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Corona-Pandemie
Das Therapiezentrum Wriezen ist weiter für die Patienten offen

Halten zusammen in schweren Zeiten: die Mitarbeiterinnen und der Mitarbeiter des Therapiezentrum Wriezen. Sandra Baumgärtner (vorne links) und ihr Team kommen auch während der Corona-Epidemie dem medizinischen Versorgungsauftrag nach.
Halten zusammen in schweren Zeiten: die Mitarbeiterinnen und der Mitarbeiter des Therapiezentrum Wriezen. Sandra Baumgärtner (vorne links) und ihr Team kommen auch während der Corona-Epidemie dem medizinischen Versorgungsauftrag nach. © Foto: Thomas Matena
Jacqueline Westermann / 27.03.2020, 03:00 Uhr - Aktualisiert 27.03.2020, 07:10
Wriezen (MOZ) Wir haben einen medizinischen Versorgungsauftrag und dem kommen wir auch nach", erklärt Sandra Baumgärtner, Leiterin des Therapiezentrum Wriezen. "Wir gehören zur medizinischen Grundversorgung, haben also systemrelevante Berufe."

Und deswegen seien ihr Team und sie weiterhin für ihre Patientinnen und Patienten da. Schließlich würde die Praxis auch akute Schmerzpatienten betreuen. "Die sind uns natürlich sehr, sehr dankbar, dass wir sie weiterhin behandeln", sagt Baumgärtner. Dazu kommen auch chronisch kranke Patienten, die ohne regelmäßige Unterstützung deutlich mehr Beschwerden und Probleme hätten. Die 37-Jährige sieht darin auch vorbeugende Maßnahmen. Dass sie diese Patienten weiter ambulant behandeln kann, würde verhindern, dass diese Betroffenen auch noch in die Krankenhäuser zur Behandlung müssten und sich dadurch nicht nur dem größeren Risiko der Ansteckung aussetzen würden, sondern auch Kapazitäten in den Krankenhäusern belegten.

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Im eigenen Ermessen des Patienten

Einige Patienten würden aber auch schon Termine absagen. Meistens bräuchten sie keine dringende Versorgung oder seien selber Teil einer Risikogruppe. Dafür hat Baumgärtner natürlich vollstes Verständnis. "Es liegt immer im Ermessen des Patienten, ob er einen vom Arzt verordneten Hausbesuch im Augenblick in Anspruch nehmen möchte oder nicht", erklärt sie.

In normalen Zeiten bietet das Therapiezentrum Wriezen auch Fußpflege und Kosmetikbehandlungen an – diese seien jedoch keine medizinisch notwendigen, sondern Wellness- und Selbstzahler-Leistungen. Dementsprechend kann dieses Angebot der Einrichtung seit Anfang dieser Woche nicht mehr realisiert werden. Der Produktverkauf fände aber noch eingeschränkt statt, auch mit der Aussicht auf Ostern und möglicher Geschenke, fügt Baumgärtner hinzu. Die Kosmetikerin des Therapiezentrums würde Lieferungen nach Hause durchführen.

Im Zentrum arbeiten derzeit noch fünf Therapeutinnen und Therapeuten in den Bereichen Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie. "Im Moment haben wir keine Wahl, als unter den verschärften Bedingungen zu arbeiten. Wir wollen unsere Patienten nicht im Stich lassen und auch unsere Mitarbeiter durch die Krise bringen. Es geht hier ja auch um die Gewährleistung des Arbeitsplatzes", erklärt Baumgärtner. Sie hätte schon bemerkt, dass sie alle viel angespannter als sonst seien. "Jeder ist im Ausnahmezustand", sagt sie. Man sorge sich in diesen Zeiten natürlich um sich selber und seine Familie .

Von den meisten Patienten erführen sie jedoch vor allem Dankbarkeit und einen freundlichen Umgang. Die Arbeit würde nun einmal eins-zu-eins durchgeführt, da bliebe es nicht aus, dass man sich näher kommt. "Es gibt einen sehr respektvollen Umgang miteinander", erzählt die Zentrums-Leiterin. Alle hätten Verständnis aufgrund der besonderen Situation.

Versorgung vs. Schließung

Das es auch andere Stimmen gibt, zeigt die Diskussion in der Branche: Es gebe derzeit zwei Lager: Die einen Therapeuten stellten ihren medizinischen Versorgungsauftrag in den Vordergrund und wollen ihre Patienten weiter unterstützen, das andere Lager fordere alle Einrichtungen zu schließen.

Für Baumgärtner und ihr Team geht es so lange weiter, bis anderweitige Verordnungen getroffen werden. "Wir sind auch in der glücklichen Lage, dass wir genug Desinfektionsmittel für unsere Mitarbeiter haben", sagt sie. Sie hätten natürlich schon immer hygienisch gearbeitet und seien auch dankbar, dass die Patienten sich an ihre Handhygiene hielten. "Wahrscheinlich desinfizieren wir gerade dreimal mehr als sonst", erzählt Baumgärtner. Handschuhe tragen sie und wenn nötig auch einen Mundschutz, vor allem bei Risikopatienten. Nicht nur für die Gesundheit, aber auch für den eigenen Kopf sei es gerade wichtig, stärkere Hygienemaßnahmen als sonst anzulegen.

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Kurmittelhaus auch weiter geöffnet

Auch in der Kurstadt kommt man dem Versorgungsauftrag nach. Im Kurmittelhaus werden medizinisch notwendige Therapien weiter durchgeführt. Das teilte Kristin Schröder-Kolzew auf Anfrage der MOZ mit. Dazu zählten keine privaten, sondern nur auf Rezept verordnete Massagen. "Wir arbeiten unter extrem hohen Hygienebedingungen", so Schröder-Kolzew. Die Verwaltungsleiterin der Fachklinik und Moorbad Freienwalde GmbH, zu der das Kurmittelhaus gehört, hat gemeinsam mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern viele Vorsichts- und Hygienemaßnahmen getroffen. "Wir haben einen großen Aufsteller im Eingangsbereich, der darauf hinweist, dass Personen, die Erkältungs- oder andere Virussymptome zeigen oder Kontakt zu Covid-19-Erkrankten hatten, derzeit unsere Einrichtung nicht betreten dürfen. Im Wartebereich halten wir strikt den 2-Meter-Abstand ein. Auch zur Rezeption muss der Abstand eingehalten werden", erklärt Schröder-Kolzew. Die Termine seien aber auch so gelegt, dass der Wartebereich kaum frequentiert werde. Als Alternative hätten sie auch eine Bank vor den Eingang gestellt, wo man in der Sonne Platz nehmen könnte, während man auf den Termin wartet.Die Mitarbeitenden schützten sich so gut wie möglich selber. Aber mehr als die Einhaltung der Hygienebestimmungen bliebe ihnen derzeit nicht übrig. "Man kann unsere Patienten eben nicht in Plexiglas packen", fügt die Verwaltungsleiterin hinzu.⇥jw

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