreisverwaltung bisher keine offiziellen Informationen von irgendeiner Behörde erhalten. Das sagte Vize-Landrat Werner Nüse am Dienstag im Umwelt- und Landwirtschaftsausschuss auf die Nachfrage des Abgeordneten Hans-Georg Rieger (BVB/Freie Wähler). "Wir haben nie ein amtliches Schreiben bekommen", so Nüse. Der Kreis hat sich selbst aber auch nicht um Informationen bemüht, weil in erster Linie die Gebietskörperschaften, also die Ämter und Gemeinden betroffen seien, so Nüse.

Siegfried Wittkopf (BVB/Freie Wähler) schmeckte diese Antwort nicht. Er befürchtet, dass die Politik zu spät aufwacht. "Wir sind Vertreter der Bürgerschaft, Wir müssen uns frühzeitig einmischen", so Wittkopf. Er wolle nicht, dass Atommüll in diesem Kreis und auch nicht in einem Nachbarkreis gelagert wird.

Robert Liefke (SPD) warnte vor Schnellschüssen und warf in dieser Debatte vielen Menschen Unehrlichkeit vor. "Alle wollen Handy-Empfang, aber keine Antenne auf ihrem Dach. Jeder will Strom, aber keine 10-KV-Leitung vor seiner Tür", sagte er. Genau so verhalte es sich auch beim Thema Atomstrom. Jeder wolle, dass die Werke abgeschaltet werden, aber niemand wolle den Müll.  Zudem ziehe sich das Verfahren, gegen das womöglich auch noch gerichtlich vorgegangen wird, noch Jahrzehnte hin. Die Suche soll 2031 abgeschlossen sein, das Lager erst 20 Jahre später in Betrieb gehen. "Nehmen Sie es mir nicht übel, aber bis es soweit ist, werden viele von uns nicht mehr da sein", so Liefke. Er sei nicht bereit, "über ein Atommüll-Eventuell-Lager" zu debattieren. Ihm sei es wichtiger, die anstehenden kleinen Sorgen der Menschen zu lösen und nicht die ganze Welt verrückt zu machen.

Der berufene Bürger Thorsten Arndt warf Liefke wiederum Blauäugigkeit vor. "Wenn das Atommüll-Endlager kommt, ist der Kreis erledigt. Dann kommt niemand mehr aus Berlin hierher", sagte er. Denn nach seiner Einschätzung laufe das ganze Verfahren nicht demokratisch ab. Gründe dafür nannte er nicht. Wolfgang Freese (Grüne) befürchtet nicht nur, dass in diesem Verfahren die Mitsprache der Bevölkerung nicht gewährleistet ist. "Wichtig ist auch, dass am Ende im Bundestag aus fachlicher Sicht entschieden wird und nicht aus politischem Kalkül", so Freese.

Die Linken-Abgeordnete Dr. Kirsten Tackmann, die auch Mitglied des Bundestages ist, teilte diese Einschätzung teilweise. Experten hätten vor einiger Zeit, festgestellt, dass sich Salzstöcke als Endlager nicht eignen. Diese würden bei der Endlagersuche aber dennoch berücksichtigt werden. "Die ganze Informationspolitik ist schwierig, und dadurch entsteht Misstrauen. Wir sollten deshalb auch nicht warten wie das Kaninchen vor der Schlange", warb Tackmann dafür, nicht inaktiv zu bleiben.

Suche in drei Abschnitten

In drei Stufen läuft das Suchverfahren. Im ersten Teil werden nur geologische Daten ausgewertet, die Auskunft darüber geben können, ob sich ein Gebiet als Endlager eignet oder nicht. Die Auswertung dieser Daten soll bis 2024 abgeschlossen sein. Ein Zwischenbericht wird für Ende 2020 erwartet. Im zweiten Teil werden die ausgewählten Gebiete oberirdisch erkundet. Dabei werden auch Probebohrungen vorgenommen. Die Gebiete, die dann in Frage kommen, werden im letzten Teil dann auch unter Tage auf Eignung untersucht.⇥red

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