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Corona-Initiative
Bunte Masken gegen das Stimmungstief

Ergriff die Initiative: Yvonne Pitz-Heck aus Strausberg näht bunte Schutzmasken und hat über soziale Netzwerke eine ganze Welle von Nähaktionen losgetreten. Die fertigen Masken verteilt sie an Pflegedienste.
Ergriff die Initiative: Yvonne Pitz-Heck aus Strausberg näht bunte Schutzmasken und hat über soziale Netzwerke eine ganze Welle von Nähaktionen losgetreten. Die fertigen Masken verteilt sie an Pflegedienste. © Foto: Gerd Markert/MOZ
Jens Sell / 29.03.2020, 03:00 Uhr - Aktualisiert 29.03.2020, 09:15
Strausberg (MOZ) Lukas ist heute sieben Jahre alt, doch seine Babysachen werden noch gebraucht: Seine Mutter Yvonne Pitz-Heck hat die Baumwollsachen gründlich gewaschen, zugeschnitten und näht jetzt aus den Stoffstücken zweilagige, waschbare Stoffmasken.

"Sie schließen recht dicht um Mund und Nase ab, können doch zumindest einen Teil der Ansteckung verhindern", schätzt Yvonne Pitz-Heck ein.

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Als junge Mutter begonnen

Die 27-Jährige wohnt seit wenigen Monaten erst in Strausberg. Sie stammt aus Offenbach bei Frankfurt am Main, war stellvertretende Marktleiterin im Einzelhandel und Fußballtrainerin der Altersklasse G 1 (ab drei Jahre). Zu nähen begann Yvonne Pitz-Heck als junge Mutter, es habe ihr auch als Ausgleich zum stressigen Berufsalltag gedient, erzählt sie, an der Maschine sitzend. Da sie nahe dem Südcenter wohnt, hat sie vor, Pflegediensten und Arztpraxen in der Umgebung die Masken anzubieten. Das Interesse ist durchaus groß.

Nachdem sie in diversen Straus­berger Gruppen in sozialen Netzwerken ihre Aktion gepostet hat, hat sie breite Resonanz und Zustimmung geerntet. "Karina, Isabell, Alena, Anna, Heidelinde, Anja, Ahmad und Sabine haben umgehend reagiert und wollen mir Masken zuliefern", berichtet Yvonne begeistert. Am Freitag hat sie gerade einen ersten Schwung eingesammelt.

Inzwischen gibt es eine regelrechte Massenbewegung im Nähen von bunten Atemmasken. Ganz aufwendig und kommerziell wird das von der Modedesignerin und Damenschneiderin Laimonda Ueck in der Großen Straße von Strausberg gemacht, bei der die Masken eine Neopren- oder Leinen-Außenhaut und darunter vier Innenlagen aus Baumwolle haben. Sie verschickt die Masken auf Bestellung und gegen Bezahlung.

"Bei mir kostet es nix", sagt Yvonne Pitz-Heck. Und kostenlose Hilfe für Bedürftige, in diesem Falle für seine ehrenamtlich betreuten Krebspatienten, leistet auch der Strausberger Verein Leben mit Handicap – ANIMA. "Auch erkrankten und immungeschwächten Menschen möchten wir helfen", sagt Chefin Anja Frohloff. Sie und ihre Vereinsmitglieder nähen selbst und bitten auch freiwillige Helfer, Mundschutz-Masken zu nähen: "Wichtig: Der fertige Mundschutz muss bei 60 Grad waschbar sein."

Nützlicher Nebeneffekt

Amtsarzt Dr. Steffen Hampel sieht diese Aktionen mit einem gewissen Wohlwollen: "Diese Masken können natürlich nicht die medizintechnisch standardisierten Schutzausrüstungen des medizinischen Personals ersetzen, diese müssen weiter für die Kliniken vom Krisenstab beschafft werden." Ambulante Pflegedienste müssten sich wie bisher selbst im Großhandel mit dem Material eindecken. "Diese selbst genähten Masken sollten niemanden in falscher Sicherheit wiegen", stellt Dr. Hampel klar, "sie filtern die mikroskopischen Viren nicht heraus." Doch hätten sie mindestens den Nebeneffekt, dass man sich nicht so oft wie zuvor spontan ins Gesicht fasst und den Übertragungsweg von der Hand in die Atemwege ausbremst.

Der Krisenstab liefert Schutzausrüstungen aber auch an die Feuerwehren. Die Strausberger hat gerade in dieser Woche eine Kiste aus Seelow abgeholt.

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