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Forstwirtschaft
Holz vom Tesla-Gelände in Grünheide bei Berlin übersättigt den Holzmarkt

Im Auftrag von Tesla fällte diese Erntemaschine ein Teil der Kiefern auf dem Gelände der künftigen Gigafactory.
Im Auftrag von Tesla fällte diese Erntemaschine ein Teil der Kiefern auf dem Gelände der künftigen Gigafactory. © Foto: Bernd Settnik/dpa
Katharina Schmidt / 27.03.2020, 04:00 Uhr - Aktualisiert 27.03.2020, 07:16
Grünheide (MOZ) Auf seinem künftigen Fabrikgelände in Grünheide hat der US-amerikanische Elektro-Autobauer Tesla rund 90 Hektar märkisches Kiefernholz geerntet. Das Holz gelangte auf einen ohnehin angespannten Holzmarkt. Der Rohstoff soll an das Sägewerk in Baruth, die Spanplattenfabrik in Beeskow und ein Heizunternehmen veräußert worden sein – allerdings wollte keines der Unternehmen dies offiziell bestätigen.

Hat Tesla auf den Absatzmarkt für Holz in Brandenburg stark gedrückt? Der Stadtforstdirektor von Fürstenwalde, Thomas Weber, verneint das: "Tesla belastet den Absatzmarkt nur mit einer geringen Holzmenge". Bei 3,5 Millionen Kubikmeter Verkaufsmenge in Brandenburg liege Teslas Anteil mit 30.000 Kubikmeter bei einem Prozent.

Gesunkene Holzpreise

Jedoch ob mit oder ohne Tesla, dem Holzmarkt gehe es derzeit nicht gut, befindet Weber. Es gebe in Deutschland zu viel Schadholz aus den Fichtenregionen, die den Markt belasten. "Deshalb haben wir die Waldpflege durch Holzeinschlag zurückgestellt und beginnen erst im zweiten Halbjahr." Die abgestorbenen Fichten seien nur noch für Faserplatten geeignet. Normalerweise liegen die Preise für das Holz der Fichte höher als die der Kiefer. "Die Dürre und der Borkenkäfer haben alles auf den Kopf gestellt", so Weber. Allerdings stehe es trotzdem nicht gut um den Absatz des Kiefernholzes. In den letzten fünf Jahren habe sich der durchschnittliche Preis auf 20 Euro pro Kubikmeter Kiefernholz halbiert, sagt der Forstdirektor.

Schwemme schadhaften Holzes

Auch der Hauptverband der deutschen Holzindustrie meldet einen Umsatzrückgang von 1,2 Prozent, was vor allem "auf den negativen Preiseffekt beim Holz und der Holzproduktion" zurückzuführen sei, heißt es in einer Mitteilung. Die geringen Holzpreise erschweren wiederum die Investitionen in den notwendigen Waldumbau.

Martin Hasselbach vom Waldbesitzerverband Brandenburg erklärt die Ursachen für die Holzinflation: Stürme, Trockenperioden, Hitze und vor allem die Borkenkäfer führen dazu, dass in den Fichtenwäldern "überwiegend durch die Borkenkäfer befallenes Holz geschlagen werde und nicht mehr das Frischholz". Denn zum Aufbau des Waldes wird das gesunde Frischholz geschont. Das Überangebot an schadhaftem Holz überschwemme den Markt und drücke die Preise.

Mehr über die Tesla-Ansiedlung in Grünheide bei Berlin können Sie hier lesen

Hasselbach wendet ein, dass es den Regionen mit Kiefern wirtschaftlich zur Zeit noch besser gehe. So sind die Kiefernwälder Brandenburgs nicht so stark vom Borkenkäferbefall betroffen, dafür von Brandgefahren. Auch gingen Hitze und Dürre nicht spurlos an den märkischen Nadelbäumen vorbei. Anders als das Frischholz kann das trockene Holz nicht mehr für alle Zwecke verwendet werden. Etwa sorgen durch die Trockenheit des Holzes bedingte Bläuepilze dafür, dass das Kiefernholz nicht mehr gut gebeizt werden könne. "Für statische Zwecke ist das Holz aber nach wie vor hervorragend geeignet", fügt Hasselbach hinzu.

Wie sich der Holzmarkt weiter entwickeln wird, kann Hasselbach schwer einschätzen, "ich stelle mich aber darauf ein, dass uns die Extremwetterverhältnisse weiter beschäftigen werden."

Brandenburgs Kiefernwälder

Mit 1,1 Millionen Hektar Forst zählt die Mark Brandenburg zu den waldreichsten Ländern der Bundesrepublik. Davon gehören 280 000 Hektar dem Land. Privatwaldbesitzer verwalten mit 61 Prozent den größten Anteil der Waldfläche. In den Märkischen Wäldern wächst zu 70 Prozent die Kiefer, das sind ein Drittel des Bundesbestandes.Die vielen Waldbrände und extremen Wetterbedingungen der letzten zwei Jahre haben den Zustand des Waldes drastisch verschlechtert. Laut dem Landesforstministerium hat sich die Schadfläche auf 37 Prozent erhöht. ⇥kas

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