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Klassik
Fürstenwalder Sopranistin singt Ave-Maria-Lieder

Zufrieden mit dem Projektergebnis: Musikalische Aufführungspraxis und historische Forschung sind für die Sopranistin Andrea Chudak untrennbar miteinander verbunden.
Zufrieden mit dem Projektergebnis: Musikalische Aufführungspraxis und historische Forschung sind für die Sopranistin Andrea Chudak untrennbar miteinander verbunden. © Foto: Hrvoje Miloslavic
Hrvoje Miloslavic / 21.04.2020, 04:30 Uhr
Fürstenwalde An der Komischen Oper in Berlin hat sie gesungen,  im Theater an der Wien, an der Staatsoper Stuttgart und etlichen Häusern mehr. Doch zu Hause ist Andrea Chudak in Fürstenwalde. Eine Leidenschaft der 45-Jährigen, die nach der Musikschule in Fürstenwalde unter anderem an der Hochschule Hans Eisler in Berlin und am Staatstheater in Karlsruhe ihre Ausbildung erhalten hat, ist die musikhistorische Forschung. Eines der Spezialgebiete von Andrea Chudak ist das Leben und der Nachlass des Brandenburgischen Opernkomponisten Giacomo Mayerbeer (1791-1864).

Dem Ave Maria, musikalischer Ausdruck der Anbetung der "Gottesmutter", hat sie sogar ein ganzes Projekt gewidmet. Damit tritt Andrea Chudak jetzt auch als Musikproduzentin in Erscheinung. Unter dem Titel "68 Ave Maria aus 7 Epochen" erscheint als Ergebnis im Mai eine CD-Edition. Enthalten sind auch fünf Erstveröffentlichungen, darunter eine Komposition des Fürstenwalder Musikers und Klavierlehrers Stefan Georg Winkler.

Ganz neu sei das Projekt aber nicht, erklärt sie im Gespräch mit der MOZ. Seit 15 Jahren beschäftige sie sich bereits mit der seit der mittelalterlichen Gregorianik andauernden Überlieferung musikalischer Marienverehrung. Auf 300 Ave-Maria-Kompositionen sei ihr Privatarchiv angewachsen. Inzwischen hat sie durch das Projekt einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt, so dass sie auch nach Abschluss immer noch Material zugeschickt bekomme, erklärt Andrea Chudak. "Die Kompositionen finden inzwischen mich", fügt sie hinzu.

Besonders motiviert habe sie, der Frage nachzugehen, auf welch unterschiedliche Art und Weise Komponisten vom Mittelalter bis in die heutige Zeit mit ein und demselben Thema umgehen, wie "innere Hingabe und Expressivität" verarbeitet wurden, sagt sie. Angesichts der enormen Fülle an Literatur zum Ave Maria konnte die 45-Jährige bei der Produktion des Albums aus dem Vollen schöpfen. Prominente Namen wie Wolfgang Amadeus Mozart, Giuseppe Verdi, Franz Schubert, Antonín Dvořák, Johann Sebastian Bach oder Anton Bruckner zieren die Liste der Komponisten. Einen bloßen Neuaufguss bekannter, eingängiger Werke hatte Andrea Chudak jedoch nicht im Sinn. Aufgenommen hat sie mit 13 namhaften Musikerkollegen etwa auch Werke der mittelalterlichen Benediktinerin Hildegard von Bingen, Kompositionen unbekannter Franziskanermönche aus dem 18. Jahrhundert sowie Arbeiten aus dem südamerikanischen Kulturkreis. Selbst an leicht skurrilen Momenten mangelt es nicht: Die wenigsten Verehrer sakraler Musik werden den Abenteuerromancier Karl May als Texter und Komponisten eines Marien-Liedes auf der Rechnung gehabt haben.

Arbeitsintensives Projekt

Das Album beinhaltet fünf Erstveröffentlichungen von Werken, die im Rahmen des Projektes unter dem Lektorat von Andrea Chudak einen Erstnotendruck erleben werden. So erhält das Projekt für Andrea Chudak auch eine sehr persönliche Dimension. Regina Wittemeier aus Bühl und der Berliner Rainer Killius versahen ihre Kompositionen mit einer persönlichen Widmung an die Produzentin. Eine Besonderheit stellt der Beitrag des Fürstenwalder Komponisten und Klavierlehrers Stefan Georg Winkler dar, bei dem Andrea Chudak einst selbst als Schülerin in die Tasten gegriffen hat. Ihre Erfolge am Klavier möchte die Sopranistin aber nicht zu sehr thematisieren. "Singen konnte ich stets besser", gesteht sie schmunzelnd. Gerne erinnert sie sich aber an die Zusammenarbeit mit ihrem früheren Lehrer. Die Existenz der Komposition, zu der dessen Gattin Gudrun den Text geschrieben hat, war ihr bekannt. Als sie ihn nach Jahren kontaktierte und nach dem Werk fragte, sei dieser zunächst ein wenig verwundert gewesen, erinnert sich Andrea Chudak. Inzwischen habe Winkler die Aufnahme aber angehört. Auf die musikalische Interpretation habe sie eine "sehr gute Rückmeldung" bekommen, so Andrea Chudak. Eine erstmalige Veröffentlichung erleben auch Beiträge des Filmkomponisten Arnold Fritzsch sowie von Bo Wiget.

Zum Ende des arbeitsintensiven Projektes hätte sie sich kräftemäßig "etwas überrollt" gefühlt, gesteht sie. Eindrücklich gestalteten sich dafür die Aufnahmen  im Oktober letzten Jahres in der Friedenskirche in Potsdam. Ganz aufgeregt seien sie und ihre Kollegen gewesen. "Wie vor einem Konzert." Die tolle Akustik und die geschichtsträchtige Atmosphäre umgeben von elegantem russischen Marmor hätten für die viele Arbeit entschädigt. "Ein erhebendes Gefühl", sagt Andrea Chudak.

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