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Pandemie
Corona-Behandlungszentrum in Berliner Messehalle vor Baustart

Maria Neuendorff / 27.03.2020, 04:45 Uhr - Aktualisiert 27.03.2020, 06:29
Berlin (MOZ) Eigentlich sollte es am Freitag schon den ersten Presse-Rundgang in Halle 26 auf dem derzeit stillgelegten Berliner Messegelände geben.

Doch die Bauarbeiten für die geplante Corona-Klinik haben noch immer nicht begonnen. Projektleiter Albrecht Broemme ist derzeit noch mit Papierkram beschäftigt. Für die grobe Finanzierung mit 50 bis 100 Millionen Euro hatte das Berliner Abgeordnetenhaus erst am Mittwoch den Weg frei gemacht. "Baut erst mal los", sei das Signal aus dem Hauptausschuss gewesen, sagte Broemme am Donnerstag. Doch nun müssten noch weitere Kosten-Details und Auflagen geklärt werden, zum Beispiel, wie viel Geld in technisches Gerät und Schutzausrüstungen fließen wird.

Der Träger soll nach den Vorstellungen des ehemaligen Berliner Feuerwehrchefs nun ein städtischer Klinikbetreiber werden, dessen Namen er erst veröffentlichen wolle, wenn alles abgesegnet sei.

Die großen Hilfsorganisationen, die Broemme vorher angefragt hatte, hätten alle aufgrund der Dimensionen des Projekts abgelehnt. "Wir reden hier nicht über ein Dorfkrankenhaus oder eine Kreisklinik, das ist schon eine Nummer größer."

Alle Corona-Auswirkungen für Berlin und Brandenburg können Sie hier nachlesen

Bis zu 1000 Covid-19-Patienten soll das "Corona-Behandlungszentrum Jafféstraße" aufnehmen können, das in den kommenden drei bis vier Wochen in Berlin-Charlottenburg hochgezogen werden soll. Der Begriff "Klinik" wird von Broemme extra vermieden, da in der umgebauten Messehalle nicht die ganz schweren Fälle behandelt werden sollen. "Der Betrieb mit Intensiv-Betten ist auf einem Messegelände nicht möglich", betont Broemme.

Die lebensbedrohlichen Fälle müssten auch nach der Eröffnung weiter in den Berliner Kliniken behandelt werden. Unter anderem gab die Charité am Donnerstag bekannt, 24 zusätzliche Intensivbetten für Covid-19-Patienten eingerichtet zu haben. "Sie ergänzen damit die 364 intensivmedizinischen Betten, über die die Charité bereits verfügt. Alle Betten sind mit den notwendigen Beatmungsgeräten ausgestattet", hieß es in einer Mitteilung.

Am Donnerstagabend zählte die Millionenmetropole 1645 Infizierte und fünf Tote. Vorbild für das Corona-Behandlungszentrum in Charlottenburg ist eine Notfall-Klinik in Wien. Auch in China, wo die Pandemie ausgebrochen war, wurden in kurzer Zeit ähnliche temporäre Einrichtungen hochgezogen. Knackpunkt ist in Berlin wie auch anderswo vor allem die Rekrutierung des Personals. Das dürfe natürlich nicht aus anderen Kliniken abgezogen werden. Broemme rechnet mit rund 800 ehrenamtlichen und festen Mitarbeitern. 400 Menschen hätten sich schon ohne speziellen Aufruf in den Medien gemeldet. "Wir brauchen inzwischen keine IT-Leute oder Leute aus dem Altenpflegeheim, sondern vor allem Krankenpfleger, die Erfahrung mit Atemgeräten haben. Das Personal könnte unter anderem aus Schönheitskliniken kommen oder von Arztpraxen, die OPs an Privatpatienten derzeit nicht durchführen könnten. "Es gibt dort Leute, die haben derzeit nichts zu tun", so Broemme. Ab Montag soll ein offizieller Aufruf gestartet werden und eine Plattform für Interessenten geschaffen werden. Bis dahin könne man sich über die E-Mail-Adresse  team.jaffe@SenGPG.Berlin.de melden.

"Der Druck ist enorm hoch", gesteht Broemme, der nun mit einem Baustart am Wochenende rechnet. Dann wird rund um die Uhr gearbeitet. "Ich bin zuversichtlich, dass wir es schaffen werden."

Mehr über die Entwicklung von dem Coroavirus in Berlin und Brandenburg können Sie hier lesen

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