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Unvergessene Erinnerungen
81-Jähriger sucht Neuruppinerin, die er 1989 traf

Markus Kluge / 29.03.2020, 17:42 Uhr - Aktualisiert 29.03.2020, 21:05
Neuruppin (MOZ) Es gibt Begegnungen, die man nie wieder vergisst. Eine solche hatte Friedrich Vesterling aus Baden-Württemberg im Mai 1989 in Neuruppin. Jetzt sucht er nach der Frau, mit der er sich damals kurz unterhalten hat.

Friedrich Vesterling ist heute 81 Jahre alt.  "An meine Zeit in Neuruppin erinnere ich mich aber ganz genau", sagt der Senior und in seiner Stimme schwingt dabei Begeisterung mit.  Geboren wurde er wenige Monate vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs in Landsberg an der Warthe, heute Gorzów Wielkopolski in Polen.  Sein Vater musste in den Krieg ziehen. Seine Mutter, die aus Molchow stammte, hielt es dann nicht mehr in Landsberg. Mit dem damals noch kleinen Friedrich kehrte sie zurück in ihre Heimat  – genauer gesagt in das Forsthaus Bürgerwendemark versteckt im Wald, wo ihr Vater Förster war. "Dort waren wir bei jeder Gelegenheit", schwärmt Vesterling heute noch von diesem malerischen Ort.

Glückliche Jahre

Seine Mutter und er zogen später allerdings zu seiner Tante an die Neuruppiner Fischbänkenstraße. "Dort haben wir auf dem Neuen Markt gespielt und waren viel am Bollwerk und haben Krebse gefangen", so Vesterling. 1947 wurde sein Vater aus der französischen Kriegsgefangenschaft entlassen. In die Sowjetzone, in der sein damals kleiner Sohn auf dem Schulweg ab und zu auch mit russischen Soldaten alberte, wollte und konnte er vielleicht nicht zurückkehren. "Er hatte einfach Angst, hier wieder in Gefangenschaft zu kommen", erinnert sich Vesterling zurück. Nur mit dem, was sie am Leib hatten und was sie tragen konnten, gingen seine Mutter und er im gleichen Jahr über die grüne Zonengrenze bei Lüchow-Dannenberg nach Schleswig-Holstein, wo die Familie dann endlich wieder vereint war. "Dort haben wir mehr schlecht als recht gelebt", sagt er rückblickend. 1951 zog die Familie nach Baden-Württemberg, wo Vesterling bis heute südlich von Stuttgart in der Gemeinde Lenningen lebt.

Eine unvergessene Zeit

Neuruppin hat ihn aber im Laufe der Jahrzehnte nicht losgelassen. "Im Jahr 1989 habe ich mich dazu entschlossen, mir den lange gehegten Wunsch zu erfüllen, mit meiner Familie nach 42 Jahren einmal meine Geburtsstadt Neuruppin wiederzusehen", so Vesterling. Dafür hatte er auch extra aus Molchow von einem guten Bekannten seiner damals schon verstorbenen Mutter eine Einladung in die DDR erhalten. Ohne diese wäre er vielleicht nur bis an die Grenze gekommen. Aber so lohnte sich der rund 460 Kilometer lange Weg von seinem damaligen Wohnort Kirchheim/Teck in die Fontanestadt.

"Wir fuhren also von der Autobahn kommend über die Fehrbelliner Straße in die Stadt. Die Karl-Marx-Straße war wegen Bauarbeiten gesperrt und ich hielt an, um nach dem Weg nach Alt Ruppin beziehungsweise Molchow zu fragen", erinnert sich der 81-Jährige.

Als Westler erkannt

Mit seinem BMW in gold-bronze-metallic muss seinerzeit für jeden Passanten sofort klar gewesen sein, dass er aus der Bundesrepublik kam. Als Versteling ausstieg, traf er auf eine damals junge Frau, die ihm nach seiner Erinnerung gerne half, die Stationen seiner Kindheit wiederzufinden.

"Sie reagierte sehr aufgeschlossen und zugleich gerührt und freute sich offenkundig darüber, mit einem Westler zu sprechen. Sie wirkte aber auch bedrückt wegen der herrschenden politischen Verhältnisse, schließlich gab es ja die Besuchsregelung und Reisebeschränkung in der DDR", so der Senior, der sich heute noch fragt, ob er sie vielleicht damals mit diesem kurzen Gespräch in Schwierigkeiten gebracht hat, weil Kontakte zu Personen aus dem Westen nicht gerne gesehen waren. Friedrich Vesterling habe der Frau damals Mut machen wollen und gesagt, "dass wir im Westen den Eindruck hätten, dass sich durch Michail Gorbatschows Perestroika und Glasnost in dieser Hinsicht einiges zum Positiven verändern wird". Sechs Monate später, am 9. November und auch noch direkt an Vesterlings Geburtstag, fiel die Mauer in Berlin.

"Das konnte man damals aber noch nicht ahnen", sagt er heute. Nach dem kurzen Gespräch am Straßenrand verabschiedeten sich Vesterling und die junge Neuruppinerin wieder. "Ich habe es leider versäumt, sie nach ihrem Namen zu fragen. Diese Begegnung hat mich in all den Jahren immer wieder beschäftigt und ich würde mir wünschen, noch einmal mit ihr über unsere damalige kurze Unterhaltung zu sprechen", sagt er heute.

Bitte melden

Die Frau, die sich im Mai 1989 mit Friedrich Vesterling in Neuruppin unterhalten hat und ihm dem Weg gezeigt, kann sich beim Ruppiner Anzeiger  melden. Telefonisch ist das unter der Rufnummer 03391 455323 möglich oder schriftlich per E-Mail an lokales@ruppiner-anzeiger.de. Wir stellen dann den Kontakt zu Friedrich Vesterling her. Auch jeder andere Hinweis zu dem Treffen oder der Frau ist willkommen.

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