Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Nach Covid-19-Erkrankung
Corona-Patientin aus Erkner erzählt von ihrer Genesung

Kampf gegen Covid-19: Kerstin Schmitt inhaliert auf der Isolierstation in der Immanuel Klinik Rüdersdorf eine Salzlösung zum Befeuchten der Atemwege.
Kampf gegen Covid-19: Kerstin Schmitt inhaliert auf der Isolierstation in der Immanuel Klinik Rüdersdorf eine Salzlösung zum Befeuchten der Atemwege. © Foto: Kerstin Schmitt
Mara Kaemmel / 18.04.2020, 08:00 Uhr - Aktualisiert 18.04.2020, 09:07
Erkner (MOZ) Kerstin Schmitt ist dankbar. Dankbar, dass sie noch lebt. Sie hat deshalb das Bedürfnis, den Menschen etwas zu sagen, die sie nur in Schutzkleidung und mit Masken über Mund und Nase gesehen hat, die sie deshalb nicht wiedererkennen würde und deren Namen sie nicht weiß, den Ärzten und Pflegern aus der Immanuel Klinik Rüdersdorf. Sie war die erste Patientin mit der Diagnose Covid-19, die dort in der Isolierstation aufgenommen wurde. Das war Mitte März und sie dachte, sie würde sterben.

Kerstin Schmitt ist 53-Jahre alt, eine Frau mit Kämpfernatur. Sie wohnt mit ihrem Mann bei Erkner, wo genau, das möchte sie nicht geschrieben sehen. Sie will in dieser Geschichte nicht im Mittelpunkt stehen, sondern das Scheinwerferlicht auf die Helfer lenken. "Ich empfinde tiefen Respekt für die Mitarbeiter der Immanuel Klinik Rüdersdorf", sagt sie am Telefon und dass sie einen zweiseitigen Brief an die Klinik geschrieben hat, in dem sie schildert, was ihr mit Corona widerfahren ist.

Alles über das Coronavirus und seine Folgen für Brandenburg und Berlin in unserem Coronablog.

Doch die Geschichte der Helfer ist mit ihrer untrennbar verknüpft. Sie beginnt am 9. März mit einer Gallenoperation in Rüdersdorf. Das Coronavirus scheint noch weit weg zu sein, in China und Italien. Zwei Tage später geht es ihr so schlecht, dass ihr Mann sie in die Rettungsstelle bringt, sie wird mit Verdacht auf Grippe wieder nach Hause geschickt.

Ihr Körper schmerzt, sie hustet, hat Durchfall und Schüttelfrost. "Mein Hals brannte, als hätte ich Salzsäure getrunken", erzählt sie. Die Hausärzte vor Ort wollen sie nicht untersuchen. "Ich habe gebettelt, aber keinen Termin bekommen." Weitere drei Tage quält sie sich, bis ihr Mann sie erneut in die Rettungsstelle fährt. Sie bekommt eine Infusion, die kurz Linderung bringt. Bereits am Abend geht es wieder bergab.Und dann geschieht etwas, das sie kaum fassen kann. Ein Arzt macht sich um sie Sorgen. "Er rief aus der Rettungsstelle an, hatte mit anderen Ärzten der Klinik das Blutbild besprochen, mich am Telefon wimmern gehört und entschieden, dass ich zum Corona-Test kommen soll." Das Ergebnis lautet: Positiv!

Die Isolierstation für Corona-Patienten ist vorbereitet, Kerstin Schmitt bezieht als erste ein Bett. Sie liegt da allein, ihre Gedanken kreisen: ,Warum ausgerechnet ich? Ich war nicht im Ausland, ich war auf keiner Party, ich war nur im Ort unterwegs.’ Sie kann sich nicht erklären, wo sie sich angesteckt hat. Eine Infektionskette gibt es nicht zu verfolgen.

Ein Röntgenbild von ihrer Lunge  beweist, dass sie eine schwere Lungenentzündung hat und jederzeit kollabieren kann. Sie wird auf die Intensivstation verlegt. Trotz ihres Zustandes nimmt sie wahr, dass alle hochmotiviert sind und sich sorgfältig an die Regeln zum Schutz vor Ansteckung halten, wie die Pfleger ihre Brillen desinfizieren, die Schutzkleidung entsorgen, durch eine Schleuse ein und durch eine andere wieder heraustreten. Sie selbst starrt durchs Fenster in den Himmel, Lesen oder Fernsehen kann sie dort nicht, sie hat ohnehin keine Kraft. In ihren Händen stecken Kanülen, sie hat die Bilder von Menschen an Beatmungsgeräten im Kopf. "Ich war die geballte Angst", sagt sie.

Aber vom Arzt bis zur Putzfrau, von allen fühlt sie sich umsorgt. "Irgendwer hat Zeitungen für mich gekauft", sagt sie. Sie weiß nicht, wer. Diese Geste des Mitgefühls habe ihr Kraft geben, erzählt sie. "Denn da gab es jemanden, der von seinem Geld Zeitungen für mich gekauft hat, der also daran geglaubt hat, dass ich sie lesen und nicht sterben werde." Hin und wieder wird sie von einer Hand in Gummihandschuhen gestreichelt. Die menschliche Wärme tut ihr gut.

Applaus für zaghafte Schritte

Sie hält irgendwann die Kabel und Schläuche, das Ausgeliefertsein nicht mehr aus und will aufstehen. Die Ärzte sagen Ja zu ihrem Ansinnen, was für eine Intensivstation ungewöhnlich ist. Ihre zaghaften Schritte zum Fußende des Bettes werden von den Ärzten, Pflegern und Schwestern hinter der Scheibe beklatscht. "Da haben viele Menschen mit mir gekämpft", sagt sie. "Da waren Menschen mit Herz und der gleichen Hoffnung wie ich. Der Hoffnung, das Virus zu besiegen. Und sie haben das Virus besiegt." Kerstin Schmitt ist geheilt und die Quarantäne vorbei. Sie kehrt langsam in ihr Leben zurück – und sagt dem Personal der Immanuel Klinik von ganzem Herzen Danke.

Alles über das Coronavirus und seine Folgen für Brandenburg und Berlin in unserem Coronablog.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Michael Laue 18.04.2020 - 17:30:32

Alles Gute, Frau Schmitt

Über die Hausärzte brauchen wir wohl kein Wort mehr verlieren, oder? Meine absolute Hochachtung vor besagtem Hausarzt bzw. Hausärztin, der/die völlig richtig entschieden hat und Frau Schmitt damit auch gerettet hat, während sich hier im Wohngebiet aus vielen Fenstern und von vielen Balkon einen schlimmer Husten quält - bei mir ja auch, der inzwischen zum Glück wieder nachließ, jedoch noch immer vorhanden ist. Auf facebook geht nun wie ein Lauffeuer die Frage um, wer wohl der Held oder die Heldin ist, der/die Frau Schmitt in die Klinik überwiesen hat, denn dieses Glück hat in Erkner nun wohl ganz offenbar bei weitem nicht jeder. Da hakt man die Symptome gern mal mit dem guten alten Raucherhusten, einem normalen Grippe-Fieber oder gar dem Klassiker "Allergie" ab. Fragt sich aber auch, warum das so ist: Haben die Ärzte Angst vor einer Schließung ihrer Praxis, wenn einer positiv getestet wird? Verträgt sich das dann noch mit der Ärzte-Ethik, die genau so wie die "Pressefreiheit" eh nur auf einem alten vergilbten Blatt Papier steht? Niemand soll hier den Finger auf sich gezeigt sehen - aber drüber nachdenken könnte man schon mal in einer freien Minute. Oder kommt die Order von viel weiter oben, um die Zahlen hier bzw. im ganzen Land so niedrig wie möglich zu halten? Der Bürgermeister meinte ja bereits vor geraumer Zeit "leicht angesäuert", dass er ja nun nicht die Leute testet - ach nee - da wäre wohl sicher niemand drauf gekommen. Aber sein Druck nach oben (nach Potsdam, um genauer zu sein) hätte vielleicht deutlich größer ausfallen können, um mehr Tests auch leichteren Symptomen durchzuboxen. Natürlich käme da die Frage auf, warum es nicht genügen Tests gäbe ... aber nur 3 positive Tests in 3 Monaten in der 12000-Einwohnerstadt Erkner? Eine eher lächerliche Antwort, oder? Das erweckt den Eindruck, dass Genosse Woidke mal wieder der Vorzeige-Minister mit den gesündesten Bürgern im Land sein möchte - so wie sein Vorgänger, der "Deichgraf". Wann immer die SPD etwas erzählt, glaubt denen doch eh niemand mehr ein Wort ... und ja: Schlimm genug, dass man selbst in dieser Krise die Schuld immer auch in der Politik sucht und auch findet! Aber zurück zur Heldin der Geschichte: Frau Schmitt, ich wünsche Ihnen alles nur erdenklich Gute, dass Sie all das schnell hinter sich lassen und wieder top-fit werden! Das gilt natürlich auch für die anderen beiden (bisher offiziell getesteten) Erkneraner. Wenn Sie wieder daheim sind, melden Sie sich, damit ich Ihre Einkäufe erledigen kann!

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG