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Tiervermittlung
Berliner Tierheim braucht Hilfe in Corona-Krise

In Zeiten von Corona steht auch das Tierheim Berlin vor großen Herausforderungen (Symbolbild).
In Zeiten von Corona steht auch das Tierheim Berlin vor großen Herausforderungen (Symbolbild). © Foto: Oliver Voigt/MOZ
Maria Neuendorff / 24.03.2020, 03:45 Uhr - Aktualisiert 24.03.2020, 09:17
Berlin (MOZ) In Zeiten von Corona steht auch das Tierheim Berlin vor großen Herausforderungen. Zur Sicherheit der Tierpfleger und Besucher musste Europas größte Einrichtung dieser Art in Falkenberg bereits vergangene Woche für den Publikumsverkehr schließen. Trotzdem wurden in der vergangenen Woche rund 40 Hunde und Katzen an neue Herrchen und Frauchen vermittelt.

"Das ist erst einmal eine gute Nachricht und zeigt, dass die Menschen auch in der Krise ein Herz für Tiere haben", freute sich Tierheimsprecherin Annette Rost am Montag. Eine Geschichte ging ihr dabei besonders ans Herz: Den Tierheimmitarbeitern gelang es, am Wochenende gleich sechs kleine Katzen-Kinder an einen Reiterhof nach Teltow zu vermitteln. "Die Pfleger haben so gekämpft, dass die Tiere zusammenbleiben können, weil die Kätzchen so aneinander hängen und immer im großen Knäuel schliefen", berichtet Rost. Nun haben sie auf dem Hof zusammen ein neues Zuhause gefunden und das in diesen Zeiten."

Nach wie vor werde mit Interessenten, die ein Tier adoptieren möchten, ein ausführliches Beratungsgespräch am Telefon geführt, bevor ein individueller Termin vor Ort vereinbart wird.

Mehr Tiere ausgesetzt

Die weitere Vermittlung ist dringend nötig. Denn nach wie vor werden Hunde, aber auch Meerschweinchen und Kaninchen in der Stadt ausgesetzt. In der vergangenen Woche sogar mehr als in der Woche zuvor. Ein Anstieg, den die Tierschützer eigentlich nur von der beginnenden Urlaubszeit kennen. Nun ist Reisen verboten. Warum es zu der Zunahme kommt, kann sich das Tierheim nicht erklären. "Und Engpässe stehen uns erst noch bevor, falls die amtliche Tiersammelstelle im Heim innerhalb kurzer Zeit viele Tiere von alleinstehenden Corona-Patienten aufnehmen müsste", erklärt Rost.

Denn wer unter Quarantäne gestellt wird, darf auch mit seinem Hund nicht mehr Gassi gehen. Allerdings seien solche Fälle dem Tierheim noch nicht bekannt. Sie bittet alle Hundehalter, jetzt schon vorzusorgen und Nachbarn, Verwandte oder Freunde für den Fall der Fälle um Hilfe zu bitten. Wer wirklich niemanden habe, bekomme vom Gesundheitsamt einen Ansprechpartner. Dieser besorgte wiederum bisher einen Ehrenamtlichen von einer der großen Hilfsorganisationen, der für den Betroffenen einkaufen und Gassi geht. Das Prozedere soll sich aber nun ändern. Morgen wird in Berlin eine Webseite freigeschaltet, auf der sich Ehrenamtliche für diese Tätigkeiten registrieren können.

Mehr über das Coronavirus und seine Auswirkungen auf Berlin und Brandenburg können Sie hier lesen

Um die Versorgung der rund 1400 Tiere im Heim aufrecht zu erhalten und die Ansteckungsgefahr für die 180 festangestellten Mitarbeiter zu minimieren, wurden große Teile der Verwaltung ins Homeoffice geschickt. "Natürlich kann kein Tier digital gefüttert werden", sagt Rost. So arbeiten die Pfleger nur noch in sehr kleinen Teams zusammen. Nach wie vor machten sie Spaziergänge mit den Hunden. "Auch sind die Außenanlagen so gestaltet, dass die Tiere abwechselnd Luft und Sonne tanken können."

Doch ohne Publikumsverkehr wirken die Tierhäuser und der angeschlossene Bauernhof mit Eseln, Hühnern und Gänsen in diesen Tagen verwaist. Am Wochenende tummeln sich sonst bis zu tausend Besucher in der weitläufigen Anlage am nordöstlichen Stadtrand. "Manche Familien sehen uns als Ausflugsziel, was wir sonst auch begrüßen", sagt Rost.

Problematisch werde für den Tierschutzverein als Betreiber vor allem die Geldakquise. Denn der Betrieb des Tierheims finanziert sich fast ausschließlich aus Spenden. Diese kommen auch bei Veranstaltungen zusammen. "Schweren Herzens mussten wir unseren großen Trödelmarkt, ein beliebtes Hundeseminar und sogar das Tierschutz-Festival absagen." Das hätte im Mai stattfinden sollen, in der Vergangenheit hatten regelmäßig über 10 000 Menschen das Festival besucht. Nun muss der Verein größtenteils über das Internet Spender motivieren. "Wir hoffen, dass Tierfreunde uns auch in dieser sorgenvollen Zeit finanziell unterstützen und unsere Tiere nicht vergessen."

Aktuelle Infos zur Lage und Vermittlung finden Sie hier.

Keinen Hinweis zu Übertragung durch Tiere

Es gibt keinerlei Hinweise dafür, dass Haustiere das aktuell kursierende Coronavirus Sars-CoV2 übertragen oder selbst daran erkranken können. "Leider hält sich dieses Gerücht weiterhin und stellt damit auch eine Belastung für die Tierheime dar, wenn besorgte Menschen in Erwägung ziehen, ihre Tiere vorsorglich abzugeben. Dafür gibt es keinen Grund", betont Eva Rönspieß. ⇥neu

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