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Zum Schutz vor Corona

Zum Schutz vor Corona
Hausaufgaben statt Unterricht für Niederbarnims Schüler

Leerer Klassenraum: Von 488 Basdorfer Grundschülern kam am Montag nur noch ein Viertel zum Unterricht.  Die stellvertretende Schulleiterin Sylvia Kleinschmidt hatte damit gerechnet.
Leerer Klassenraum: Von 488 Basdorfer Grundschülern kam am Montag nur noch ein Viertel zum Unterricht.  Die stellvertretende Schulleiterin Sylvia Kleinschmidt hatte damit gerechnet. © Foto: Hans Still
Hans Still, Kai-Uwe Krakau,Sabine Rakitin / 17.03.2020, 04:00 Uhr - Aktualisiert 17.03.2020, 07:06
Bernau (MOZ) Im Lehrerkollegium der Grundschule Basdorf wurden die wichtigsten Absprachen bereits vor dem Wochenende besprochen: Demnach dürfen die Kinder seit gestern der Schule fernbleiben, ohne dass sie mit Fehltagen rechnen müssen.

"Die Kinder sollen möglichst wenige soziale Kontakte haben, denn sonst würde sich im Krankheitsfall das Virus sehr schnell verbreiten", erklärt die stellvertretende Schulleiterin Sylvia Kleinschmidt. Folglich blieben am Montag einige Klassen komplett leer, andere waren mit fünf Schülern gefüllt, maximal kamen 14 Schüler einer Klasse zusammen. Von den 488 Grundschülern hatten sich so noch 120 morgens auf den Weg gemacht.

Zudem bekamen die Schüler am Freitag ihre Schulbücher und verschiedene Arbeitspläne mit, die nun in den kommenden Tagen abgearbeitet werden sollen. Denn wie im richtigen Arbeitsleben bedeutet Homeoffice nicht etwa Freizeit oder Corona-Urlaub. "Wenn die Kinder zwei Stunden am Tag für die Schule arbeiten, dann reicht das vermutlich für den Anfang. Denn wir dürfen nicht vergessen, die Situation insgesamt bedeutet zunächst für alle Stress", betont Sylvia Kleinschmidt. Sie weiß auch von Schülern, dass diese es teilweise sehr bedauern, nicht mehr in die Schule kommen zu dürfen. "Einige sind echt traurig darüber", bestätigt die Lehrerin.

Wichtig für die kommenden Wochen: Der Kontakt zwischen den Schülern und den Klassenleitern sei jederzeit möglich. Die Schule arbeitet schon länger mit einer entsprechenden Software, die es ermöglicht, sich auszutauschen, Aufgaben zu stellen und abzuarbeiten. Die Lehrer setzen ihre Schwerpunkte beim Lesen, Schreiben und Rechnen. "Mathe und Deutsch haben Priorität. Wir haben den Eltern aber versichert, eventuelle Lücken, die jetzt durch diese besondere Situation entstehen können, werden später  nicht bestraft",  sagt die Pädagogin.

Unklar war am Montag allerdings die Frage, wie die Lehrer selbst die nächsten Wochen verbringen werden. "Wir haben Präsenzpflicht, jeder Kollege wird erreichbar sein. Aber wir wissen nicht, wie die aus Berlin stammenden Lehrer noch mit Bahn oder Bus zur Schule kommen werden und natürlich haben wir auch Kollegen mit Risikobelastungen", deutet Sylvia Kleinschmidt an.

Indes fordert der Landkreis Barnim von den Städten und Gemeinden die Namen der so genannten Notfallkitas ab, um die Kinder der Eltern zu betreuen, die im Rettungsdienst, der Feuerwehr, in Krankenhäusern oder sonstigen neuralgischen Berufen tätig sind. Die Klosterfelder Kita, der Wandlitzer Hort und die Basdorfer Kita "Rappelkiste" wurden von den Wandlitzern bei der Kreisverwaltung gemeldet. Über die Zahl der zu betreuenden Kinder herrscht am Montagnachmittag noch keine Klarheit. "Ich weiß, allein in Stolzenhagen wurden zehn Kinder gemeldet. Aber die Zahl insgesamt ist noch nicht erfasst", sagt Bürgermeister Oliver Borchert.

Notfall-Kitas in Vorbereitung

Alle Städte und Gemeinden im Landkreis Barnim haben sich am Montag weiter auf die Notbetreuung von Kita-Kindern vorbereitet. "Bei uns sind bereits einige Anträge eingegangen", teilt der Sprecher der Gemeinde Ahrensfelde, Daniel Ackermann, mit. Ein entsprechendes Formular war bereits am Wochenende auf der Internetseite veröffentlicht worden. Der Arbeitgeber muss darauf bestätigen, dass beide Elternteile oder Alleinerziehende in Bereichen arbeiten, die für die Aufrechterhaltung der notwendigsten Daseinsvorsorge-Aufgaben unabdingbar sind. Dazu gehören beispielsweise medizinisches Fachpersonal, Pflegekräfte sowie Polizisten und Feuerwehrleute. Der Antrag kann dann in der Bürgerinformation abgegeben oder in den Briefkasten geworfen werden. Die Kita-Verwaltung prüft und informiert per Mail oder Telefon die Eltern. Das Bestätigungsschreiben liegt dann ab Mittwoch in der Notfall-Kita "Lindenzwerge" bereit. Die dortige Kapazität liegt bei 210 Kindern. "Wenn der Bedarf größer wird, müssen wir neu überlegen", so Ackermann.

Die Stadt Werneuchen bietet nach Angaben von Bürgermeister Frank Kulicke zunächst eine Notbetreuung in allen kommunalen Kindertagesstätten an. "Wir bereiten gerade einen Brief vor, den die Eltern am Dienstag erhalten werden", sagt der Verwaltungsleiter. Sie könnten dann erklären, welcher Berufsgruppe sie angehören. "Danach wissen wir, wie viel Kinder wir betreuen müssen", betont Kulicke. Anfang der nächsten Woche werde man eine Einrichtung zur Notfall-Kita erklären. "Das notwendige Personal steht dann zur Verfügung".

Auch die Gemeinde Panketal will weiterhin alle sieben Betreuungseinrichtungen öffnen. "Wenn es aber für eine Kita nur zwei oder drei Anmeldungen gibt, macht das natürlich wenig Sinn", sagte Pressesprecher Frank Wollgast. Die Kommune werde deshalb erst einmal abwarten, welchen Bedarf es überhaupt gebe. Das Antragsformular sowie weitere Informationen für Eltern würden  seit Montag auf der Homepage der Kommune stehen.

In der Stadt Bernau waren am Montag bereits 30 Anträge von Eltern für eine Notbetreuung ihrer Kinder eingegangen. "Wir rechnen am Dienstag mit dem großen Ansturm an Anträgen", erklärte Rathaus-Sprecherin Nancy Kersten. Drei Einrichtungen will die Stadt bei Bedarf öffnen: die "Kindergärtnerei" und die Kita "Friedenstaler Spatzen" sowie den Hort Blumenhag für die Notbetreuung von sieben- bis zwölfjährigen Grundschülern.

Voll des Lobes über die Eltern war der Amtsdirektor von Biesenthal-Barnim, André Nedlin, am Montag – dem ersten Tag, an dem alle Kitas in seinem Bereich geschlossen waren. "Es gab keinerlei Beschwerden. Im Gegenteil: Die Eltern haben sich untereinander organisiert. Ich bin sehr stolz und sehr dankbar dafür", sagte er. In der Kita "St. Martin" in Biesenthal findet zunächst die Notbetreuung statt. Noch ist nicht ganz klar, wie viele Kinder dafür angemeldet werden. Bislang hat erst eine Familie einen Antrag abgegeben. "Wir rechnen ab dem 23. März mit mehr Bedarf", sagte André Nedlin.

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