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Streit um Bushaltestelle
Stacheldraht gegen rabiate Schüler in Zehdenick

Die Zeichen stehen auf Konfrontation:  Anlieger Stefan Zender will den nur noch in Teilen erhaltenen Stacheldraht wieder komplett anbringen lassen. Vor zwei Jahren nahm er ihn zum Schutz der Jugendlichen ab.
Die Zeichen stehen auf Konfrontation:  Anlieger Stefan Zender will den nur noch in Teilen erhaltenen Stacheldraht wieder komplett anbringen lassen. Vor zwei Jahren nahm er ihn zum Schutz der Jugendlichen ab. © Foto: Martin Risken
Martin Risken / 27.03.2020, 07:21 Uhr
Zehdenick (MOZ) Der Streit um die Bushaltestelle an der Verlängerten Ackerstraße in Zehdenick spitzt sich zu, nachdem es dort wiederholt zu erheblichen Sachbeschädigungen gekommen war. Es laufen bereits mehrere Strafanzeigen gegen die Verursacher.

Die Wut der Anlieger richtet sich vor allem gegen die Stadtverwaltung Zehdenick, die zwar schon einiges unternommen habe, um die Situation zu entschärfen, bislang aber nichts erreicht habe, kritisieren Anwohner und Anlieger.

Als die Exin-Oberschule zu Beginn des Schuljahres 2018/19 in das Gebäude des Georg-Mendheim-Oberstufenzentrums am Wesendorfer Weg einzog, machte sich offenbar niemand Gedanken darüber, wie die Fahrschüler nach Hause kommen sollen. Einige hundert Jugendliche warten nun an einer viel zu kleinen Bushaltestelle auf die Busse, viele stehen notgedrungen auf der Straße. Einige Jugendliche kommen dabei auf "dumme Ideen", werfen mit Steinen auf Fensterscheiben, verschaffen sich Zugang zu leerstehenden Gebäuden. Die Anlieger werfen der Stadt vor, vor dem Schulumzug das Haltestellenkonzept nicht überdacht zu haben. Dass es einen direkten Zusammenhang zwischen den Sachbeschädigungen und dem Schulumzug gibt, steht für betroffene Anlieger außer Frage. Denn erst seitdem die Schule dort ist, häuften sich die Vorfälle. Ganz abgesehen von dem Krach, dem die Anwohner ausgesetzt sind.

Brief an den Bürgermeister

Einer der betroffenen Anlieger, der Granseer Unternehmer Stefan Zender, dem ein großes, aber leerstehende Industriegebäude direkt hinter der Bushaltestelle gehört, droht nun mit Konsequenzen. Um sein bereits stark in Mitleidenschaft gezogenes Eigentum zu schützen, will er den auf Bitten der Stadt Zehdenick vor knapp zwei Jahren entfernten Stacheldraht wieder anbringen lassen. "Wir haben auf der Frontseite einen neuen  Zaun gesetzt und werden auf der Verlängerten Ackerstraße den Zaun ebenfalls erneuern mit Stacheldraht", kündige Zender in einem Brief vom Mittwoch an Bürgermeister Bert Kronenberg (parteilos) an. Zender behält sich weitergehende Maßnahmen vor: "Unsere Berater empfehlen, die Stadtverwaltung schadensersatzpflichtig zu machen, was jedoch nicht unsere Strategie ist. Wir hoffen auf die Einsicht der Verwaltung und dass das Versprechen, die Problematik ,übermorgen’ zu lösen, endlich eingelöst wird." Die Geduld des Unternehmers geht allmählich zu Ende: "Jetzt (spätestens) ist die Stadt dran. Letztlich auch, damit wir das Objekt wieder adäquat verwenden zu können, und ein vernünftiges  Äußeres wieder hergestellt werden kann. Wir hoffen sehr auf Ihr Verständnis und Ihre Aktion." Kronenberg hatte sich zuletzt vage zu den Erfolgsaussichten geäußert, die Haltestelle zu verlagern. Er bat weiterhin um Geduld.

Die kann Manuela Ludwig, mit ihrer Fabrik "Bioformtex", Nachbarin von Stefan Zender, schon lange nicht mehr aufbringen. Auch sie hat Schäden an ihrem Gebäude zu beklagen, vor allem eingeworfene Fensterscheiben. Als Ende 2018 ein Stein flog, eine Scheibe zertrümmerte und einen Mitarbeiter an der laufenden Maschine fast traf, war ihre Geduld schon stark strapaziert. Doch die Steinwürfe auf ihre Gebäude wiederholten sich mehrfach. Auch sie erstattete Anzeigen. In einem Fall konnte ein 16-jähriger Schüler ermittelt werden, alle andere Ermittlungen liefen ins Leere, die Verfahren wurde von der Staatsanwaltschaft Neuruppin eingestellt.

Geht es nach den Betroffenen, könnte die Stadt schnell für Abhilfe sorgen. Auf Widerstand stößt bei Eltern offenbar der Vorschlag, wonach die Schüler die Haltestelle an der Castrop-Rauxel-Allee nutzen könnten, die wenige hundert Meter entfernt ist. Verworfen wird seitens der Verwaltung, jetzt und sofort auf dem Parkplatz des Oberstufenzentrums eine Buswendeschleife zu bauen. Auf dem Grundstück dahinter will der Landkreis Oberhavel demnächst die neue Förderschule für geistig Behinderte errichten. Zuletzt bat der Bürgermeister um Verständnis, dass die Verwaltung wegen des Coronavirus andere Prioritäten setze.

Es fehlt an politischen Mehrheiten

Keine Mehrheitim Stadtparlament sieht derzeit Manuela Ludwig (CDU), die auch Betroffene des Haltestellenstreits ist, um eine schnelle Lösung auf den Weg zu bringen.

Die CDU-Abgeordnete Ludwig setzt darauf, dass die Stadtverwaltung Zehdenick schon bald einen konsensfähigen Vorschlag macht, über den dann diskutiert und abgestimmt werden kann. ⇥ris

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