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Corona-Pandemie
Die Notbetreuung der Kita-Kinder startet in Eberswalde

Zähneputzen und Händewaschen: In Zeiten von Corona noch wichtiger, hier eine Aufnahme aus der Kita "Zaubernuss" in Eberswalde. Laut Rathaus gibt es in jeder Einrichtung neben den allgemeinen Standards einen spezifischen Hygieneplan.
Zähneputzen und Händewaschen: In Zeiten von Corona noch wichtiger, hier eine Aufnahme aus der Kita "Zaubernuss" in Eberswalde. Laut Rathaus gibt es in jeder Einrichtung neben den allgemeinen Standards einen spezifischen Hygieneplan. © Foto: tb
Viola Petersson / 27.03.2020, 04:00 Uhr - Aktualisiert 27.03.2020, 12:19
Eberswalde (MOZ) Noch Anfang des Monats waren die Eberswalder Kitas rappelvoll. Die Plätze sind knapp in der Kreisstadt. Viele Eltern suchen eine Betreuung für den Nachwuchs und warten. Seit anderthalb Wochen indes ist nichts mehr wie es war.

Auf einmal ist viel, viel Platz in den Einrichtungen. Wegen der Corona-Pandemie gibt es nur noch eine "Notbetreuung". In Eberswalde wie überall. Anspruch auf Versorgung haben ausschließlich Eltern, die in der "kritischen Infrastruktur" oder in "systemrelevanten Bereichen", wie es behördlich heißt, arbeiten. Also etwa Schützlinge von Ärzten, Krankenschwestern, Altenpflegern, Verkäuferinnen, Polizisten. Wie ist der Notbetrieb angelaufen?

Alles über das Coronavirus und seine Folgen für Brandenburg und Berlin in unserem Corona-Blog.

Nach holprigem Start läuft die Notbetreuung

Der Start sei "etwas holprig" gewesen, sagt Kerstin Ladewig, Amtsleiterin für den Bereich Kitas im Eberwalder Rathaus. Nach wenigen Tagen aber schon habe sich das Geschäft eingespielt. Dank des Verständnisses und des Engagements der Erzieher und der Eltern. Die Antragstellung laufe – über die Kitas – beim Landkreis Barnim. Das "klappt gut", so die Einschätzung von Kerstin Ladewig. Täglich gebe es Rückmeldungen, einige Eltern würden noch auf eine Genehmigung warten.

Mit Stand vom 25. März habe der Landkreis 1409 Anträge von Eltern auf Notbetreuung bewilligt, erklärt Kreis-Sprecher Oliver Köhler auf Anfrage. 350 Begehren wurden bislang abgelehnt. Seit Mittwoch dieser Woche sei auch die Betreuung von Kindern bei einer Tagesmutter untersagt, so sein Hinweis. Ein Recht auf Notversorgung haben im Barnim, anders als nach der Neuregelung in Berlin, nur Eltern, die beide in unentbehrlichen Jobs tätig sind.

So ist denn die Zahl der Steppkes in den Einrichtungen derzeit sehr übersichtlich. Landesweit ist von sieben Prozent der sonst betreuten Kinder die Rede. In Eberswalde besuchen momentan laut Ladewig zwischen 60 und 90 Mädchen und Jungen die Kitas. Vor der Krise waren in Eberswalde 1679 Schützlinge in den städtischen Einrichtungen angemeldet. Sodass die aktuelle Quote bei weniger als sechs Prozent liegt.

Die jetzigen Zahlen würden, bedingt durch Schicht- und Teildienste, von Tag zu Tag schwanken. Ebenso wie es zwischen den Kitas Unterschiede gebe. Im "Sputnik" etwa werden derzeit nur zwei Kinder betreut, im "Gestiefelten Kater" zehn und im "Kinderparadies Nordend" 14. Die Betreuung werde in kleinen Gruppen mit maximal fünf, sechs Kindern sichergestellt. Der Personaleinsatz erfolge in "Wechselschichten" von 6 bis 18 Uhr, um den Bedarf der Eltern zu decken. Einige Erzieherinnen, die selbst Mutter kleiner Kinder sind oder zur Risikogruppe gehören, wären zuhause, so Ladewig. Sie würden dort Heimarbeit erledigen, etwa Entwicklungsdokumentationen vervollständigen.

Eine besondere Situation gibt es in der Gemeinde Schorfheide, die bekanntlich selbst keine Kita betreibt. Alle sechs Einrichtungen zwischen Groß Schönebeck und Finowfurt befinden sich in freier Trägerschaft. Die Zusammenarbeit mit den Trägern funktioniere aber hervorragend, so Peggy Sydow, Amtsleiterin in der Gemeindeverwaltung. "Wir stehen gerade jetzt natürlich im sehr engen Kontakt." Derzeit würden zwischen 25 und 30 Mädchen und Jungen die Kitas besuchen. Dies entpreche drei Prozent. Trotz der sehr geringen Zahl seien alle Häuser geöffnet, um eben eine Durchmischung der Gruppen zu vermeiden. Auch wenn, wie Sydow betont, es nach wie vor in der Gemeinde Schorfheide keinen positiv getesteten Corona-Fall gibt.

Beschäftigung in Kleingruppen

"Ich bin sehr froh, dass es keine Zentral-Einrichtungen gibt", bestätigt Kerstin Schadow, Kita-Koordinatorin in der Bildungseinrichtung Buckow, die in Schorfheide und Eberswalde Häuser betreibt. Die Umsetzung der kreislichen Verordnung sei "gut angelaufen". Das Jugendamt sei bemüht, die Anträge der Eltern zügig zu bearbeiten.

Keinen Notbetreuungsbedarf gebe es derzeit in der Kita "Kleeblatt" im Brandenburgischen Viertel, die meisten Kinder werden aktuell im "Haus der fröhlichen Kinder" im Leibnizviertel betreut, mit 17 Schützlingen. In Schorfheide seien es zwischen vier und zehn. Eine Situation fast wie in einem Familienhaushalt. Versorgt werden die Kinder aus der vereinseigenen Küche täglich frisch. "Wir haben wegen der geringen Zahlen nur den Speiseplan etwas vereinfacht", so Schadow. Die Bildungseinrichtung Buckow arbeitet zudem an Unterstützungsangeboten, an "kreativen Ideen" für jene Eltern, die ihre Kinder zuhause betreuen müssen.

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Eltern daheim werden finanziell entlastet

In den vergangenen Tagen gab es unter Eltern und Kita-Trägern Irritationen um Kita-Beiträge. Eberswalde hatte vor einer Woche gemeldet, die Beiträge ab April für alle Eltern auszusetzen. Eine Regelung, die zunächst nur für kommunale Träger im Kreis gelten sollte. Freie Träger rangen ebenfalls um eine Lösung. Und zwar eine möglichst einheitliche Lösung. Das Land Brandenburg hat nun beschlossen, dass es ab 1. April die Beitragsfreiheit für jene Eltern fördert, die nicht die Notfallbetreuung in Anspruch nehmen. Potsdam rechnet pro Monat mit 14 Millionen Euro. Für die Kita-Träger soll es ein einfaches Antragsverfahren geben, um die Ausfälle schnell zu kompensieren. ⇥vp

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