Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Stadtgespräch
"Vermissen Sie uns?" Mit Hohen Neuendorfs Bürgermeister Steffen Apelt im Chat

Stadtgespräch im Besprechungsraum: Neben Bürgermeister Steffen Apelt war gelegentlich der Erste Beigeordnete Alexander Tönnies zu sehen.
Stadtgespräch im Besprechungsraum: Neben Bürgermeister Steffen Apelt war gelegentlich der Erste Beigeordnete Alexander Tönnies zu sehen. © Foto: Heike Weißapfel
Heike Weißapfel / 06.04.2020, 21:44 Uhr
Hohen Neuendorf (MOZ) Wie Fernsehen zur besten Sendezeit: Punkt 19 Uhr ist Steffen Apelt am Montagabend auf Bildschirmen in rund 20 Haushalten erschienen. Beim ersten virtuellen Stadtgespräch, das bei guter Bild- und Tonqualität im etwas kahl wirkenden Besprechungsraum im neuen Rathausanbau stattfand, saßen dem Hohen Neuendorfer Bürgermeister der Erste Beigeordnete Alexander Tönnies und Stadtsprecherin Ariane Fäscher zur Seite. Thema war die Lage in Hohen Neuendorf in Zeiten von Corona. Ein wenig dauerte es, bis sich die ersten Zuschauer über den Chat zu Wort meldeten.

So nutzte der Bürgermeister die Gelegenheit, den Hohen Neuendorfern große Disziplin im Umgang mit der Eindämmungsverordnung zu bescheinigen."Die nächsten Tage und Wochen werden entscheidend dazu beitragen, wie wir uns im Land nach den Osterfeiertagen neu aufstellen werden", so Apelt.

Einige Teilnehmer dieses Meetings auf der Plattform "zoom", darunter auch Stadtverordnete, machten sich namentlich kenntlich, andere mit Kürzeln. Kulturveranstalter Mario Jahn wollte wissen, ob die Stadt in Erwägung ziehe, den Livestream des Rathauses für Musikveranstaltungen zu nutzen. Das sei schwierig, erklärte Apelt, denn gegenüber anderen Plattformen, auf denen sich derzeit bekannte Künstler oder Opernhäuser präsentierten, seien die Möglichkeiten der Stadt doch eng begrenzt.

"Wie können die Menschenansammlungen bei Pflanzen-Kölle eingedämmt werden?" hatte jemand angesichts des vollen Parkplatzes schon vorher als Frage eingereicht. Die Kritik höre er öfter, so Apelt. Drinnen hielten sich die Leute durchaus an die Abstandsregelung, sei von den Mitarbeitern des Ordnungsamtes zu erfahren, und es gebe auch entsprechende Lautsprecherdurchsagen.

Zwischendurch gab Steffen Apelt Hinweise für Gewerbetreibende, mögliche Steuerstundungen und Soforthilfen für Unternehmen durch die Landesbank. Aber auch für launige, persönliche Fragen bot das virtuelle Stadtgespräch Raum. "Vermissen Sie uns?", fragte der ehemalige Stadtverordnete und Pfarrer im Ruhestand, Fred Bormeister nach. "Aber Herr Bormeister, selbstverständlich fehlen Sie uns! Wir haben doch eine große Ehrung mit Ihnen vor." Die  Ehrenbürgerschaft der Stadt Hohen Neuendorf für Fred Bormeister ist längst beschlossene Sache, die feierliche Verleihung anlässlich einer Zusammenkunft mit Freunden der Partnergemeinde Janow Podlaski noch nicht verabredet.

"Wird es dieses Jahr ein Weinfest geben?" Der Unternehmer und Weinfest-Veranstalter Bruno Maitre hatte seine Kamera angeschaltet und war umgeben von Weinfässern auf dem Bildschirm zu erkennen. "Ich würde es mir wünschen, aber ihr habt da mehrere hundert Besucher. Wir schätzen es so ein, dass es bis zum Jahresende nicht gehen wird", bedauerte Steffen Apelt. Leider sei auch das für den 13. Juni geplante Bürgerfest auf unbestimmte Zeit abgesagt. Anders als bei der Bundesliga sei eine Lockerung der Kontaktsperre für die örtlichen Sportvereine ebenfalls nicht in Sicht und die Sportstätten müssten geschlossen bleiben.

Ariane Fäscher berichtete von einer Liste von Bürgern, die anderen beim Einkaufen und anderen nötigen Dingen helfen. 3500 Flyer seien dazu in der Stadt verteilt worden. Sechs ältere Herrschaften hätten dies bisher erst in Anspruch genommen. Viele würden durch unmittelbare Nachbarn und Familienmitglieder versorgt, andere kauften noch selbst ein – das sei schließlich auch erlaubt.

Darüber, wie es Corona-Patienten geht, gibt es bewusst keine Auskünfte. Auch der Bürgermeister erhält keine Informationen über betroffene Hohen Neuendorfer. Mit 24 positiv getesteten Personen führe die Stadt eine "zweifelhafte Rangliste" an. Eine Erklärung habe er dafür nicht. Allerdings folgen andere größere Gemeinden mit kaum weniger Betroffenen.

Der Kulturbahnhof, sonst Thema jeder Fragestunde in der Stadtverordnetenversammlung, fehlte auch bei diesem Stadtgespräch nicht. Immerhin sei Kultur auch ein Wirtschaftsfaktor für die Zeit nach den Einschränkungen. Doch wie verbindlich sei die Zusage für den Zuschuss vom Bund unter den gegebenen Umständen? Es liege eine schriftliche Zusage vor, so Apelt. "Ich mache mir schon Gedanken, wie der Bund und die Länder das alles finanzieren sollen. Aber man soll positiv denken: Ich hoffe, dass wir die Gelder noch abrufen können."

Apropos ausgefallene Stadtverordnetenversammlungen: Auf der Strecke blieben bisher zwar die vielen Anträge der Fraktionen. Einen großen Rückstau nötiger politischer Entscheidungen gebe es bisher nicht. Zurzeit sei vorgesehen, dass am 5. Mai der Hauptausschuss tagt.

Und was vermisst der Bürgermeister? "Naja, die sozialen Kontakte, mich einfach mal mit Freunden zu treffen." Auch zu Ostern sei es eben leider nicht möglich, sich gegenseitig zu besuchen. Die Kräfte des Ordnungsamtes seien übrigens auch an den Feiertagen unterwegs, ergänzte dazu gleich Alexander Tönnies. Die Akzeptanz gegenüber den Außendienstlern sei zwar noch. "Wenn zu Ostern wieder schönes Wetter wird, müssen wir präsent sein. Bisher haben wir aber die Erfahrung gemacht, dass ein offenes Wort für Einsicht sorgt."

Vielleicht schalten sich bei einer zweiten Stadtgespräch-Auflage noch mehr Einwohner zu. Nach 37 Minuten schien alles gesagt und gefragt. "Halten Sie Abstand, bleiben Sie zu Hause, bleiben Sie gesund!" Hohen Neuendorfs Bürgermeister winkte zum Abschied.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG