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Coronavirus
Barnimer Firmen planen für den Notfall

Andrea Linne, Sabine Rakitin / 03.03.2020, 20:16 Uhr - Aktualisiert 04.03.2020, 23:58
Bernau (MOZ) Die Einschläge kommen immer näher. In Berlin gibt es mehrere Infizierte, und der Nachbarlandkreis Oberhavel hat ebenfalls seinen ersten Fall. Das Coronavirus Sars-Cov-2 setzt deshalb auch Barnimer Betriebe unter Zugzwang – trotz aller Vernunft und Zurückhaltung.

Zum "Verzicht auf das Händeschütteln" ruft die Schapler Fenster- und Sonnenschutz GmbH in Bernau ihre Kunden am Empfang auf. "Wir sind nicht unhöflich. Wir sind umsichtig", heißt es auf dem Hinweisschild. "Wir verzichten auf ein Händeschütteln und schenken Ihnen ein Lächeln..."

"Klar ist das Coronavirus Gesprächsthema unter den Kollegen", sagt Lutz Lange, Mitarbeiter der Firma. "Das Schild haben wir zur Vorbeugung aufgestellt", erklärt er. Das sei aber eigentlich keine außergewöhnliche Sache. Während einer Erkältungswelle verzichte man doch auch aufs Handgeben. Für weitere Maßnahmen wie etwa die Einschränkung des Publikumsverkehrs gibt es aus Sicht des Betriebes mit seinen rund 50 Mitarbeitern zurzeit keinen Anlass. "Für Panik besteht kein Grund", findet Lutz Lange.

Neuralgischer Nahverkehr

Etwas mehr Sorgen macht sich Frank Wruck, Geschäftsführer der Barnimer Busgesellschaft. Er hat täglich allein im Barnim an die 100 Busse im Einsatz. Die Fahrer kämen täglich mit viel Kleingeld und vielen Menschen in Kontakt, beschreibt er die Gefahren.

"Wir haben Desinfektionsmittel ausgegeben, können aber keines nachbestellen", berichtet Frank Wruck. Beim Ausbrechen des Virus und Kontakt von Busfahrern mit erkrankten Fahrgästen sei die Folge nicht abzuschätzen. "Es kann sein, dass wir dann den Busverkehr nicht mehr aufrecht erhalten können", gibt er zu bedenken. Auch in Märkisch-Oderland und kleinen Teilen der Uckermark fahren BBG-Busse. Dazu kommen zahlreiche Partnerunternehmen, im Raum Ahrensfelde-Panketal-Bernau auch aus Berlin. Ein Notfallplan liege bereit. Alle Fahrer hätten Handreichungen zum Umgang mit Fahrgästen erhalten, sagt der BBG-Geschäftsführer.

Insgesamt würden die Barnimer trotz neuer Corona-Meldungen aus der Region Berlin-Brandenburg bislang recht gelassen bleiben, bemerkt der Pressesprecher des Landkreises, Oliver Köhler. "Weder die Rettungsstellen an den Krankenhäusern in Bernau und Eberswalde noch die Regionalleitstelle NordOst, zuständig für die Koordinierung der Notrufe, meldeten bislang ein gesteigertes Aufkommen, das dem Coronavirus zuzuschreiben wäre", stellt er fest. "Es ist beruhigend zu sehen, dass die Barnimer so besonnen mit der Situation umgehen", bedankt sich Landrat Daniel Kurth bei der Bevölkerung und gibt weiterhin die Maxime aus: "Es gilt wachsam zu sein, aber nicht in Panik oder gar Ängste zu verfallen!"

Derweil bereitet eine Koordinierungsgruppe unter Leitung von Kurth das Eintreten eines Ernstfalls vor. Mit am Tisch sitzen neben Gesundheitsamt und Bevölkerungsschutz auch Vertreter der Krankenhäuser, des Rettungsdienst, der Polizei und der Regionalleitstelle. Abgesprochen werden Zuständigkeiten, Abläufe, mögliche Szenarien und die ganz konkrete Zusammenarbeit. Anlassbezogen gibt es zudem einen Austausch mit den Hausärzten im Landkreis. Auch Seuchenschutzpläne werden fortlaufend aktualisiert. Daneben geht der Arbeitsalltag in der Kreisverwaltung ganz normal weiter. Es gilt lediglich die so genannte Husten- und Nies-Etikette, und auch das Händeschütteln soll vermieden werden.

An anderer Stelle hat das aktuelle Geschehen zum Thema Coronavirus jedoch bereits Auswirkungen. Da vom Robert-Koch-Institut die Richtlinien zu Blutspenden verändert wurden, ist zu befürchten, dass es hier zu Engpässen kommt. Landrat Kurth ruft die Bevölkerung deshalb verstärkt zu Blutspenden auf. Der nächste Blutspende-Termin in Eberswalde im Plenarsaal des Paul-Wunderlich-Hauses ist für den 31. März vorgesehen.

Rat unter Kurzwahl 116 und 117

Wer bei Anzeichen einer Erkrankung ärztlichen Rat sucht, wird bei zwei Kurzwahl-Rufnummern der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) fündig. Unter 116 sowie 117 wird der Anrufer direkt mit einem Arzt zu einem Beratungsgespräch verbunden. So können die aufgetretenen Symptome eingeordnet werden. Sofern erforderlich, wird ein Arzt den Betroffenen aufsuchen.

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