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Corona-Pandemie
Oberhavel Kliniken fehlt es an Schutzausrüstung

"Uns fehlt nahezu alles. Das beginnt bei der normalen OP-Maske und hört bei den Schutzbrillen noch lange nicht auf", sagte Kliniken-Geschäftsführer Detlef Troppens.  Auch anderes Krankenhausmaterial werde zunehmend knapp, zudem bahnen sich Engpässe bei den Desinfektionsmittel, auch für Flächen, an.
"Uns fehlt nahezu alles. Das beginnt bei der normalen OP-Maske und hört bei den Schutzbrillen noch lange nicht auf", sagte Kliniken-Geschäftsführer Detlef Troppens.  Auch anderes Krankenhausmaterial werde zunehmend knapp, zudem bahnen sich Engpässe bei den Desinfektionsmittel, auch für Flächen, an. © Foto: Soeren Stache/dpa
Burkhard Keeve / 27.03.2020, 07:16 Uhr - Aktualisiert 27.03.2020, 07:38
Oranienburg (MOZ) Noch immer warten die Oberhavel Kliniken auf die vom Bund versprochene Schutzausrüstung. "Bei uns, aber auch in den anderen Brandenburger Kliniken, ist noch nichts angekommen", sagte am Donnerstag Detlef Troppens, Geschäftsführer der Oberhavel Kliniken. "Uns fehlt nahezu alles. Das beginnt bei der normalen OP-Maske und hört bei den Schutzbrillen noch lange nicht auf."  Auch anderes Krankenhausmaterial werde zunehmend knapp, zudem bahnen sich Engpässe bei den Desinfektionsmittel, auch für Flächen, an.

Noch sei der Bedarf für einige Tage gedeckt. Außerdem würden mittlerweile auch Einmal-Masken den ganzen Tag getragen und zum Wiederverwerten aufbereitet, sprich sterilisiert. Hinzu kommt, dass die Mitarbeiter selbst aktiv werden und Masken aus Stoff nähen. So hofft die Klinik, auf mehrere tausend Stoffmasken, die gewaschen werden können, im Notfall zurückgreifen zu können. "Da erhalten wir viel Hilfe, auch von der Regio Nord", so Troppens. Allerdings böten die selbstgenähten Masken nur "begrenzt Schutz".

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Um den Bedarf an Schutzmaterial für das Krankenhauspersonal zu decken, "fragen derzeit alle dieselben Händler an", sagt Troppens. Das führe aber dazu, dass die Preise um das Zehn- bis Zwanzigfache ansteigen. Würden sonst einfache Mund- und Nasenschutzmasken 10 bis 20 Cent im Einkauf kosten, würden jetzt 1,20 Euro pro Maske aufgerufen. Unter normalen Umständen verbrauchen die drei Oberhavel Kliniken in Oranienburg, Gransee und Hennigsdorf  im Monat bis zu 12 000 Mund- und Nasenmasken.

"Wir wollen den Menschen keine Angst machen", sagt Troppens, "die Krankenhäuser sind nicht verseucht. Es geht darum, alle vor potenziellen Virusträgern zu schützen." Das gelte für die Krankenschwester genauso wie für den Patienten. Außerdem habe Brandenburg noch etwas Zeit, sich vorzubereiten. Troppens:  "Wir stehen erst am Anfang der Krise." Aktuell seien zehn Mitarbeiter der Klinik unter Coronaverdacht. In vier Fällen wurde das Virus nachgewiesen. Die Mitarbeiter seien alle in häuslicher Quarantäne. Im Krankenhaus selbst würden derzeit vier Coronafälle behandelt, einer davon sei ein Beatmungsfall. Zwei Patienten werden auf der Intensivstation gepflegt.

Insgesamt verfügen die Oberhavel Kliniken über 27 Beatmungsbetten, im Notfall können die Kapazitäten auf 45 Betten aufstocken.  "Beim Land sind noch Beatmungsgeräte bestellt worden", sagt Troppens. Doch es gebe eine andere Grenze: Die liege beim Personal. Zu jedem Bett gehöre auch eine Intensivkrankenschwester. Über eine künstliche Lunge, die sonst bei Lungen- und Herztransplantationen eingesetzt wird, verfügen die Oberhavel Kliniken nicht. "In ganz Brandenburg gibt es nur zwei oder drei ECMO", so Troppens. ECMO steht für extrakorporale Membranoxygenierung (künstliche Ersatzlunge).

Die größte Sorge bleibe momentan der Materialmangel, so Troppens. Der treibe alle Mitarbeiter um, genauso wie die Frage, wie sich die Lage entwickle. "Wir wollen hoffen, dass die Kurve nicht so steil ansteigt." Die Stimmung bei der Belegschaft misst Troppens unter anderem am Krankenstand. Der sei nicht anders als vor einem Jahr. Er werte das als positive Signal.

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