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Corona-Pandemie
Mehr Familien erhalten Anspruch auf Kindernotbetreuung

Kita Spreespatzen in Beeskow: Erzieherin Anne-Kathrin Thiele passt in einer Notfallbeaufsichtigung auf vier Kinder auf.
Kita Spreespatzen in Beeskow: Erzieherin Anne-Kathrin Thiele passt in einer Notfallbeaufsichtigung auf vier Kinder auf. © Foto: Jörn Tornow
dpa / 29.03.2020, 18:39 Uhr - Aktualisiert 29.03.2020, 20:08
Potsdam (dpa) In Brandenburg sollen in der Corona-Krise mehr Eltern Anspruch auf eine Notbetreuung für ihre Kinder in Schulen und Kitas bekommen.

Von nun an könnten zum Beispiel auch Kinder in die Betreuung, bei denen nur ein Elternteil im Gesundheits- oder Pflegebereich arbeitet, teilte das Sozialministerium am Wochenende mit. Bislang hatten nur Familien ein Anrecht, wenn beide Eltern in den Bereichen arbeiten. "Wir brauchen in dieser Situation alle verfügbaren Beschäftigten im medizinischen und pflegerischen Bereich", sagte Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne).

Zur Eindämmung der Corona-Pandemie gelten drastische Einschränkungen, die das öffentliche Leben im Land enorm beeinflussen und vorerst auch bestehen bleiben. "Bisher sind wir erst am Anfang der Pandemie", sagte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). "Von der weiteren Entwicklung sind mögliche Verlängerungen abhängig. Und diese schließe ich keinesfalls aus." Vorerst gelten weiterhin die Termine 5. und 19. April, wie der Regierungschef betonte. Vorerst bis zum 5. April gilt das verschärfte Kontaktverbot, weitere Punkte wie etwa zu Ladenschließungen gelten zunächst bis zum 19. April.

"Es ist gut, dass sich die allermeisten Brandenburger an die klaren Auflagen halten", sagte Woidke. "Weiterhin gilt: Abstand halten, aber zusammenhalten." Seit einer Woche dürfen die 2,5 Millionen Brandenburger draußen nur allein, mit Angehörigen aus dem eigenen Haushalt oder mit einer Person außerhalb des Haushalts bei 1,5 Meter Abstand unterwegs sein. Das Betreten öffentlicher Orte ist generell verboten, es gibt aber Ausnahmen.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums sind bislang nachweislich 742 Menschen in Brandenburg mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Bis Sonntagmorgen (08.00 Uhr) seien innerhalb von 24 Stunden 21 neue Fälle hinzugekommen. 50 Covid-19-Patienten liegen demnach im Krankenhaus, elf von ihnen werden künstlich beatmet. Vier Todesfälle sind im Zusammenhang mit der Viruserkrankung gemeldet.

Alles über das Coronavirus und seine Folgen für Brandenburg und Berlin in unserem Corona-Blog.

Unterdessen hat Brandenburg vom Bund seine erste größere Lieferung an Schutzausrüstung erhalten. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums handelt es sich um 188 000 Operationsmasken, 51 600 Paar Untersuchungshandschuhe, 850 Pflegekittel, 2840 Atemschutzmasken der Schutzklasse FFP2 und 960 der Kategorie FFP3 sowie 500 Liter Handdesinfektionsmittel. Es sei klar, dass diese Lieferung den riesigen Bedarf nicht decken könne, sagte Nonnemacher. Angaben zur Größenordnung seiner Bestellung beim Bund will das Ministerium nicht machen.

Wegen der Corona-Krise hat der Präsident des Städte- und Gemeindebundes Brandenburg, Oliver Hermann, mögliche Hilfen für Kommunen ins Gespräch gebracht. "Viele Städte und Gemeinden kommen auch finanziell in eine schwierige Lage", sagte der parteilose Bürgermeister von Wittenberge. "Die Gewerbesteuer geht runter, die Zuweisungen von Bund und Land werden extrem sinken. Daher ist es auch notwendig, dass über eine Art "Rettungsschirm", insbesondere Liquiditätshilfen für Städte und Gemeinden, nachgedacht wird."

Die Kenia-Koalition plant im Kampf gegen die Folgen der Corona-Krise einen Rettungsschirm von bis zu zwei Milliarden Euro. Am Montag berät der Haushaltsausschuss darüber, am Mittwoch entscheidet der Landtag.

Bei der Investitionsbank Brandenburg (ILB) sind bislang rund 45 000 Anträge auf Soforthilfe eingegangen. "So viele wie noch bei keinem Programm in der Geschichte unserer Bank", sagte der Vorstandsvorsitzende Tillmann Stenger. Die ersten Antragsteller hätten ihr Geld auf dem Konto. "Ausgezahlt sind inzwischen rund 7,5 Millionen Euro." Den Antrag können Klein-und Kleinstbetriebe mit bis zu 100 Mitarbeitern oder Freiberufler stellen.

In der Landwirtschaft fehlt es derweil an Erntehelfern, weil Saisonkräfte aus Osteuropa nicht einreisen können. Ungelernte sind daher äußerst willkommen und gefragt. Der Einsatz müsse jedoch nüchtern betrachtet werden, sagte Andreas Jende, Geschäftsführer des Gartenbauverbandes Berlin-Brandenburg. "Die Arbeit in der Landwirtschaft ist nicht zu verwechseln mit der im heimischen Kleingarten." Am Anfang müssten die Neu-Helfer mindestens 14 Tage in die Arbeit eingewiesen und handwerkliche Fertigkeiten geübt werden.

Viele Hochschulen in Brandenburg bereiten sich unterdessen auf ihren Start in ein Sommersemester ohne echte Vorlesungen und Seminare vor. Stattdessen setzen sie verstärkt auf digitale Wissensvermittlung, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Die Studenten würden mit Online-Angeboten der Dozenten und Professoren versorgt, hieß es etwa bei der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde.

Auch das traditionelle Kinderfest des Ministerpräsidenten wurde abgesagt. Eigentlich wollten Staatskanzlei und Bildungsministerium am 25. Mai in Potsdam mit rund 100 Grundschulkindern aus allen Teilen des Landes feiern. "Bitte nicht traurig sein", bat Woidke. Und Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) versprach: "Wir werden das Kinderfest im nächsten Jahr mit doppelter Kraft feiern."

Alles über das Coronavirus und seine Folgen für Brandenburg und Berlin in unserem Corona-Blog.

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