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Corona
Bauern trotzen der Krise

Steffen Adam / 29.03.2020, 03:00 Uhr - Aktualisiert 29.03.2020, 09:17
Seelow (MOZ) Die Lage in der Landwirtschaft ist nicht erst seit Corona angespannt. "Der tierische Bereich beispielsweise ist schon lange nicht mehr ausreichend mit Personal ausgestattet. Jeder Ausfall kann zu einer Katastrophe im Betrieb führen", erklärt die Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes MOL, Ines Sennewald.

Der erste Schreck kam mit der Grenzschließung durch Polen und brachte die Unsicherheit, ob Mitarbeiter jenseits der Oder weiter hier arbeiten können. Seit Freitag gilt nun auch für polnische Berufspendler, dass sie sich nach der Rückkehr aus Deutschland in 14-tägige Quarantäne begeben müssen. Das stellt viele Betriebe in der Region vor neue Herausforderungen. Ines Sennewald erhielt über den Landesbauernverband das Angebot, Arbeitskräfte aus dem Messebau einzusetzen. "Das ist aber nicht so leicht, da im Umgang mit Technik und Tier eine Qualifikation notwendig ist", erklärt sie.

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Mitarbeiter in Teams aufgeteilt

Bauer Frank Tiggemann aus Podelzig setzt in der Bewältigung der Krise auf Prävention. Er selbst hat gerade eine freiwillige Quarantäne nach seinem Tirol-Urlaub hinter sich und führte bis dato sein Unternehmen, das Puten und Schweine aufzieht, vom Wohnzimmer aus. "Wo es geht, reduzieren wir unsere Arbeiten auf das Wichtigste, um Kapazitäten für den Notfall zu haben", sagt er. Seine 50 Mitarbeiter hat Tiggemann in zwei Teams geteilt, die wöchentlich wechseln. So will er die Wahrscheinlichkeit der Übertragung des Coronavirus minimieren und dafür sorgen, dass im sensiblen Bereich der Tierproduktion das Personal nicht komplett ausfällt. Für die vier polnischen Mitarbeiter auf dem Gut sucht er nach Lösungen. Einer übernachtet bereits im Dorf.

Madleen van Damme hat ihren Platkower Milchviehbetrieb so gut es geht abgeschirmt. Sie will sich und ihre Mitarbeiter damit schützen, um die Tiere weiter versorgen zu können. Milchvieh-Anlagenleiter Torsten Sennewald von der Produktions- und Dienstleistungsgesellschaft der Agrarwirtschaft (PDA) in Alt Zeschdorf hofft auf baldige Rückkehr seiner polnischen Melker. Das ältere Ehepaar aus der Nähe von Slubice arbeitet schon seit sieben Jahren im Niederjesarer Stall. In der Nacht am 15. März, als Polen die Grenze schloss, schickte Torsten Sennewald seine beiden Mitarbeiter vorsorglich heim und stellte den kompletten Schichtplan um. Er fuhr direkt nach Küstrin und informierte sich beim polnischen Grenzschutz über die geltenden Regelungen. Mit Beginn des neuen Schichtplanes am 30. März hat der Anlagen-Chef für die polnischen Melker eine Unterkunft besorgt und will im 14-tägigen Rhythmus arbeiten lassen. "So haben sie die Möglichkeit wieder in ihre Heimat einzureisen und nach Ende der verordneten zweiwöchigen Quarantäne in Polen, wieder zurückzukommen" erläutert Sennewald. "Für mich sind meine 13 Mitarbeiter genauso Helden, wie Verkäuferinnen, Pfleger oder Ärzte. Sie arbeiten am Limit, um die Versorgung mit Lebensmitteln weiter zu gewährleisten."

Liefer- und Umsatzeinbrüche

Auch die Bauern auf den Feldern spüren die Auswirkungen der Corona-Krise. Danilo Rossmann, im Gut Klessin für den Ackerbau zuständig, fällt es derzeit schwer zu planen. Bei Düngemitteln, Pflanzenschutz oder Saatgut aus dem Ausland geben die Lieferanten nur schwer Terminzusagen. Da sei es gut, dass der Betrieb teilweise eigenen Dünger wie Gärreste aus der Biogasanlage oder Putenstreu aus der Aufzuchtanlage auf die Felder bringen kann.

Fontana Gartenbau in Manschnow verzeichnet schon erste Umsatzrückgänge. Durch die Schließung der Blumenläden stockt der Absatz der 80 000 produzierten Primeln. Geschäftsführer Klaus Henschel rechnet mit rund 15 000 Pflanzen, die nicht verkauft werden können.

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