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Das Leben in der Geisterstadt Bergamo

Bessere Zeiten: Italien-Profi Lennart Czyborra trainiert mit Kids in seiner Heimat Wandlitz.
Bessere Zeiten: Italien-Profi Lennart Czyborra trainiert mit Kids in seiner Heimat Wandlitz. © Foto: Sergej Scheibe
Britta Gallrein / 23.03.2020, 06:00 Uhr
Bergamo (MOZ) Die Nachrichten aus dem italienischen Ort Bergamo sind schockierend. Knapp 5000 Tote infolge des Virus gibt es landesweit, in Bergamo mussten Militärwagen die Covid-19-Toten in andere Städte verteilen, weil es für sie keinen Platz mehr gibt. Lennart Czyborra aus Wandlitz (Barnim) spielt für den Erstligisten Atalanta Bergamo. Er schildert die Situation vor Ort.

Herr Czyborra, die wichtigste Frage: Wie geht es Ihnen gesundheitlich?

Mir geht es gut, ich habe keine Anzeichen der Krankheit.

Wie erleben Sie derzeit die Situation in Bergamo?

Es ist sehr schwierig. Wir sind hier alle in häuslicher Quarantäne. Wir dürfen das Haus so wenig wie möglich verlassen, nur zum Beispiel zum Einkaufen. Ich kaufe immer sehr viel ein, damit ich nicht so oft los muss und gehe in einen etwas teureren Supermarkt, in dem es leerer ist. Man bekommt durch Fernsehen und Internet aber natürlich sehr gut mit, was draußen passiert.

Wie sieht Ihr Alltag derzeit aus?

Wir Spieler halten uns soweit es geht fit mit Joggen auf dem Laufband und Übungen mit dem eigenen Körpergewicht wie Kniebeugen und Planks. Das mache ich etwa eine Stunde am Tag. Ansonsten schlafe ich viel, sehe Filme und verabrede mich mit Freunden aus der alten Heimat oder meinen Mitspielern bei Bergamo online zum Fifa- und Fortnite-Spielen an der Playstation.

Wie lange müssen Sie noch in Quarantäne aushalten?

Wir bekommen etwa jeden zweiten Tag aktuelle Nachrichten vom Verein. Stand heute geht die Quarantäne bis 4. April. Keiner weiß, ob es danach noch weiter geht.

Was macht diese soziale Isolation mit einem?

Es ist schon komisch. So eine Situation hatte ich noch nie, dass man sich jeden Tag nur mit sich selber beschäftigt. Da muss man wirklich aufpassen, dass man nicht depressiv wird. Ich spreche viel mit Freunden über Facetime, das hilft. Meine Eltern in Wandlitz machen sich natürlich große Sorgen, wir telefonieren täglich.

Man sieht aus Italien Videos von Menschen, die von ihren Balkonen aus zusammen Musik machen. Haben Sie das auch schon erlebt?

Ja, das gibt es hier wirklich jeden Abend. Immer so gegen 18 Uhr kommen die Leute auf die Balkone und singen. Ich gehe gerne raus und höre mir das an, selber mitsingen tue ich aber noch nicht (lacht).

Im deutschen Fußball wird viel diskutiert, wie man die Saison zu Ende führen könnte. Welche Lösung fänden Sie am besten?

Wir sind derzeit Vierter. Mit der Lösung, dass man jetzt abbricht und die ersten Vier spielen Champions League, könnte ich also gut leben. Aber natürlich will jeder Fußballer die Saison am liebsten zu Ende spielen. Wir haben noch 13 Spiele. Wenn wir drei Partien pro Woche absolvieren, die Saison länger ziehen und die nächste Spielzeit mit englischen Wochen beginnen, würde man es doch vielleicht hinbekommen.

In Deutschland verzichten einige Spieler auf Teile ihres Gehalts, um Vereine und Mitarbeiter zu unterstützen. Würden Sie das auch machen?

Das wurde bei uns bislang noch nicht thematisiert, aber natürlich würde ich auch auf jeden Fall darüber nachdenken.

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