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Hubei war erster Krisenherd
Der lange Weg der Pest nach Rathenow

Blick auf den Westen der  Altstadt Rathenows.
Blick auf den Westen der Altstadt Rathenows. © Foto: Weber
René Wernitz / 27.03.2020, 08:38 Uhr
Rathenow (MOZ) Etwa 8.000 Kilometer Luftlinie liegt das westhavelländische Rathenow von der chinesischen Millionenstadt Wuhan entfernt. Die Metropole in der Region Hubei ist nun weltbekannt. Denn dort hatte es die ersten gemeldeten Infektionen mit dem Coronavirus gegeben.

Die Positivmeldung aus dieser Woche lautet, dass die seit etwa zwei Monaten andauernde Abriegelung Hubeis beendet wurde. Die Einwohner Wuhans müssen sich derweil wohl noch bis 8. April gedulden. Unterdessen steigt auch im Havelland die Zahl der Coronainfektionen.

Sehr wahrscheinlich war Wuhan schon einmal ein Krisenherd. Überliefert ist der Ausbruch der Pest in der Region Hubei für das Jahr 1334. Damals war Wuhan eine Provinzhauptstadt, dazu erhoben in Zeiten der Yuan-Dynastie. Diese beherrschte China von 1279 bis 1368. Das Kaiserhaus war mongolischer Abstammung. Sehr wahrscheinlich ist die Verbreitung des Pestbakteriums nach Hubei eine Folge des mongolischen Machtzuwachses gewesen.

In Zeiten der Yuan-Dynastie wurde auch die Himalaya-Region unterworfen und dem Kaiserreich angegliedert. Laut Angaben auf www.schule-bw.de, wo es um die im 14. Jahrhundert erfolgte Ausbreitung der Pest von Asien nach Europa geht, war die Pest ursprünglich eine Krankheit bei Nagetieren, die vor allem im Gebiet des Himalaya lebten. "Sie wurde auch teilweise über den Menschen übertragen, konnte sich aber wegen der Abgeschiedenheit der Dörfer im Himalaya nicht ausbreiten. Das änderte sich mit der Unterwerfung dieses Gebiets durch die Mongolen und die Anbindung dieser Gegenden an die Seidenstraße."

Die Seidenstraße war sozusagen die Haupthandelsroute zwischen Ost und West, mit Zentralasien in der Mitte. Von dort aus war das Pestbakterium augenscheinlich erst nach Osten und Hubei gelangt, später in westliche Richtungen bis an das Schwarze Meer. 1346 belagerten Tataren die genuesische  Handelskolonie Kaffa (heute Feodossija) auf der Krim-Halbinsel. Die Lage wurde immer aussichtsloser für die Leute in der Stadt. Was sie nicht ahnen konnten, war, dass eine Krankheit das Heer der Belagerer  weiter ausdünnte. Die Tataren hatten die Pest mit sich geführt. In einer Art Trotzreaktion schleuderten sie Leichname über die Mauern der Stadt, die Bevölkerung wurde nun auch infiziert.  Wer noch konnte, floh auf genuesischen Schiffen in den Mittelmeerraum, etwa nach Messina auf der Insel Sizilien.

Von dort aus und aus anderen Hafenstädten  verbreitete sich der "Schwarze Tod" zunächst über den Süden und Westen Europas. Laut Online-Angaben auf  www.magdeburger-chronist.de brach die Pest erstmals zu Pfingsten 1349 in Magdeburg aus, also in knapp 70 Kilometer Luftlinie von Rathenow entfernt. Wann der "Schwarze Tod" die Havelstadt erreichte, ist nirgends überliefert.

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