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Kommunalpolitik
Interesse an altem Chemiewerk in Rüdersdorf wächst

Findet vermehrt Beachtung: Für die Entwicklung der Chemiewerk-Ruine an der Rüdersdorfer Gutenbergstraße gab es zuletzt verstärktes Interesse. Am Wochenende tummelten sich auf dem Gelände trotz Einzäunung auch wieder etliche junge Leute.
Findet vermehrt Beachtung: Für die Entwicklung der Chemiewerk-Ruine an der Rüdersdorfer Gutenbergstraße gab es zuletzt verstärktes Interesse. Am Wochenende tummelten sich auf dem Gelände trotz Einzäunung auch wieder etliche junge Leute. © Foto: Uwe Spranger
Uwe Spranger / 06.04.2020, 03:00 Uhr
Rüdersdorf (MOZ) Nur 30 Minuten haben Rüdersdorfs Gemeindevertreter am Donnerstagabend gebraucht, um ihr öffentliches Programm abzuwickeln. Das umfasste nach letzten Absprachen noch 14 Punkte, weil einige Vergaben anschließend in der kleineren Runde des Hauptausschusses erfolgten und  nicht dringliche Punkte wie die Formulierung von Sanierungszielen für die Ortskerne Rüdersdorf und Hennickendorf oder Úmbesetzungen in Ausschüssen verschoben wurden. Zudem waren die Reihen der Kommunalpolitiker gelichtet, weil Fraktionen dem Wunsch des Vorsitzenden nachgekommen waren, nur drei Vertreter zu entsenden. Andere hatten sich abgemeldet, weil ihnen das Raumangebot im Saal des Herzfelder Gemeindezentrums angesichts von Corona und Abstandsregeln zu klein erschien. Zumindest die anderthalb Meter schienen indes gewahrt. Drei Teilnehmer waren mit Maske ausgestattet, die zum Sprechen aber abgezogen wurde.

Auch Bürgermeisterin Sabine Löser hatte kurzzeitig Mund und Nase verdeckt. Sie wartete mit einer Reihe interessanter Informationen auf. Zum Beispiel zum ehemaligen Chemiewerk an der Gutenbergstraße. Der Eigentümer habe die Aktivitäten zur Vermarktung der Immobilie offenbar forciert, denn es habe eine Reihe von Nachfragen zur Entwicklung des Areals gegeben, das zuletzt vor allem als Filmkulisse genutzt worden war. Ein zwischenzeitlich erhoffter Verkauf an die Filmstudios Babelsberg war aber nicht zustande gekommen. Nunmehr sei wieder "Bewegung drin", vermeldete die Bürgermeisterin.

Bewegung ist auch im Rathaus, auch wenn es derzeit für den Besucherverkehr weitgehend geschlossen ist. Laut Sabine Löser arbeite "Risikopersonal" überwiegend im Homeoffice, habe sie für den Fall der Fälle weitere Stellvertreter benannt. Und sie teilte mit, dass das Ordnungsamt in Amtshilfe für die Kreisverwaltung die Einhaltung der Corona-Kontaktbeschränkungen kontrolliert und Streife läuft. Man bereite derzeit zudem Flyer vor, auf denen Ansprechpartner für Hilfsangebote oder -wünsche verzeichnet sind, insbesondere für Menschen in den Bereichen mit vielen Wohnungen.

Videosprechstunde angeboten

Weiter berichtete die Bürgermeisterin über ihre erste Videosprechstunde, die "virtuelle Kaffeepause" mit Vertretern der Wirtschaft. Das Online-Angebot habe nach 16 Anmeldungen etwa ein Dutzend Teilnehmer vom Kleinunternehmen bis zum Großbetrieb Cemex gehabt. Laut Sabine Löser seien eine ganze Reihe Fragen gekommen, die nur weitergereicht werden konnten, zum Beispiel an Landratsamt oder Arbeitsagentur. Wie Rathaussprecher Alexander Reetz auf MOZ-Nachfrage sagte, seien zum Beispiel lange Laufzeiten von Kurzarbeitergeldanträgen bemängelt und Sorgen geäußert worden, dass die Vermüllung in den Wäldern wieder zunehmen könnte, weil der Entsorgungsbetrieb die Umladestation Tasdorf und die Berliner Stadtreinigung die Kompostanlage Hennickendorf derzeit für Privatleute geschlossen hielten. Hier wolle man Lockerungen anregen.

Zudem sei die Thematik Steuerstundungen zur Sprache gekommen. Fredersdorf-Vogelsdorf hatte unlängst ein solches Angebot unterbreitet. Auch die überall knappen Masken und Schutzanzüge seien Thema gewesen. "Wir hatten die Hoffnung, dass vielleicht ein Unternehmen noch Bestände hat und dem Gesundheitssektor helfen kann", erläuterte Reetz. Diese Hoffnung erfüllte sich allerdings nicht.

Die Bürgermeisterin will ihr neues Format fortführen, zunächst für Pflegedienste und Gesundheitseinrichtungen. "Wir sind ja normalerweise ein offenes Rathaus. Und da es derzeit nicht möglich ist, zu den Firmen hinzufahren, wollen wir diese andere Plattform bieten", erklärte ihr Sprecher. Damit zeige man zum einen, dass alle in einem Boot säßen, und könne zum anderen gegebenenfalls kreative Wege verbreiten und gegenseitige Hilfsangebote vermitteln. Sabine Löser kann sich derlei Konferenzen auch als Form der Bürgersprechstunde vorstellen.

Einstimmig bestätigt wurden bei der Gemeindevertretersitzung eine leicht redaktionell veränderte Gebührensatzung für Leistungen der Freiwilligen Feuerwehr und die Rekommunalisierung von Reinigungsleistungen in Einrichtungen der Gemeinde. Auslöser waren negative Erfahrungen mit diversen Firmen, die in der Vergangenheit Ausschreibungen gewonnen hatten. Die Leistungen seien erheblich hinter der ausgeschriebenen Qualität zurückgeblieben, hieß es. Die Reinigung anderer Einrichtungen mit  kommunalem Personal sei "weitaus besser", die Nutzer deutlich zufriedener  gewesen. Deshalb soll der Stellenplan der Gemeinde um knapp sechs Vollzeitstellen aufgestockt und die Reinigung ab August wieder mit eigenen Kräften erfolgen.

Zudem gaben die Kommunalpolitiker grünes Licht für Ausnahmeregelungen zur Veränderungssperre im Gewerbe- und Industriegebiet Herzfelde. Die bereits ansässige Firma Elite Holzbau darf demnach zwei Regallager auf dem Gelände an der Ulmenstraße errichten, die Firma DAVS GmbH insgesamt 18 "Klein-Lagerhallen" in Stahl-Modulbauweise an der Ebereschenstraße.

Digitale Kaffeepause mit Gesundheitssektor

Nach der digitalen Kaffeepause mit Gewerbetreibenden will Bürgermeisterin  Sabine Löser dies am Mittwoch um 9 Uhr für den Gesundheitssektor wiederholen. Ziel ist es, Probleme und Herausforderungen zu ergründen und zu prüfen, welche gemeinsamen Lösungen sich finden lassen oder ob gegenseitige Unterstützung möglich ist. Dieses Mal läuft die Kaffepause als Telefonkonferenz. Die Einwahldaten gibt es nach der Anmeldung, die bis  spätestens Dienstag, 17 Uhr, erfolgen soll.

Kontakt: E-Mail an alexander.reetz@ruedersdorf.de

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