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Markgrafenstadt Schwedt
Die Berliner Residenz an der Oder

Anke Grodon / 29.03.2020, 12:00 Uhr
Schwedt (Freie Autorin) Vor 350 Jahren traf Kurfürstin Dorothea (1636–1689) eine für Schwedt bedeutende Entscheidung. Sie half ihrem Mann, Kurfürst Friedrich Wilhelm, aus finanziellen Nöten beim Einlösen der verpfändeten Herrschaft Schwedt-Vierraden. Dorothea brachte die Summe von 26 500 Reichstalern aus ihrer Barschaft auf und nahm dafür Schwedt-Vierraden in erblichen Besitz für sich und ihren Sohn Philipp Wilhelm (1669–1711). Das war der Beginn der Herrschaft Schwedt, die dann 1692 den Status einer Markgrafschaft bekam.

350 Jahre Herrschaft Schwedt! Dieses Jubiläum wäre für das Stadtmuseum natürlich ein Grund zum Feiern und Kurfürstin Dorothea sowie ihre Nachkommen mit einer neuen Sonderausstellung zu würdigen. Leider werfen die aktuellen Ereignisse vorerst alle Planungen über den Haufen und die Sonderausstellung muss ins kommende Jahr verschoben werden. Um das Jubiläumsjahr trotzdem im Blick zu halten, werden die Schwedter Markgrafen in eigenen Serie vorgestellt. Das Museum kommt ins Wohnzimmer!

Dorothea gilt noch heute als Glücksfall für die Stadt, denn die Etablierung der Herrschaft ging einher mit einem residenzartigen Ausbau. In Schwedt entstand durch bauliche und kulturelle Erneuerungen die "kleine Berliner Residenz" an der Oder und es entwickelte sich eine innerpreußische Parallelgeschichte im Grenzbereich von Uckermark, Neumark und Pommern.

Schwedt hatte um 1700 etwa 1 400 Einwohner. Dem gegenüber standen ein großer Hofstaat sowie bedeutende Baumeister und Künstler. Handel und Handwerk blühten auf, wenn die Markgrafen und hohe Gäste im Schloss weilten. Sie waren zahlungskräftige Auftraggeber.

Der Hofstaat Markgraf Philipp Wilhelms (1669–1711)) umfasst 46 markgräfliche Beamte, Bedienstete im Schloss und auf dem Schiff. Neben dem Hofmarschall, dem Geheimen Rat und dem Kammerherren standen der Oberforstmeister, die Hofräte, der Obrist und der Hofprediger auf der markgräflichen "Bediensteten-Besoldungs"-Liste.

Der Leib-Medicus und der Leib-Chirurgus waren für die Gesundheit, der Hof-Fourier und die Kammerdiener für die Unterbringung des Markgrafen verantwortlich. Für das leibliche Wohl sorgten der Küchenmeister, der Conditor, der Mundschenk und der Mundkoch mit dem Küchenpersonal. Zahlreiche Musiker und Kammermohren dienten dem Vergnügen am Hofe. Für die Jagd brauchte der Markgraf einen Büchsenspanner, viele Jäger und Stallbedienstete. Weitere Arbeiten verrichteten der Silberdiener, die Waschfrauen und die Leibkutscher. Markgräfin Johanna Charlotte besaß zusätzlich ihren eigenen Hofstaat.

Unter Markgraf Friedrich Wilhelm (1700–1771) wurde der Stadtgrundriss neu gestaltet. Der Marstall, das Reithaus, das Obermagazin, das Jagdzeughaus und die Kavaliershäuser auf der Schlossfreiheit waren bedeutende Bauwerke. In seiner Zeit wurde das Schloss um einen weiteren Flügel mit Schlosskirche ergänzt, Monplaisir umgestaltet und 120 Kilometer Kastanienalleen gepflanzt. Namhafte Baumeister wie Cornelis Ryckwaert, von Lingen, George Wilhelm Berlischky, David und Friedrich Gilly arbeiteten Hand in Hand mit den Schwedter Handwerkern.

Als Gartenkünstler erfolgreich

Sein Bruder Markgraf Friedrich Heinrich (1709–1788) engagierte bedeutende Künstler, bekannte Schauspieler und Dichter des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Sie gaben Gastspiele oder traten im festen Schwedter Ensemble im neu gebauten Operettentheater auf. Markgraf Friedrich Heinrich ließ öffentliche Gebäude wie das Rathaus, die französisch-reformierte Kirche und die Kirche in Vierraden errichten. Als Gartenkünstler versuchte er sich in der Anlage des Parkes Heinrichslust und bei der Umgestaltung von Monplaisir nach dem Vorbild der englischen Landschaftsgärten. Auch sorgte er für die Bildung einer Baukommission. Sie beurteilte den Zustand der Untertanengebäude sowie Notwendigkeit und Ausführung von Reparaturen.

In eigener Sache

Dieser Artikel ist der Auftakt zu einer kleinen Serie von Beiträgen über die Markgrafenzeit in Schwedt und das Leben am Hof von 1670  bis zum Tod des letzten Markgrafen 1788. Die Sonderausstellung zur Markgrafenzeit wird wegen der Eindämmungsverordnung 2020 nicht im Stadtmuseum zu sehen sein, erst 2021. MOZ und Stadtmuseum bringen einen Vorgeschmack darauf jetzt in ihre Wohnzimmer.

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