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Gartenbau
Ansturm der Hobbygärtner in Greiffenberg

Alles Handarbeit: Lea Marie Walter ist vorsichtig beim Pikieren der Jungpflanzen in der Schaugärtnerei des Vern in Greiffenberg. Acht verschiedene alte Salatsorten werden im Gewächshaus vorgezogen. Im Gartenbau bedeutet Pikieren das Verpflanzen von zu dicht stehenden Sämlingen auf größere Abstände.
Alles Handarbeit: Lea Marie Walter ist vorsichtig beim Pikieren der Jungpflanzen in der Schaugärtnerei des Vern in Greiffenberg. Acht verschiedene alte Salatsorten werden im Gewächshaus vorgezogen. Im Gartenbau bedeutet Pikieren das Verpflanzen von zu dicht stehenden Sämlingen auf größere Abstände. © Foto: Oliver Voigt
Daniela Windolff / 07.04.2020, 03:00 Uhr
Greiffenberg (MOZ) Sieglinde, Desiree, Gunda, Linda, Bintje... eigentlich hätten sie Anfang April ihren großen Auftritt, herausgeputzt und schön dekoriert, Interessenten den Hof zu machen. Doch Corona macht den Schönheiten einen  Strich durch die Rechnung. Die öffentliche Präsentation der alten Kartoffelsorten beim  traditionellen Pflanzkartoffeltag der Greiffenberger Schaugärtnerei fällt aus. Doch die Sorge des Vereins zur Renaturierung und Erhaltung alter Nutzpflanzen Brandenburg, kurz Vern, nun durch die Corona-Beschränkungen auf ihren mühevoll herangezogenen Knollen und Jungpflanzen sitzen zu bleiben, ist unberechtigt.

Lust auf alte Sorten wächst

Im Gegenteil: "Wir erleben einen nie dagewesenen Ansturm von Hobbygärtnern und kommen an unsere Grenzen", erzählt Vern-Mitglied Katrin Rust, die für die fachliche Gärtnereiarbeit verantwortlich ist. Die Schaugärtnerei hat inzwischen ihre Vermarktung komplett auf ein Bestellsystem per Telefon oder E-Mail umgestellt und schafft es kaum, die Flut an Bestellungen abzuarbeiten. "Viele Leute sind jetzt zu Hause,  haben mehr Zeit für den Garten und wollen nun auch mal versuchen, Kartoffeln und Gemüse selber anzubauen. Die Lust auf alte Sorten nimmt in der Bevölkerung erfreulicherweise immer mehr zu", sagt Katrin Rust.

Die alten Kultursorten, von der Kartoffel, über Tomaten bis zu Kräutern und Zierpflanzen wieder populärer zu machen und durch Anbau vor dem Vergessen zu retten und sie zu erhalten, ist das ureigenste Interesse des gemeinnützigen Vereins, der seine Arbeit für Artenerhalt und Artenvielfalt nur aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und eben den Erlösen aus der Pflanzenabgabe finanziert. Doch so ein Ansturm ist für die fünf Mitarbeiter momentan kaum zu stemmen. Erschwerend kommt hinzu, dass durch die Corona-Krise zwei Mitarbeiter ausfallen. Eine junge Mutter muss ihr Kind zu Hause betreuen, weil die Kita geschlossen ist, eine ältere MAQT-Kraft wurde abgezogen. Doch gerade im Frühjahr fällt die meiste Arbeit in dem 4000 Quadratmeter großen Garten mit Freilandbeeten und Gewächshäusern an. "Wir haben ja Pflanzen ausgesät, bevor wir wussten, dass Corona kommt. Die Pflänzchen müssen nun pikiert, die Beete fürs Auspflanzen und Aussähen vorbereitet werden. Hinzu kommen die vielen Bestellungen, die sortiert und verpackt werden müssen. Wir haben viel mehr Bestellungen als in den Vorjahren, sind aber weniger Leute", macht Katrin Rust das Problem deutlich. Die Mitarbeiter machen derzeit alle Überstunden.

Aus dem Nachbarort hat ein Freiwilliger seine Hilfe angeboten und bekam nun allein ein Beet, das er bearbeitet. Doch freiwillige Helfer einzustellen, sei keine einfache Lösung. "Wir müssen ja erstens auch für die Einhaltung der Abstandsregeln sorgen. Ins Haus darf zurzeit kein Fremder. In unserem großen Garten wäre das jedoch durchaus möglich, fünf, sechs freiwillige Helfer zu beschäftigen. Allerdings haben wir derzeit keine Zeit, gutmeinende aber völlig unerfahrene Helfer erst einzuarbeiten, wie sie Pflanzen pikieren oder Saatgut sortieren müssen. Wer uns helfen möchte, sollte möglichst Vorkenntnisse mitbringen", sagt Katrin Rust.

Nach den Kartoffeln kommen die Tomaten. Ab 27. April werden Pflanzen in über 60 Sorten angeboten.

Versandlösung für Berliner

Ein Problem ist auch die Logistik, um die vielen Bestellungen liefern zu können. Für Selbstabholer werden Termine vereinbart. Die Kunden klingeln, die Ware wird vor die Tür gestellt, um Kontakte zu vermeiden. "Wir sind aber gerade auch dabei, eine Versandlösung, auch für Sammelbestellungen, vor allem für die Berliner zu finden, damit sie nicht nach Greiffenberg kommen müssen." Auf der Homepage des Vern werde aktuell über Bestell- und Liefermodalitäten informiert. Außerdem könne man dort die Liste aller Sorten mit Beschreibung einsehen, die nun auch mit Fotos ergänzt werden soll. Auch auf Facebook ist der Vern inzwischen präsent. Beratung zu Sorten und Anbau bietet Katrin Rust per Telefon an.

Ziele und Aufgaben des Vern e.V.

Der Verein zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen in Brandenburg e.V., kurz Vern e.V., wurde 1996 gegründet. Mitglieder sind Privatpersonen, Landwirte, Gärtner, Institutionen und Vereine.

Die Schaugärtnerei in Greiffenberg erhält über 2000 alte Nutzpflanzensorten und bietet sie Hobbygärtnern und Betrieben an. Er erhält zudem das Wissen über den Anbau, den Umgang und die Nutzung der Kulturpflanzen.

Neben der Erhaltungsarbeit betreibt der Vern auch Öffentlichkeits-, Bildungs-, Beratungs- und politische Arbeit zum Erhalt alter Nutzpflanzen und kooperiert mit vielen Schaugärten und Partnern, wie Bio Company, Parkgarten Criewen, Tabakmuseum Vierraden, Lehmann-Garten Templin, Forstbotanischer Garten Eberswalde, Haus der Naturpflege Bad Freienwalde, Förderverein Teltower Rübchen, Domäne Dahlem und vielen anderen.

Kontakt: www.vern.de, Beratung: Katrin Rust, Tel. 033334 85101

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