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Corona-Krise
Kliniken und Praxen in ganz Brandenburg fehlt Schutzausrüstung

Mangelware: Solveig Brändl vom Textilunternehmen Brändl in Sachsen zeigt Schutzkleidung und eine Mundschutzmaske, die im Unternehmen gefertigt werden.
Mangelware: Solveig Brändl vom Textilunternehmen Brändl in Sachsen zeigt Schutzkleidung und eine Mundschutzmaske, die im Unternehmen gefertigt werden. © Foto: Hendrik Schmidt/dpa
Ulrich Thiessen / 26.03.2020, 03:15 Uhr - Aktualisiert 26.03.2020, 06:23
Potsdam (MOZ) Die Beschaffung von Schutzkleidung wird immer mehr zum zentralen Problem für die brandenburgische Landesregierung im Kampf gegen Corona. Gabriel Hesse, Sprecher des Koordinierungsstabes von Innen- und Gesundheitsministerium, erklärte am Mittwoch, dass die ursprüngliche Hoffnung auf die Unterstützung des Bundes bei der Beschaffung von Schutzausrüstung einer Ernüchterung gewichen ist.

Bundesregierung und Bundeswehr sollten eigentlich für alle Bundesländer ab dem 16. März die Bestellungen in Tranchen ausliefern. Leider sei in Brandenburg bislang so gut wie keine persönliche Schutzausrüstung eingetroffen, sagte Hesse gegenüber dieser Zeitung. Stattdessen wurde bekannt, dass sechs Millionen vom deutschen Zoll bestellte Schutzmasken in Kenia verschwunden sind.

Konkret fehlen in den Kliniken und Praxen aktuell Schutzmasken, Handschuhe, Schutzbrillen, Gesichtsschutz, Operationsmasken, Kittel und Overalls. Aber auch in den Pflegeeinrichtungen wird dringend Material gebraucht. Darüber hinaus fragen viele Berufsgruppen, die in Kontakt mit Menschen kommen, nach Schutzkleidung oder wenigstens Masken.

Kontakte nach Asien

Laut Hesse haben sich schon mehrere Versuche des Landes, auf dem internationalen Mark Schutzkleidung zu kaufen, in letzter Minute zerschlagen. Der Koordinierungsstab habe aktuell Kontakte nach Asien aufgebaut und versucht auch entsprechende Logistikwege zu eruieren.

Gleichzeitig werden auch Möglichkeiten der Eigenproduktion in Kooperation mit ansässigen Unternehmen von der Landesregierung geprüft. Die Wirtschaftsfördergesellschaft hat mehrere Unternehmen in Brandenburg eruiert, die Produkte für den Medizinbereich herstellen oder als Großhändler vertreiben. Ziel sei es, sie zu vernetzen und Unternehmen die Umstellung der Produktion auf die dringend benötigten Waren zu erleichtern, so Alexander Gallrein, Sprecher der Wirtschaftsförderung Brandenburg.

Christian Wehry, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KV), kritisiert auch die groß angekündigten Bestellungen seitens des Bundes, die bislang in einer Enttäuschung mündeten.

Mehr über die Corona-Auswirkungen in Berlin und Brandenburg können Sie hier lesen

Die KV hat deshalb ein eigenes Beschaffungsteam mit vier Mitarbeitern aufgebaut, die rund um die Uhr versuchen, auf dem Weltmarkt an Schutzausrüstungen zu gelangen. Leider, so Wehry, seien auch viele unseriöse Anbieter unterwegs, die die Notlage auszunutzen versuchten. "Ohne Vorkasse geht sowieso nichts mehr", beschreibt er die Lage.

Der größte Engpass bestehe aktuell bei Schutzmasken. Aber auch  Desinfektionsmittel werden in einigen Praxen knapp, sagt Wehry. Er räumte ein, dass einige Arztpraxen bereits wegen der Versorgungsengpässe schließen mussten. Die KV baut aktuell ein Meldesystem auf, um diese Fälle erfassen zu können.

Wann die nächste Lieferung eintrifft, wagt die Kassenärztliche Vereinigung nicht zu prognostizieren. Die Lieferung von 50.000 Schutzmasken  am vergangenen Sonnabend sei ein einziges Abenteuer gewesen. Die Lieferung von Brasilien ging nach Amsterdam und musste von dort, weil es keinen Flug gab, über Nacht mit dem Lkw abgeholt und in Berlin verzollt werden. Leider, so Wehry, war das auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft DPolG schlug am Mittwoch eine rasche Strafverschärfung für den Diebstahl von Hilfsmitteln im Kampf gegen Corona vor. Bodo Pfalzgraf, Landesvorsitzender der DPolG Berlin: "Wer durch Diebstahl Menschen in Gefahr bringt, handelt besonders verantwortungslos. Insbesondere, wenn er damit dem Gemeinwohl so empfindlich schadet."

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Norbert Wesenberg 27.03.2020 - 06:59:16

Kliniken und Praxen in ganz Brandenburg fehlt Schutzausrüstung

Einfach irre! "Konkret fehlen in den Kliniken und Praxen aktuell Schutzmasken, Handschuhe, Schutzbrillen, Gesichtsschutz, Operationsmasken, Kittel und Overalls." "Mit Maschinen aus Deutschland wird das in der ganzen Welt produziert"(M. Söder); nur Deutschland hat nichts davon. Das Ergebnis ist die Antwort auf die Globalisierung und die Geiz ist geil Mentalität.

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