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Corona-Folgen
Milchbetrieb in Buchholz vermisst seine polnischen Mitarbeiter

Bettina Winkler / 07.04.2020, 03:00 Uhr - Aktualisiert 07.04.2020, 17:09
Buchholz (MOZ) In der Werkstatt der Fürstenwalder Agrarprodukte GmbH Buchholz schraubt Grzegorz Malczewski an einem Traktor. Ein Häcksler für die Gras-und Luzerneernte muss gewartet werden. "Hier gibt es immer was zu tun", sagt der 47-jährige Pole. Seit fünf Jahren arbeitet er im Agrarbetrieb.

"Für mich war es keine Option, wegen der Corona-Krise nach Hause zu fahren", erzählt er. Würde Grzegorz Malczewski in die Heimat in der Nähe von Breslau zurückkehren, müsste er erst 14 Tage in Quarantäne. "Da bleibe ich lieber in Deutschland, da werde ich gebraucht", sagt er. Jeden Tag hält er Kontakt per Videoanruf mit seinen hochbetagten Eltern in Polen. "Ich brauche mir keine Sorgen machen, dort ist alles in Ordnung".

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Milchexport bricht ein

Auch die polnischen Arbeitskräfte vom Buchholzer Melkstand sind geblieben. Rund 700 Kühe müssen schließlich zweimal täglich gemolken, gefüttert und gepflegt werden. "Bis jetzt gibt es dabei keine Probleme", sagt Geschäftsführer Benjamin Meise. Dass sich Mitarbeiter mit dem Corona-Virus infizieren könnten, daran will Meise nicht denken. "Das wäre fatal, wie sollen sie ersetzt werden", sagt er. Sorgen macht sich Meise auch über die Entwicklung des Milchpreises, in der sowieso schon angespannten Lage. Ist in der Buchholzer Milchquelle der Absatz sogar gestiegen, bricht der Export von deutscher Milch ein. Die Warenströme sind durch die weltweite Pandemie gestört. "An der Börse, wo auch Milchprodukte gehandelt werden, gibt es jetzt schon 20 Prozent Verlust", so Geschäftsführer Benjamin Meise.

Auch der Chef vom Tierzuchtgut Heinersdorf und Milsana, Erik Zijlstra, macht sich so seine Gedanken. "Nach der Corona-Krise wird es auch für die Landwirtschaft finanzielle Nachwehen geben", ist er sich sicher. 15 polnische Mitarbeiter sind im Drei-Schichtsystem in den Ställen mit insgesamt rund 2700 Milchkühen beschäftigt. Das sind ein Drittel der Belegschaft. Alle Polen sind hiergeblieben, weil sie gebraucht werden. Außerdem sind sie auch auf die Gehälter angewiesen.

12 Rumänen in der Baumschule

In der Tempelberger Forstbaumschule sind in normalen Zeiten vier polnische Mitarbeiter beschäftigt. Diese sind vor der Verschärfung an der polnischen Grenze nach Hause gefahren, um nicht in der Heimat 14 Tage in Quarantäne zu kommen. "Wir sind voll beim Pflanzen", sagt Leiterin Margrit Pöge. Zwölf Rumänen sind noch unterstützend vor Ort. Sie sortieren und bündeln in der Halle Setzlinge – natürlich im angemessenen Abstand. Türklinken, Radlader und Lenkräder der Transporter werden regelmäßig desinfiziert.

Bis zu 25 Milchviehbetriebe im Kreis beschäftigen polnische Mitarbeiter, schätzt der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Karsten Lorenz. In einigen Betrieben werden zwei Teams gebildet, die sich vierzehntägig abwechseln. "Wir freuen uns, über die Lockerung zum Einsatz ausländischer Erntehelfer", sagt Karsten Lorenz.

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