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Jagdrecht
Umweltministerium arbeitet an neuer Biberverordnung für Brandenburg

Auf der Abschussliste: Sogenannten Problembibern kann es in Brandenburg aufgrund einer Verordnung an den Pelz gehen. Doch wie geht es weiter?
Auf der Abschussliste: Sogenannten Problembibern kann es in Brandenburg aufgrund einer Verordnung an den Pelz gehen. Doch wie geht es weiter? © Foto: Felix Heyder/dpa
Ulrich Thiessen / 26.03.2020, 03:45 Uhr - Aktualisiert 26.03.2020, 06:32
Potsdam (MOZ) Das Umweltministerium arbeitet mit Hochdruck an der neuen Biberverordnung, heißt es aus dem Haus von Axel Vogel (Grüne). Eigentlich ist die Verordnung schon im letzten Herbst ausgelaufen und wurde von Vogels Vorgänger Jörg Vogelsänger (SPD) um ein halbes Jahr verlängert. Das läuft Ende März ab.

Brandenburgs Landnutzer fürchten das Schlimmste: Die Verordnung, die fünf Jahre lang den Umgang mit dem Nager regelte, könnte ohne Ersatz wegfallen und dann das Bundesnaturschutzgesetz wieder gelten. Das sieht vor, dass der Biber nur bei drohender Gefahr "entnommen" werden darf. Dazu müsste ein Antrag bei der Unteren Naturschutzbehörde gestellt werden mit einer vierwöchigen Einspruchsfrist für Naturschutzverbände. Eine Katastrophe, sagt Gregor Beyer, Geschäftsführer des "Forum Natur", – eines Dachverbandes der Landnutzer.

Vor fünf Jahren wurde das Bibermanagement samt Verordnung als Kompromiss ins Leben gerufen. Demnach können die Wasser- und Bodenverbände bei Gefahr Biberdämme unbürokratisch beseitigen lassen und Jäger beauftragen, Biber zu schießen.

Klaus-Dieter Lehmann aus Golzow im Oderbruch hat in der abgelaufenen Jagdsaison zwischen Mitte Oktober und Mitte März zwölf Biber geschossen. Trotzdem, so berichtet er, gelingt es nicht, in Regionen wie an der Oder die Population zu begrenzen. Zwei Straßen in seiner Heimatgegend sind gesperrt, andere können von Traktoren nicht genutzt werden, weil sie untergraben wurden.

Hier können Sie einen Kommentar zur neuen Biberverordnung lesen

Henrik Wendorff, Präsident des Landesbauernverbandes, hatte deshalb auf die vor fünf Jahren vereinbarte Evaluierung der Biberverordnung gehofft. Allerdings wurden die Landnutzer nach seiner Aussage nicht in die Erarbeitung einer neuen Verordnung, wann immer sie fertig sein sollte, einbezogen. Auf ein Schreiben mit Vorschlägen habe man vom Ministerium keine Antwort erhalten, sagt Wendorff.

Für Gregor Beyer liegt die wichtigste Änderung auf der Hand: Der Biber gehört ins Jagdrecht. Dann wird jedes Jahr für jede Region eine Abschussquote festgelegt und die Jäger sind für deren Umsetzung zuständig.

Für Klaus-Dieter Lehmann hätte diese Regelung einen klaren Vorteil. Er könnte dann das Fleisch und das Fell des Bibers verwerten. Das ist jetzt nicht erlaubt. Das Fleisch, das er geschmacklich zwischen Reh und Rind einordnet und das in den baltischen Ländern als Delikatesse gilt, darf er jetzt nur für den Hausgebrauch nutzen. Das Fell muss er vergraben, weil auch hier die kommerzielle Nutzung untersagt ist.

Kein Geld für ländlichen Raum

Bauernpräsident Wendorff fürchtet, dass das Umweltministerium die Landwirte, Waldbesitzer und kleinen Kommunen aus dem Blick verliert. Das Land setzt viel Geld für Drahtmatten ein, um die Deiche vor dem Biber zu schützen. Demnächst sollen der Landesbetrieb für Straßenwesen und die Bahn Biber an Landesstraßen beziehungsweise Bahndämmen schießen lassen können. Für die kleinen Gewässer und die Straßen im ländlichen Raum sei jedoch kein Geld für Schutzmaßnahmen vorhanden. Landwirte würden mit den wirtschaftlichen Folgen allein gelassen. All das hätte er gern im  Evaluierungsverfahren vorgebracht, fand dazu aber keine Möglichkeit.

Aus dem Ministerium heißt es, Landnutzer und Umweltverbände können Stellung nehmen, wenn die neue Verordnung erarbeitet ist. Eines sei jedoch schon klar, so eine Sprecherin: Das Jagdrecht für den Biber ist nicht vorgesehen.

Abschussquote der vergangenen Jahre

Die Saison für die Entnahme von Bibern geht von Mitte September bis Mitte März. Die ersten vier Wochen soll versucht werden, den Biber zu "vergrämen", so sieht es die noch geltende Biberverordnung vor. Erst ab Mitte Oktober darf geschossen werden. Das passiert meist nachts, in klaren Mondnächten.

In der abgelaufenen Saison wurden 78 Biber aufgrund der Biberverordnung geschossen. Im Jahr davor waren es laut Umweltministerium landesweit 67 Tiere. Das war eine deutliche Steigerung gegenüber dem Jahr davor, als 26 Nager zur Strecke gebracht wurden. ⇥thi

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