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Kunst
Video-Rundgang durch geschlossene DDR-Kunst-Schau auf Burg Beeskow

Peggy Lohse / 23.03.2020, 03:00 Uhr - Aktualisiert 23.03.2020, 15:51
Beeskow (MOZ) Im richtigen Leben sind sie Kulturwissenschaftlerin und -handwerkerin, Lehrerin und Hobby-Sammler im Ruhestand: Wolfgang Hain, Kristin Lemke, Constanze Rehfeld und Helga Siegesmund sowie Freundin Christel Weingart. Vier Frauen und ein Mann, vier Ostdeutsche und eine Westdeutsche. Seit Anfang Februar sind sie auch echte Kuratoren einer echten Ausstellung mit echter DDR-Kunst.

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Am 14. März hätte ihre Ausstellung auf der Burg Beeskow eröffnet werden sollen. Es ist die erste Schau des Projekts "Alle in die Kunst!", einer Zusammenarbeit der Burg mit dem Kunstarchiv Beeskow und dem Architekten und Fotografen Martin Maleschka, der sich in seinen Arbeiten vor allem intensiv mit DDR-Baukunst auseinandersetzt. Das Arbeitsergebnis des zweiten Kuratorenteams soll im Sommer gezeigt werden.

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Video-Rundgang durch DDR-Kunst-Schau in Beeskow

Videothek öffnen

Der Aufbau der Ausstellung in den vier Räumen der Burggalerie hatte vor knapp zwei Wochen gerade noch stattfinden können. Auch drei vom Kuratorenteam kamen, um Überschüssiges auszusortieren und mancherorts die Reihenfolge den Räumen anzupassen. Aber die Vernissage musste dann doch wegen der um sich greifenden Covid-19-Infektionen abgesagt werden. So hängt das "Leben in einem Land, das es nicht mehr gibt" – so der Titel – nun in einer Ausstellung, die es für die Öffentlichkeit noch nicht gibt.

An nur einem Wochenende sichteten die fünf Laienkuratoren die Bestände des Beeskower Kunstarchivs. Aus den über 10 000 Kunstwerken suchten sie sich einzeln und gemeinsam diejenigen heraus, die für sie das Leben in der DDR darstellten. "Bei der Auswahl haben wir uns von unserer Lebenserfahrung leiten lassen", schreiben die Kuratoren in ihrer Einführung. "Wir haben versucht, Klischees zu vermeiden und die Vielschichtigkeit im täglichen Leben zu zeigen."

Bunt bis fadenscheinig

Die Schau beginnt mit dem "Bunten Leben". Den Raum prägt farbenfrohe, großformatige Malerei. Motive sind ein Märchenerzähler, eine Reisegruppe, Nacktheit, eine Fleischerei-Szene. Es ist der schwerste Raum mit den meisten großformatigen Gemälden.

Darauf folgen "Strukturen des Alltags. Spuren der Auflösung" mit Gemälden, Grafiken und Fotografien sowie eine Büste. Nahezu alles hier ist schwarzweiß. Frauen in der Arbeit zeigt eine Fotoserie von Marion Wenzel. Jugend auf einem West-Rock-Festival zeigen die Bilder eines unbekannten Fotografen. Dieser Raum zeigt die DDR jenseits des propagierten Sozialismus. Constanze Rehfeld stellt dazu die Frage: Welche Kriterien lagen eigentlich bei der Auftragsvergabe an Künstler durch den Staat zugrunde?

In "Zwischen den Zeilen" dann geht es um Versuche einer Diktatur, "mit autoritären Mitteln soziale Gerechtigkeit zu verwirklichen", wie es Helga Siegesmund formuliert. Der "Fadenschein" mehrerer ganz unterschiedlicher Textilarbeiten schließt den Rundgang durch diese persönliche, teils bewusst widersprüchliche Auswahl von DDR-Kunst ab.

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