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Pandemie
Corona-Krisenstab in Frankfurt (Oder) geht in die fünfte Woche

Thomas Gutke / 06.04.2020, 19:42 Uhr - Aktualisiert 07.04.2020, 06:28
Frankfurt (Oder) (MOZ) Montag, punkt 10 Uhr. 15 Mitglieder des Krisenstabes haben Platz im Tagungsraum Heilbronn im Oderturm genommen. Per Lautsprecher ist auch der Wirtschaftsbeigeordnete Claus Junghanns aus dem Homeoffice zugeschaltet. Es herrscht konzentrierte Ruhe. Oberbürgermeister René Wilke trägt die Tagesordnung vor. Nach dem aktuellen Lagebericht soll das Wochenende ausgewertet werden. Haben sich die Frankfurter an die Kontaktbeschränkungen gehalten?

Erste Sitzung am 9. März

Es ist die Zeit der Krisenstäbe. Sie geben den Takt bei der Bewältigung der Corona-Pandemie vor. Auch in Frankfurt laufen seit vier Wochen alle Fäden in einer Stabstelle zusammen, die den OB berät. Am 9. März hatte René Wilke den Krisenstab erstmals einberufen. "Das erste, über das wir diskutiert haben, war, ob das denn wirklich notwendig ist", erzählt der OB. Wenig später überschlug sich die Entwicklung, das ganze Land schaltete in den Krisenmodus. Weshalb auch der Frankfurter Verwaltungsstab zeitweise täglich tagte. Derzeit tritt er zweimal wöchentlich in voller Besetzung zusammen. Neben der Verwaltungsspitze und weiteren Amtsleitern sind das Gesundheitsamt, der Katastrophenschutz, des Rechtsamt, das Ordnungsamt, die Pressestelle, die Polizei und das Klinikum vertreten.

Das erste Wort nach dem OB am Montagmorgen hat Susanne Gelbrecht von der Hygieneabteilung des Gesundheitsamtes; sie informiert über die Lage. Zwei neue bestätigte Covid-19-Fälle kamen seit Sonnabend hinzu, 14 sind es jetzt insgesamt. Worauf sie aufmerksam macht: bei allen neu gemeldeten Fällen seit dem 1. April lasse sich nicht mehr zurückverfolgen, wie und wo sich die Betroffenen infiziert haben. Außerdem habe die vorerst letzte Person, die erkrankt sei, mit vielen Menschen Kontakt gehabt. Die Zahl der Frankfurter in häuslicher Quarantäne hat sich daher auf 28 erhöht – 18 mehr als am Sonnabend. Alle aus dem neuen Cluster sollten am Montag auf eine Infektion mit dem Coronavirus getestet werden, erklärt Amtsarzt Oliver Fahron.

Der OB konstatiert: Noch immer stehe Frankfurt im Vergleich gut da. Einen Corona-Toten habe die Stadt weiterhin nicht zu beklagen. "So viele Kreise, die bei null liegen, gibt es nicht mehr."

Frank Bonack, Leiter des Polizeireviers Frankfurt, und Ordnungsamtsleiter Steffen Wenzek blicken anschließend auf das Corona-Einsatzgeschehen vom Wochenende. Fazit: es blieb ruhig. Sechs kleinere Einsätze wegen Verstößen gegen die Eindämmungsverordnung habe die Polizei gezählt. Eine von vielen Seiten befürchtete Zunahme an Fällen von häuslicher Gewalt sei nicht zu verzeichnen, so Bonack. Steffen Wenzek betont, dass sich der überwiegende Teil der Menschen vorbildlich vorschriftsmäßig verhalte. Sowohl im Stadtgebiet als auch am Helenesee.

Das Naherholungsgebiet stand am Wochenende besonders im Fokus der Ordnungsbehörden. Noch ist die Helene frei zugänglich. Auch der OB machte sich am Sonntag vor Ort ein Bild. "Ja, es gab Leute, die sich auch mal auf eine Decke gesetzt haben. Aber ich habe keine Situationen beobachtet, von denen eine potenzielle Gefährdung ausging", schildert er fast ein wenig erleichtert. Der Helenesee kann offen bleiben. Zumindest bis auf Weiteres.

Es folgen eine Reihe von Sachstandsberichten. Stadtrechtsdirektor Eyke Beckmann informiert, "dass bisher keine coronabedingten Gerichtsverfahren" gegen die Stadt anhängig seien. Jana Pietack, Leiterin des Amtes für Jugend und Soziales, teilt mit, dass sich 462 Kita- und Hortkinder in Notbetreuung befänden, weitere 40 Anträge liegen vor, nachdem der Kreis der Berechtigten zuletzt noch einmal erweitert wurde. Ebenso bemerkenswert: Innerhalb einer Woche habe es 100 neue Anträge auf Wohngeld gegeben. Die Antragstellung sei kürzlich erleichtert worden. Helmut Otto, Leiter des Amtes für Brand-, Katastrophenschutz und Rettungswessen, berichtet über drei Kubikmeter neue Schutzausrüstung, die von Seiten des Landes für Frankfurt vorgesehen sei. Und Bildungsdezernentin Milena Manns gibt Einblicke in die Vorbereitungen auf die Abiturprüfungen, die trotz Krise aber unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen stattfinden sollen.

Das Schlusswort gehört dem Oberbürgermeister. Er spricht über eine mögliche Maskenpflicht wie in Jena, Zugangsbeschränkungen zu Supermärkten und Verfügungen, die Hamsterkäufe verhindern sollen. Noch, betont der OB, halte er all dies für nicht notwendig. Die Frankfurter verhielten sich vernünftig. Zugleich bergen neue Restriktionen immer auch Gefahren. René Wilke: "Jede weitere Verordnung kann die Stimmung auch zum Kippen bringen."

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