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Corona-Krise
Freiwillige aus Eberswalde auf Virus-Jagd

Seit Mitte März im Ausnahmezustand: Julia Hinkelmann arbeitet eigentlich als Zahnärztin beim Landkreis Barnim. Inzwischen fungiert sie als Vermittlerin zwischen Gesundheitsamt, Corona-Teststellen und medizinischen Einrichtungen.
Seit Mitte März im Ausnahmezustand: Julia Hinkelmann arbeitet eigentlich als Zahnärztin beim Landkreis Barnim. Inzwischen fungiert sie als Vermittlerin zwischen Gesundheitsamt, Corona-Teststellen und medizinischen Einrichtungen. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Sven Klamann / 31.03.2020, 20:15 Uhr - Aktualisiert 01.04.2020, 11:50
Eberswalde (MOZ) Alles in allem 61 Patienten haben sich allein am Dienstag vor den beiden Zelten eingefunden, in denen die Abstriche vorgenommen werden, durch die festgestellt wird, ob die betroffene Person an der neuartigen Lungenkrankheit Covid-19 leidet.

"Aktuell testen wir im Wesentlichen drei Gruppen", sagt Julia Hinkelmann (28) aus Falkenberg, Märkisch-Oderland, die seit einem halben Jahr als Zahnärztin im Gesundheitsamt der Kreisverwaltung Barnim arbeitet und inzwischen als Vermittlerin zwischen ihrem Arbeitgeber, den freiwilligen Kräften in den Zelten und den medizinischen Einrichtungen fungiert. Getestet werde, wer die einschlägigen Symptome aufweise und direkten Kontakt zu einem Infizierten hatte. Überdies, wer die Symptome zeige und von seinem Hausarzt als Risikopatient eingestuft wurde. Und auch, wer die Symptome  verspüre und im medizinischen Dienst oder zum Beispiel in einem Seniorenheim tätig sei, komme dafür in Frage, teilt Julia Hinkelmann mit, die selbst vom 14. bis 18. März in der Corona-Teststelle in Eberswalde Dienst geschoben hat.

Alle Informationen zum Coronavirus in Berlin und Brandenburg finden Sie in unserem Blog.

Bis zu sechs Ehrenämtler

Urlauber, die aus den vom Robert-Koch-Institut definierten Risikogebieten zurückgekehrt sind, würden aktuell nicht mehr getestet. Allerdings habe sich dieser Personenkreis gemäß Allgemeinverfügung des Landes Brandenburg für zwei Wochen von Stätten wie Kitas, Schulen, Hochschulen, Pflegeheimen und Krankenhäusern fern zu halten, erklärt die Kreishaus-Mitarbeiterin.

Außer den vier bis sechs Freiwilligen, die in den Corona-Teststellen Patienten versorgen, haben bislang etwa 600 Barnimern die beiden Zelte von Innen gesehen. So viele Betroffene wurden bis Dienstagabend getestet.

Jedes der Zelte ist 40 Quadratmeter groß. Wer eine Corona-Teststelle aufsucht, betritt zunächst den sogenannten Filterraum, der durch spanische Wände vom Rest der Örtlichkeit abgetrennt ist. Hier werden zum Beispiel Fragebögen ausgefüllt, bei vom Hausarzt geschickten Patienten Überweisungen entgegengenommen und Merkblätter verteilt. Dies geschieht ausschließlich durch Personal aus der Kreisverwaltung, das sich für diese Aufgabe freiwillig gemeldet hat.  Die Helfer sitzen hinter einem Schreibtisch, auf dem seit Kurzem eine Plexiglasscheibe befestigt ist. Der Stuhl, auf dem der Patient Platz nimmt, steht in zwei Meter Entfernung. Die im Filterraum Tätigen tragen inzwischen Zivil. "Anfangs waren auch wir mit Schutzanzug, Atemmaske und Brille ausgestattet", sagt Julia Hinkelmann. Doch die Trennscheibe und die Distanz würden als ausreichend angesehen.

Sind alle Daten erfasst, kommt es zum eigentlichen Test, der durch Mitglieder der Johanniter-Unfallhilfe vorgenommen wird, die komplette Schutzbekleidung tragen. Die Freiwilligen schieben einen Abstrichtupfer ziemlich weit in den Rachen des Patienten. "Das wird oft als unangenehm empfunden", hat Julia Hinkelmann von Betroffenen erfahren. Danach verlassen die Getesteten über den Ausgang das Zelt und warten Zuhause auf die Nachricht vom Gesundheitsamt, die telefonisch übermittelt wird. Das dauert drei bis vier Tage. Wer positiv auf die Coronaviren getestet wurde, bleibt zwangsläufig daheim und mit dem Gesundheitsamt in Verbindung.

Teststellen kürzer geöffnet

Die Proben werden drei- bis viermal täglich in die zuständigen Labore gefahren. Um die Testergebnisse für Eberswalde kümmert sich ein Labor in Frankfurt (Oder), um die von Bernau ein Labor in Henningsdorf, Oberhavel.

Seit dieser Woche sind die Corona-Teststellen montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr sowie an den Wochenenden von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Vorher hatten die Helfer täglich von 8 bis 18 Uhr bereitgestanden. Sollten es die Gegebenheiten erfordern, würden die Testzeiten aber auch wieder angepasst. "Die verkürzten Zeiten entsprechen den Bedürfnissen der Patienten. Früh und spät ist so gut wie nie jemand gekommen", sagt Julia Hinkelmann, die gerade zu Beginn des Testeinsatzes wenig Schlaf fand. Auch jetzt sei sie nach Feierabend oft geschlaucht, gibt die Ärztin zu.

Symptome und Prophylaxe

Halsschmerzen, Husten, Fieber und Atemwegsbeschwerden können Symptome für Covid-19 sein. So heißt die Infektionskrankheit, die durch Coronaviren ausgelöst wird. In schweren Fällen kann es zu einer Lungenentzündung kommen. Das Risiko eines schweren Verlaufs ist bei Älteren sowie bei Vorerkrankungen wie Asthma, Diabetes oder Herzproblemen erhöht.

Nach wie vor ist es der beste Schutz vor einer Ansteckung, die sozialen Kontakte auf ein Minimum zu beschränken. Hilfreich ist es zudem, sich häufig die Hände zu waschen und sich nicht ins Gesicht zu fassen. Nichtmedizinische Atemmasken verhindern, das andere angesteckt werden. ⇥sk

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Holger Leutz 01.04.2020 - 16:48:42

Entwicklungsland oder Aprilscherz

Wenn man die Artikel zur Pandemie verfolgt, führt ein Grundsatz zum Erfolg der Eindämmung. Der lautet testen, testen, testen! Im Barnim denkt man warschein dies durch Untätigkeit zu erreichen. Die drei beschriebenen Gruppen erscheinen als schlechter Witz. Demnach wird nicht getestet, wer direkten Kontakt zu Infizierten hat. Nur bei Kontakt und einschlägigen Symtomen. Bei dem größten Teil ist der Verlauf aber so Milde, dass die Symtome garnicht sichtbar werden. In der Zeit können aber viele Andere infiziert werden. Auch die zweite Gruppe die erst noch extra nach Infizierung den Hausarzt belästigen soll um sich eine Bestätigung als Risikopatientzu holen und damit unnötige Kontakte eingeht kann nicht war sein. und warum in der dritten Gruppe nur medizinisches Personal aufgeführt ist und nicht z.B. Kitamitarbeiter der Personen aus dem Einzelhandel die zur Zeit noch tätig sind ist ebenfalls ein Rätsel. gewundert hat mich dass die Gruppe unserer fähigen Politker hier nicht aufgeführt wird. Dem Vogel die Krone aufgesetzt wird mit dem Satz: "Die verkürzten Zeiten entsprechen den Bedürfnissen der Patienten. Denn tausende Patienten würden sich gern testen lassen um nicht die Familien anzustecken aber dürfen es gemäß diesem Artikel nicht. Die geringe Ahndung von Verstössen bei Kontaktbeschränkungen ist ein weiteres Beispiel der Untätigkeit. Wenn tausende Berliner sich bei guten Wetter im Barnim aufhalten, obwohl Ausflüge ins Umland nicht unter den Ausnahmebestimmungen aufgeführt ist, zeigt es doch den lachsen Umgang. Wozu dann überhaupt Beschränkungen.

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