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Neue Praxis
Ärztin für Veltens kleine Patienten

Solange die Ärztin nicht mit der Spritze kommt, sind viele Kinder aufgeschlossen und erzählen Dr. Juliane Kausch manchmal sogar Familiengeheimnisse.
Solange die Ärztin nicht mit der Spritze kommt, sind viele Kinder aufgeschlossen und erzählen Dr. Juliane Kausch manchmal sogar Familiengeheimnisse. © Foto: Roland Becker
Roland Becker / 01.04.2020, 06:00 Uhr - Aktualisiert 01.04.2020, 17:30
Velten (MOZ) Autotür auf, Kind rein oder sogar auf den Bus warten müssen, um zur Praxis zu fahren: Dieses seit eineinhalb Jahren für Veltener Eltern nötige Prozedere, um einen Kinderarzt konsultieren zu können, ist vorbei. Die Lösung heißt Dr. Juliane Kausch, ist 39 Jahre alt und stammt aus dem Spreewald. Velten hat wieder eine Kinderarztpraxis!

Die dreifache Mutter hat die Praxis von Dr. Susanna Gratopp übernommen, die seit deren Tod im Jahr 2018 verwaist war. "Ich habe lange überlegt, ob für mich eine Praxis schon das Richtige ist", erzählt Kausch, die zuvor im Klinikum in Frankfurt/Oder gearbeitet hat. Den Ausschlag gab, dass ihre Kinder sie mehr sehen sollten. In Berlin-Heiligensee wohnend, fraßen die täglichen Fahrten an die polnische Grenze die Zeit für die Familie auf, dazu kamen die Nachtdienste.

Viele Probleme

Es war Zufall, dass die Ärztin über Freunde von der Praxis erfuhr, die von der Kassenärztlichen Vereinigung ausgeschrieben war. Und sie bewarb sich fast zu Toresschluss. Drei Monate später bekam sie den Zuschlag. Mit der Freude darüber kam die Arbeit. "Wir mussten bauliche Probleme meistern, renovieren und einrichten", beschreibt Kausch, die an der Charité Medizin studiert hat, den Weg zur Eröffnung. Und der hielt manches Schlagloch bereit. Eins davon bestand darin, dass sich das Zusenden des notwendigen Praxisausweises sich verzögerte. Zu dieser Zeit hatten die zuständigen Behörden bundesweit die Aussetzung dieser Antragsverfahren wegen einer Überprüfung des Prozederes verfügt. Ausgangspunkt dafür waren Recherchen des Chaos Computer Clubs zu möglichen Sicherheitslücken im Bestellprozess gewesen.

Kausch kostete das alles Zeit. "Die Patienten verschwanden derweil zu anderen Ärzten. Deren Praxen befanden sich an der Belastungsgrenze", erinnert sie sich. Nicht zuletzt: Um die Praxis samt Patientendatei übernehmen zu können, musste an die Erben der Vorgängerin eine sechsstellige Summe gezahlt werden.

Seit voriger Woche sind all diese Aufregungen Schnee von gestern. Die ersten Tage im neuen Job verlaufen noch sehr entspannt. In Velten muss es sich erst einmal herumsprechen, dass die Praxis in der Mühlenstraße 12 wieder geöffnet hat. "Vor allem Mütter mit Säuglingen waren schon hier", erzählt Juliane Kausch über ihre ersten Patienten."Es ist schön, Kinder ins Leben zu begleiten, Höhen und Tiefen mit ihnen zu teilen und sie mit 18 in die große Welt zu entlassen", freut sie sich. Dabei wollte sie sich während des Studiums eigentlich auf Sportmedizin spezialisieren. "Das gab es aber an meiner Uni nicht mehr", musste sie im vorletzten Studienjahr feststellen. "Kinder spenden so viel Lächeln und reden einfach drauflos. Manchmal sogar über Familiengeheimnisse", schwärmt sie von ihren kleinen Patienten. Sie kennt aber auch die Herausforderungen: "Bei Kindern ist es oft schwieriger als bei Erwachsenen herauszufinden, wo es zwickt und wo die Ursachen liegen."

Manche Kinder hätten Respekt vor einem Kinderarzt. "Impfungen sind nicht das Schönste", weiß die Medizinerin. Andere wiederum seien überschwänglich. In diesen Corona-Wochen muss sie dann erklären, dass sie der Ärztin nicht die Hand geben oder sie gar umarmen dürfen. "Sie kennen das aber aus der Familie, dass man sich nicht anstecken will, wenn jemand Schnupfen hat. Kinder verstehen mehr, als man denkt", meint Kausch. Viele Fragen rund um Corona würden zum Beispiel in "Der Sendung mit der Maus" kindgerecht erklärt. "Es ist hilfreich, dass die Medien da mitziehen", lobt sie.

Die Geburtstagsparty ihrer einen Tochter fiel bereits dem Coronavirus zu Opfer. Die Trauer sei groß gewesen. Doch dann offerierte der Geburtstag bislang nicht gekannte Trost-Überraschungen: "Die Verwandtschaft schickte Pakete. Das war etwas Besonderes. Kommen die doch sonst nur von Internethändlern." Eltern in ähnlichen Situationen rät sie: "Es ist wichtig, den Tag so wie sonst auch zu feiern: mit Geschenken, Kuchen ..." Weil sie ihre Freunde nicht sehen kann, sei ihre sechsjährige Tochter auf die Idee gekommen: "Können wir denen Postkarten schreiben?"

Schwierig werde es, wenn das Frühlingswetter so richtig ausbricht. Daher bedauert es die Ärztin, dass alle Spielplätze geschlossen wurden: "Ich hätte es besser gefunden, wenn es für die Spielplätze Zeitfenster von einer Viertelstunde pro Familie gäbe."

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