Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Barnim
Bernau fürchtet Schließung von OSZ

Tag der offenen Tür im Oberstufenzentrum I Barnim im Januar: Da waren Schüler und Lehrer noch guter Dinge, konnten sich über einen Mangel an Besuchern nicht beklagen. Doch nun ziehen dunkle Wolken über dem Standort Bernau auf.
Tag der offenen Tür im Oberstufenzentrum I Barnim im Januar: Da waren Schüler und Lehrer noch guter Dinge, konnten sich über einen Mangel an Besuchern nicht beklagen. Doch nun ziehen dunkle Wolken über dem Standort Bernau auf. © Foto: Wolfgang Rakitin
Sabine Rakitin / 07.04.2020, 03:00 Uhr - Aktualisiert 09.04.2020, 12:17
Bernau (MOZ) Am 18. Januar rührten Schüler und Lehrer beim Tag der offenen Tür noch kräftig die Werbetrommel für das Oberstufenzentrum I Barnim. Doch während sie die Besucher über die vielfältigen Möglichkeiten aufklärten, die der Standort in Bernau-Waldfrieden zu bieten hat – von der Berufsausbildung, über einen Besuch der Fachoberschule für Wirtschaft und Verwaltung bis hin zum Beruflichen Gymnasium mit seinen Schwerpunkten Sozialwesen, Wirtschaftswissenschaften sowie Gestaltungs- und Medientechnik – wurden im Barnimer Landratsamt längst andere Pläne geschmiedet. Dort wird seit mindestens Herbst 2019 die Auflösung des OSZ I Barnim zum Schuljahresende 2019/20 vorbereitet.

Die Abteilungen 1 und 2 aus Bernau sollen dem OSZ II Barnim in Eberswalde zugeschlagen werden. Dessen Bezeichnung wird in "Oberstufenzentrum Barnim" geändert. Am Standort Bernau soll lediglich das Berufliche Gymnasium, "ergänzt um ein allgemeinbildendes Angebot", verbleiben. Das geht aus einem Beschlussantrag vor, den der Kreistag in seiner Juni-Sitzung behandeln sollte.

Corona verhindert Tagung des Kreistags

Doch dazu wird es erst einmal nicht kommen. Der Vorsitzende des Kreistages, Othmar Nickel (CDU), hat es abgelehnt, die Vorlage ohne Behandlung in den Fachausschüssen auf die Tagesordnung des Plenums zu nehmen. Doch die kommen wegen der Corona-Krise schon seit Wochen nicht mehr zusammen und werden wohl auch in den nächsten Wochen nicht tagen. Damit ist der für diesen Sommer avisierte Termin der Auflösung des OSZ I erst einmal hinfällig. Doch schon jetzt bringen sich Bernaus Kommunalpolitiker in Stellung.

Als die Fraktionsspitzen der Stadtverordnetenversammlung jüngst im Hauptausschuss zusammen kamen, wurde das Thema erstmals öffentlich. Daniel Sauer (CDU) brachte es zur Sprache. Ihm sei die geplante Auflösung des OSZ I "zu Ohren gekommen", sagte er. "Ich höre das zum ersten Mal und bin total überrascht", erklärte Cassandra Lehnert (SPD). Doch diejenigen Mitglieder des Gremiums, die auch ein Kreistagsmandat haben, wussten offenbar Bescheid. "Es ist dem Vorsitzenden des Kreistages zu verdanken, dass das Umlaufverfahren gestoppt wurde", lobte Péter Vida (BVB/Freie Wähler) Othmar Nickel (CDU). "Das Vorhaben der Kreisverwaltung war es, die Vorlage im Mai/Juni durchzuwinken", setzte Vida hinzu.

Aufgrund seines Amtes könne er sich dazu nicht äußern, erwiderte Nickel, bekräftigte aber: "Diese Vorlage wird definitiv nicht im Juni behandelt, weil die Mitbestimmung des Kreistages nicht möglich ist." Und dann setzte er noch hinzu: "Hier geht’s um die gesamte Bildungslandschaft im südlichen Barnim!"

Bernaus Bürgermeister André Stahl protestiert

Auch Bürgermeister André Stahl (Linke) kündigte für die Stadt an: "Wir stellen uns einer etwaigen Zusammenlegung der beiden Oberstufenzentren entschlossen entgegen!" Es gehe um eine nachhaltige Berufsbildungslandschaft im Niederbarnim, betonte er. Wenn es am Standort Bernau keine Berufsbildung mehr gebe, dann würden die Schüler gleich nach Berlin-Weißensee abwandern. "Da haben sie Berufsschule und Ausbildungsbetrieb gleich beieinander", prophezeite er.

Ganz falsch dürfte der Rathauschef mit dieser Prophezeiung nicht liegen. Denn entsprechende Erfahrungen, was passiert, wenn eine Abteilung des OSZ von Bernau nach Eberswalde verlagert wird, sind im Niederbarnim noch gut in Erinnerung. Erst zum Schuljahr 2018/19 war die Abteilung 3 (Sozialwesen) aus dem Niederbarnim in die Kreisstadt abgezogen worden. Daraufhin hatte sich beispielsweise eine Reihe von angehenden Erzieherinnen und Heilerziehungspflegern aus dem Niederbarnim in Richtung Berlin orientiert.

Lesen Sie hier auch den Kommentar von Sabine Rakitin, Redaktionsleiterin Bernau.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG