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Handball
Spielerin von SV Union Neuruppin erzählt von ihrem ungewöhnlichen Spitznamen

Caroline Müller und ihr Idol Uwe Gensheimer blicken in die Kamera. Die Neuruppinerin freut sich noch immer über den seltenen Schnappschuss, der 2018 beim Allstar-Game in Leipzig gelang.
Caroline Müller und ihr Idol Uwe Gensheimer blicken in die Kamera. Die Neuruppinerin freut sich noch immer über den seltenen Schnappschuss, der 2018 beim Allstar-Game in Leipzig gelang. © Foto: privat
Gunnar Reblin / 27.03.2020, 07:30 Uhr - Aktualisiert 27.03.2020, 09:29
Neuruppin (moz) Was macht einen richtigen Fan aus? Seinem Idol auf Social-Media-Plattformen folgen, gehört sicher dazu. Ebenso wie der Besuch von Spielen, um den geliebten Star live in Aktion bestaunen zu können. Darüber hinaus ist ein Trikot des Schwarms meist ein Muss. Aber auch gleich den Namen annehmen?

Bei Caroline Müller ist das so – zumindest zeitweise. Es ist aber kein Frauenname. Die Handballerin des SV Union Neuruppin wird "Uwe" gerufen. Die 30-Jährige ist ein großer Fan von Uwe Gensheimer, dem Kapitän der deutschen Handball-Nationalmannschaft. Ein echtes Aushängeschild im deutschen Handball. Seit Jahren schallt es auch beim SV Union "Uwe, Uwe" durch die Halle. Als Frau mit einem männlichen Namen angesprochen zu werden, ist für Caroline Müller jedoch kein Problem. "Ich find’s nicht schlimm. Ich höre auch drauf", lacht die Neuruppinerin los. Eigentlich hat sie sogar zwei Spitznamen: Auch auf "Camü" hört sie.

Ihren Spitznamen "Uwe" hat sie von ihrem Trainer Tony Palmowske "verpasst bekommen", muss der – darauf angesprochen – schmunzeln. Denn bei den Unioner Handballerinnen gibt es nämlich zwei "Caros": Caroline Müller und Carolin Ramin. Palmowske: "Das macht es nicht einfach. Rufe ich Caro, drehen sich zwei um. Da kam der Einfall mit Uwe zur rechten Zeit." Inzwischen ist "Uwe" im Unioner Team salonfähig geworden.

Schnappschuss mit dem Handballer Uwe Gensheimer

Nicht nur, um Caroline Müller als Mitspielerin auf dem Parkett anzusprechen. Nein, "Uwe" ist Programm. Denn die Linkshänderin trägt im Trainingsbetrieb auch stets das geliebte Gensheimer-Nationalmannschafts-Trikot. Eines von zwei Schätzen. Ein zweites Trikot von Uwe Gensheimer – persönlich vom Star signiert – hängt eingerahmt im Flur daheim (kleines Foto). "Dafür bin ich mit einer Freundin 2016 extra nach Berlin gefahren, um die deutschen Nationalspieler bei ihrer Ankunft in der Max-Schmeling-Halle zu sehen und ein Foto zu erhaschen", erinnert sich die gebürtige Fehrbellinerin. Die Handballer feierten damals den EM-Triumph gemeinsam mit vielen Fans in Berlin. Caroline Müller und ihre Freundin Anja Giese mittendrin. "Es hat nicht nur mit dem Foto mit Uwe geklappt", so Müller, "er hat mir auch ein Autogramm gegeben und auf dem Trikot unterschrieben, das Anja zuvor für mich gewonnen und mir geschenkt hatte. Ein Traum", leuchten ihre Augen.

Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits eingefleischter Gensheimer-Fan. Die Schwärmerei für den Linksaußen, der im Vorjahr von Paris Saint-Germain wieder zu seinem alten Verein, den Rhein-Neckar Löwen nach Mannheim, wechselte, begann mit ihrer eigenen Leidenschaft für den Handballsport. "Ich bin 2012 als Quereinsteigerin zum Handball gekommen, habe zuvor Volleyball beim SV 90 Neuruppin gespielt und bin Drachenboot gefahren", so Müller alias "Uwe". Stephan Allert, damals Trainer der Neuruppiner Handballerinnen, wollte sie unbedingt zum Handball losten. "Das hat er geschafft. Ich bin dann tatsächlich beim Handball geblieben und habe mit dem Paddeln aufgehört." Baggern und Pritschen tue sie hingegen heute noch für den SV 90.

Vor allem die menschliche und bodenständige Art von Uwe Gensheimer fasziniert sie seit jeher. "Er war mir von Anfang an einfach unheimlich sympathisch."  Da sie selbst auf Außen spielte, war schnell ein Vorbild auf dieser Position gefunden. "Es hätte auch Patrick Groetzky oder Tobias Reichmann sein können, aber Uwe Gensheimer stach irgendwie heraus."

Nach Babypause wieder aktiv

Irgendwann stach auch Caroline Müller heraus. Die Linkshänderin hatte unter anderem eine Top-Quote vom Siebenmeter-Punkt vorzuweisen. Ruckzuck war der Sprung von der zweiten Unioner Mannschaft in die erste geschafft. Im Vorjahr war "Uwe" von März bis Juli aber nicht mehr im Training zu sehen und zu hören. "Da habe ich aufgrund meiner Schwangerschaft eine Pause eingelegt. Zuvor war ich aber noch immer voll dabei gewesen." Inzwischen ist der Nachwuchs da. Willy ist bereits ein Jahr alt. Er komplettiert die Sportlerfamilie: Mama Caroline Müller Handballerin, Papa Dominik Reitz Fußballer beim RSV Maulwürfe. Auch der hat einen geläufigen Spitznamen in Ruppiner Sportlerkreisen: "Nicky". "Der passt jedoch nicht zu meinem Vorbild", muss Reitz schmunzeln. Er schwärmt nämlich seit frühester Kindheit für Lars Ricken. Und für den BVB.  Auch Dank Lars Ricken gewannen die Dortmunder 1997 die Champions League. Youngster Ricken machte bekanntlich das Tor des Jahrhunderts zur Entscheidung. Die älteren Leser werden sich erinnern.

Inzwischen wird bei den Unioner Handballerinnen wieder "Uwe" gerufen. Caroline Müller trainiert wieder mit. "Ich hatte auch schon ein paar Einsätze." Der Sport als Ausgleich zu Beruf und Familie sei ihr sehr wichtig. "Das ist bei uns beiden so. Wir sind da beide sehr leidenschaftlich", betont Müller. Dominik Reizt nickt. An normalen Wochenenden – Corona sei hier mal ausgeklammert – ist es meist eine Frage des Timings, um Söhnchen Willy in Obhut zu wissen. "Oft", so Müller, "klatschen wir uns ab, der eine kommt vom Spiel, der andere geht. Das klappt schon." Ob Söhnchen Willy mal ein Handballer wird oder doch lieber dem Fußball nachjagt? "Warten wir’s mal ab", blicken sich die Eltern neckisch an.

Aktuell schwärmt Caroline Müller auch vom Unioner Handball-Team. "Wir sind als Mannschaft so toll zusammengewachsen. Einfach super. Es macht riesig Spaß." Auch wenn das große Ziel Meisterschaft in der Verbandsliga in weite Ferne gerückt ist. Die auferlegte Zwangspause – doch nochmal Corona – sei nun eine schwere Prüfung für jede einzelne. "Wir vermissen uns alle", so Caroline Müller alias "Uwe".

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