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Gastronomie vs. Coronavirus
Rathenow: 10.000 Euro Umsatzverlust in 14 Tagen

Simone Weber / 27.03.2020, 08:31 Uhr - Aktualisiert 27.03.2020, 13:17
Rathenow Die Corona-Pandemie schränkt das soziale und wirtschaftliche Leben stark ein. Die Auswirkungen bekommen freilich auch Rathenower Gastronomen zu spüren. Seit Montag müssen Gaststätten, Kneipen, Cafés etc.  geschlossen bleiben.

"Allein durch die ausfallenden Veranstaltungen im Kulturzentrum, ohne das à la carte Geschäft, haben wir innerhalb 14 Tage eine Einbuße von rund 10.000 Euro Umsatz. Die Gäste haben bereits vor dem 23. März Hochzeiten und Geburtstagsfeiern abgesagt. Ab 9. Mai waren die ersten Feiern zur Jugendweihe reserviert. Wir haben keine Möglichkeit, die Lücke zwischen Einnahmeausfällen und laufenden Ausgaben zu puffern. Von unseren zwei festen Mitarbeitern haben wir für den Zeitraum der Einschränkungen eine leider zum 1. April entlassen müssen", schildert Yvonne Mertens, die im August 2019 das Restaurant "Lumens" im KuZ als neue Pächterin eröffnete.

"Behörden treffen einschränkende Maßnahmen, für die wir Verständnis haben. Aber von Behörden und Institutionen fühlen wir uns derzeit allein gelassen. Bei der Nachfrage zu über die KfW-Bank in Aussicht gestellte Kredite, hatten nach erster Nachfrage selbst die KfW-Mitarbeiter noch keine Informationen erhalten", ergänzt Mit-Pächter Martin Blume.

Für das Restaurant "Zum alten Hafen" war die Frauentagsparty am 7. März die letzte große Veranstaltung. "Nach zunächst eingeschränkten Öffnungszeiten bieten wir für die Abendstunden jetzt einen Lieferservice für Rathenow, die umliegenden Dörfer sowie Premnitz oder die Gerichte unserer Karte zum selbst abholen an und sind bemüht die Qualität der á la carte Gerichte zu halten. Seit letztem Wochenende sind unsere Gerichte auch über Online-Lieferdienste bestellbar. Aber wenn innerhalb dieser Woche nicht genügend Nachfrage besteht, werden wir unser Restaurant Ende März komplett schließen müssen. Unsere sieben Pensionszimmer dürfen wir nicht mehr für touristische Zwecke vermieten", erklärt Sebastian Crakau, der seit Mitte März nur noch zehn Prozent der täglichen Gäste hatte und eine Umsatzeinbuße von zirka 80 Prozent verzeichnete."Dies bedeutet nicht nur finanzielle Einbußen für uns. In Küche, im Service und für die Zimmer sind täglich zwölf Mitarbeiter beschäftigt, für die wir einen sozialen Kompromiss suchen. Selbst die Möglichkeit des Kurzarbeitergeldes bedeutet für Beschäftigte in der Gastronomie, dass sie unter Hartz-IV-Niveau fallen."

Der Restaurantleiter sieht sich bezüglich der durch den Staat in Aussicht gestellten Hilfen allein gelassen. "Für die Schließungsmaßnahmen gab es bisher nicht einmal eine schriftliche Anordnung. Ich informiere mich ausführlich online. Das Wirtschaftsamt der Stadt oder beim Landkreis sowie das Gesundheitsamt und Institutionen wie die Agentur für Arbeit sind nicht erreichbar, können keine Auskunft gegen oder reagieren nicht auf E-Mails", so Crakau angesichts dieser einschneidenden Maßnahmen. "Auch sind Antragsmodalitäten teilweise noch unklar oder zu bürokratisch. Die mittelständischen Unternehmen brauchen unbürokratische und kurzfristige Hilfen. Unsere Kosten laufen ja auch weiter."

Seit Montag sind nun auch Imbisse oder Eiscafés im Betrieb stark eingeschränkt und dürfen nur noch Außer-Haus-Verkauf anbieten. Etwa Bäckereifilialen, wie in Einkaufszentren, haben ihre Sitzgelegenheiten abgebaut. Imbissläden verkaufen, zumeist durch Fenster, nur noch außer Haus. "Eventuell werde ich über Ostern unser Eiscafé für Außer-Haus-Verkauf öffnen", sagt Marco Schwarz, Inhaber des Eiscafés in Rathenows Ortsteil Steckelsdorf, der am Montag schloss. Die "Eisbar Rokoko" im City-Center, deren Außenplätze in der vorigen Woche noch gut besucht waren, ist seit Montag ebenfalls komplett geschlossen.

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