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Corona-Streife
Veltener Kita-Erzieherin passt jetzt auf Erwachsene auf

Peter Igel wird auf seinen Streifengängen von Kita-Erzieherin Andrea Keller unterstützt.
Peter Igel wird auf seinen Streifengängen von Kita-Erzieherin Andrea Keller unterstützt. © Foto: Roland Becker
Roland Becker / 27.03.2020, 07:24 Uhr
Velten (MOZ) Eigentlich betreut Andrea Keller Kinder. In Veltens Kita Kinderland sorgt sie dafür, dass die Mädchen und Jungen ihren Spaß haben und keinen Unfug anstellen. Jetzt kümmert sie sich darum, dass auch Erwachsene keinen Unfug machen. Mehrmals am Tag streift sie sich eine Weste in greller Farbe mit dem Aufdruck "Ordnungsamt" über. Dann geht sie mit einem Mitarbeiter des Ordnungsamts auf Stadtstreife. Am Mittwoch dieser Woche begleitete sie Peter Igel.  "Hier gibt es jetzt mehr Arbeit als in der Kita", stellt sie pragmatisch fest.

An diesem Vormittag steuert das Duo als erstes den Markt an. Der wird seinem Namen an diesem Vormittag gerecht: Es ist Markttag. Sofort fällt auf, dass die wenigen Ständen weiter als üblich voneinander entfernt stehen. "Ich habe die Marktleiterin heute früh nochmal darauf angesprochen, auf den Abstand zu achten", erzählt Igel. Platz dafür ist genügend. Denn alle Händler, die Sortimente wie etwa Kleidung anbieten, haben derzeit auf dem Markt nichts zu suchen.

Kein Sonnenbad auf der Bank

Die Ordnungsstreife hat aber nicht nur die Händler, sondern auch die Kunden im Blick. "Wir schauen danach, dass die Menschen nur einkaufen und danach nach Hause gehen. In Grüppchen zusammenzustehen und zu plaudern, ist nicht möglich", weiß Igel. Auch die Ruhepause auf der in der Sonne stehenden Bank ist eigentlich nicht erlaubt. Doch das Duo vom Ordnungsamt drückt hier manchmal ein Auge zu. "Für alte Leute ist der Weg zum Einkaufen anstrengend", argumentiert Igel. Mancher bräuchte da eine kleine Pause, ehe der Rückweg in Angriff genommen wird.

"Ein sehr positives Beispiel", lobt der Ordnungshüter, als er vor der Rossmann-Filiale stehenbleibt. Dort achtet Jessica Jachnow darauf, dass nicht zu viele Kunden zugleich im Geschäft sind. "Wir haben Körbe und Einkaufswagen auf 20 begrenzt", erzählt sie, während sie mit einem mit Desinfektionsmittel getränkten Tuch den Handgriff eines Einkaufswagens abwischt. Selbst auf Kleinigkeiten wird bei Rossmann geachtet: "Wir haben eigene Chips in die Wagen gesteckt", erzählt sie. So vermeiden Kunden Handgriffe, mit denen sie sich Viren einfangen könnten.

Während die Verkäuferin von diesen Vorsichtsmaßnahmen erzählt, hat eine junge Frau, die mit ihrem Sohn unterwegs ist, eine spezielle Frage an Peter Igel: "Wir wollen Blumen aufs Pflaster malen und dazu ‚Ein Lächeln für dich!’ schreiben, um alte Menschen zu erfreuen", beschreibt die Mutter die geplante Aktion und fragt, ob das erlaubt sei. "Nein", antwortet Peter Igel. Man dürfe in der Öffentlichkeit derzeit nicht verweilen. Eine solche Aktion stelle aber genau das dar.

Weiter geht es vorbei am Elektrofachhandel Redlich, der geöffnet hat. Igel kann das erklären: "Hier werden Schlüsseldienste und Paketabholung angeboten." Solche Dienstleistungen sind erlaubt. Einschreiten müsste er, wenn ein Kunde zum Beispiel ein Elektrogerät kaufte. Dass gegen das Verkaufsverbot verstoßen wird, habe er bisher noch nicht erlebt. Wäre das der Fall, "müsste ich den Verstoß an den Landkreis weiterleiten", erklärt er.

Bis darauf, ein paar Ermahnungen bezüglich des Abstandhaltens auszusprechen, müssen Igel und Keller an diesem Vormittag nicht einschreiten. Auch an den Tagen zuvor, seitdem die verschärften Ausgangsbeschränkungen gelten, habe beide kaum Strenge walten lassen müssen. "Einmal haben wir zwei jungen Pärchen erklärt, dass das mit dem Zusammensitzen nicht mehr funktioniert", erinnert sich Keller an den Rundgang vom Dienstagabend. Ein anderes Mal, so Igel, meinten vier oder fünf Veltener, sie könnten sich vor einem Geschäft gemeinsam ein paar Schlückchen genehmigen. "Die Gruppe haben wir daran erinnert, dass jeder nach Hause zu gehen hat", berichtet der er. Die Männer zeigten sich einsichtig. Wären sie das nicht gewesen, hätte Igel das Recht gehabt, die Ausweise zu kontrollieren.

Die Veltener sollten sich übrigens darauf einstellen, dass die beiden Teams, die mehrfach am Tag losziehen, nicht nur in der Innenstadt kontrollieren. Auch in Wohngebieten wie Süd oder Parkstadt werde nach dem Rechten geschaut. "Wir kontrollieren derzeit auch abends und am Wochenende", weist Igel auf die veränderten Dienstzeiten hin.

Im normalen, kaum zwei Wochen zurückliegenden Arbeitsalltag hat sich Peter Igel vor allem um Falschparker oder auch Herrchen und Frauchen gekümmert, die Hundekot nicht beseitigen. Darauf hat er weiterhin einen Blick. Im Fokus aber stehen jetzt all die Verordnungen, die das Leben in Coronazeiten plötzlich mit sich gebracht hat. Und apropos Abstand: Den hält das Duo auf seinem Weg ebenfalls ein.

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