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Medizinforschung
Hennigsdorfer Firma Pentracor prüft Behandlung gegen Covid-19

Mit diesem in der Firma entwickelten Absorber werden die CR-Protoine aus dem Blut filtriert.
Mit diesem in der Firma entwickelten Absorber werden die CR-Protoine aus dem Blut filtriert. © Foto: Pentracor
Roland Becker / 04.04.2020, 06:00 Uhr - Aktualisiert 04.04.2020, 08:14
Hennigsdorf (MOZ) Die erst seit einem Jahrzehnt auf dem Medizinmarkt tätige Firma Pentracor hat eine Therapie entwickelt, die Corona-Patienten helfen oder gar deren Leben retten könnte.

Dabei geht es darum, dass C-Reaktive Proteine (CRP) aus dem Blut und damit auch aus der Lunge entfernt werden. Diese Proteine sorgen eigentlich dafür, Infekte an offenen Wunden auf der Haut zu vermeiden beziehungsweise deren Gefahr zu verringern. Bei Organschäden allerdings löst CRP einen gegenteiligen Effekt aus. Mittels einer Studie haben Wissenschaftler der im Hennigsdorfer Blauen Wunder beheimateten Firma herausgefunden, dass eine erhöhte CRP-Konzentration an inneren Organen zu mehr Schäden führen kann.

Erfolge bei Infarkt-Patienten

"Bei Patienten, die einen Herzinfarkt hatten, verbessert das Entfernen des CRP signifikant deren Situation", heißt es in einer Mitteilung der Firma. Man gehe davon aus, dass derselbe Effekt auch bei Corona-Erkrankten eintreten könne. "Nach dem Studium der Krankheitsverläufe solcher Patienten wurde schnell klar, dass sich bei diesen die gleiche Therapie gegen die Schädigung der Lunge einsetzen lässt", heißt es weiter. Die CRP-Mengen von Corona-Kranken seien sogar weitaus höher als die der meisten Herzinfarkt-Patienten.

"Die Therapie erfolgt als eine Blutwäsche, also wie bei einer Dialyse", erläutert der bei Pentracor für die Pressearbeit zuständige Dr. Sven Haevernick. Aus dem entnommenen Blut würden durch den Pentrasorb, einem selbst entwickelten Absorber, die schädlichen CR-Proteine herausgefiltert. Danach erhalte der Patient sein Blut gesäubert zurück.

Laut Haevernick bilde sich das schädliche CRP zwei Tage nach den ersten Corona-Symptomen und greife die Lunge Tag für Tag stärker an. Das führe auf dem Organ zu einer Unmenge kleinster Vernarbungen. In der Folge kann es zu schweren Lungenschäden kommen, die in Extremfällen zu deren Versagen führen.

"Wenn eine CRP-Menge von 25 bis 50 Milligramm gemessen wird, kann mit der Therapie begonnen werden", erläutert Haevernick. Vieles spreche dafür, dass damit ein ebenso positiver Effekt wie bei den Herzpatienten erzielt wird. "Aber wir müssen diesen Effekt seriös ermitteln", zeigt er den weiteren Weg auf. Das Problem: Die Zeit für eine groß angelegte und viele Probanden umfassende Studie haben die Forscher nicht. "Wir sind gerade dabei, Partner zu finden. Aber für uns als kleines Unternehmen ist das eine Hürde", beschreibt der Firmensprecher das Problem. Allerdings hat Pentracor einen in der Branche bekannten Fürsprecher: Dr. Bernd Wegener, der 1994 nur wenige Häuser entfernt die Brahms AG (heute Thermo Fisher) gründete. Er gehörtzu den Investoren von Pentracor. Als ehemaliger Vorsitzender des Bundesverbandes der pharmazeutischen Industrie dürfte er genügend Kontakte in der einschlägigen Szene besitzen.

Das Nahziel der Hennigsdorfer Wissenschaftler ist es, den Effekt der CRP-Therapie in einer kleinen Studie mit etwa zehn Erkrankten zu testen. "Eine solche Behandlung wird derzeit bereits an einem bayrischen Corona-Patienten durchgeführt", kann Haevernick einen ersten Teilerfolg vermelden. Verlaufen diese und weitere Tests erfolgreich, dürfte die Mannschaft von Pentracor einen großen Schritt vorangekommen sein. Das Ziel bestehe darin, den Corona-Patienten die CR-Proteine so früh als möglich aus der Lunge zu entfernen. Damit könne eine Lungenschädigung und in der Folge eine künstliche Beatmung und der Einsatz von Herz-Lungen-Maschinen unnötig werden. Klarer gesagt: Auch die Sterblichkeitsrate von Corona-Kranken könnte gesenkt werden. Und die begrenzt vorhandenen Plätze auf Intensivstationen würden entlastet. Haevernick versichert, dass die Therapie die nötige CE-Zertifizierung besitzt und damit für die Behandlung von Corona-Covid-19-Patienten zugelassen ist. "Zudem konnte nachgewiesen werden, dass die Therapie nebenwirkungsfrei und damit sehr sicher ist."

Ob die Therapie den erhofften Erfolg bringt, werden der erste Patient in Bayern und noch zu findende Teilnehmer nachweisen. Derzeit forschen Wissenschaftler weltweit an Medikamenten, Impfstoffen und Therapien, um das Covid-19-Virus in den Griff zu bekommen. Pentracor könnte dazu einen wichtigen Baustein und damit aus dem Blauen Wunder heraus ein kleines Wunder der Wissenschaft liefern.

Seit einem Jahrzehntim Blauen Wunder

Die Firma Pentracor wurde 2010 gegründet und ist seither im Blauen Wunder an der Neuendorfstraße in Hennigsdorf beheimatet. Sie zählt derzeit 26 Mitarbeiter.

Geschäftsführer ist Dr. Ahmed Sheriff, der das Unternehmen auch gründete. Der Biochemiker forschte über mehrere Jahre an der Universität Erlangen zur Immunologie entzündlicher Erkrankungen.

Seit November 2014 produziert und vertreibt Pentracor unter anderem Absorber, die  C-Reaktive Proteine aus dem Blut waschen.⇥rol

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