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Corona-Krise
Hoffnungstaler Werkstätten für Behinderte in Biesenthal nach Beschwerden geschlossen

Sabine Rakitin / 27.03.2020, 03:00 Uhr - Aktualisiert 27.03.2020, 09:49
Biesenthal (MOZ) Mehrere Hilferufe hat jetzt die Hoffnungstaler Stiftung Lobetal gestartet. Ihre Einrichtungen sind dringend auf Ehrenamtliche angewiesen. "Die werden benötigt, damit Hauptamtliche den Kopf frei haben für zentrale Aufgaben, die durch die Pandemie zu lösen und zu organisieren sind", heißt es in einem öffentlichen Aufruf der Stiftung. Gesucht werden Freiwillige für "Küchentätigkeiten aller Art" wie Mahlzeiten vorbereiten, Brote schmieren und die Essensausgabe, "für Reinigungsarbeiten, für Einkäufe, leichte Hausmeistertätigkeiten und für die Betreuung der gesunden Bewohner".

Die öffentliche Suche nach Helfern kommt nicht von ungefähr. Am Montag dieser Woche sind die Hoffnungstaler Werkstätten geschlossen worden. Alle Beschäftigten mit Handicap wurden nach Hause geschickt. Dem vorausgegangen waren Beschwerden mehrerer Eltern, die bis ins Gesundheitsministerium nach Potsdam gelangten.

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So schrieb eine Mutter aus dem Barnim, deren Sohn in den Hoffnungstaler Werkstätten arbeitet und die selbst dem Angehörigenbeirat angehört: "Ich bin, gelinde gesagt, ziemlich verzweifelt." Vergeblich hätten die Mitglieder des Angehörigenbeirates versucht,  im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie auf die Situation in den Behindertenwerkstätten aufmerksam zu machen, beklagte sie. Während  zunehmend einschränkende Maßnahmen gegen die Verbreitung von Covid-19 das gesellschaftliche Leben bestimmten, habe es in den Werkstätten kaum welche gegeben.

So hätten die Werkstätten "zwar kürzere Reinigungsintervalle eingeführt und die Beschäftigten belehrt, aber aus unserer Sicht reichen diese Maßnahmen nicht aus", erklärte das Mitglied des Angehörigenbeirates und listete eine Reihe von Problemen auf, die die Beschäftigten der Werkstätten in besondere Gefahr brachten. So hätten diese zum Teil Vorerkrankungen und gehörten damit zur Risikogruppe. Ein erhöhtes Ansteckungsrisiko bestehe zudem für diejenigen, die mit dem Öffentlichen Personennahverkehr zur Arbeit fahren. "Aufgrund von kognitiven Einschränkungen der Beschäftigten ist die aktuell empfohlene Hygieneetikette und Abstand zu halten, schwer umsetzbar", argumentierte die Barnimerin unter anderem. Sie befürchtete, "dass der Betrieb solange weiter läuft, bis auf politischer Ebene eine Entscheidung getroffen wird."

Doch die Forderung der Angehörigen nach Schließung der Behindertenwerkstätten stießen zunächst nicht nur in der Hoffnungstaler Stiftung auf taube Ohren, sondern auch im Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg. Noch am 20. März hieß es in einem Schreiben aus Potsdam: "In der Eindämmungsverordnung sind für die Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) keine Einstellung des Betriebs oder Einschränkungen vorgesehen". Für diese würden deshalb die gleichen Hinweise zu Schutzvorkehrungen und ähnlichem gelten wie für alle anderen Betriebe und Einrichtungen. "Eine Schließung von WfbM kommt gegenwärtig nur bei allgemein oder im Einzelfall geltenden entsprechenden Vorgaben der örtlichen Gesundheitsämter in Betracht. In allen anderen Fällen wird auf die Eigenverantwortung der Träger hingewiesen."

Keine Hilfe aus Potsdam

Es folgt in dem Schreiben eine allgemeine Belehrung darüber, dass Behinderte, Angehörige und gesetzlich bestellte  Betreuer "auch durch die WfbM" über den Umgang mit dem Virus und insbesondere über Hygienemaßnahmen und Infektionsrisiken zu informieren seien. Informationen erhalte man auf der Webside des Robert-Koch-Instituts oder bei den örtlichen Gesundheitsämtern, heißt es abschließend. Die betroffenen Familien, deren Angehörige in Lobetal beschäftigt sind, mussten noch einmal drei Tage warten, bis die Werkstätten geschlossen wurden.

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