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Corona-Pandemie
Geschäfte in Beeskow und Storkow eröffnen - mit erhöhten Schutzmaßnahmen

Peggy Lohse, Bernhard Schwiete / 23.04.2020, 05:15 Uhr - Aktualisiert 23.04.2020, 10:33
Beeskow (MOZ) Vor manchem Geschäft stehen lichte Schlangen. Gut, dass es warm und sonnig ist. Lastwagen liefern Waren. Fahrräder säumen die Gehwege. Einzeln oder in Paaren laufen die Menschen von Laden zu Laden. Mit Tüten und Körbchen, manche mit Kindern. Essen zum Mitnehmen verwandelt die Shoppingpause auf dem Markt in ein kurzes Picknick.

Geschäfte mit einer Fläche unter 800 Quadratmetern dürfen wieder öffnen, wenn sie auf Abstand und Schutzmittel achten. In Beeskow trifft das auf praktisch alle Geschäfte zu. Auch in Storkow öffnen viele wieder.

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Mit Abstand oder Mundschutz

"Sie hatten ja so lange geschlossen, darum komme ich jetzt mit einer langen Liste!", sagt Andrea Nowack lächelnd, nachdem sie in der Buchhandlung Zweigart die vorrätigen Bände durchgestöbert hat. Sie hat ihre "Buchvorräte" fast ausgelesen und sucht jetzt Nachschub. Sie freut sich, dass der Buchladen wieder offen ist: "Für mich ist Lesen wie Urlaub", sagt sie. "Da wir dieses Jahr nicht in den Urlaub fahren können, kann ich von dem gesparten Geld eben Bücher kaufen."

Am Eingang weisen – wie überall – Hinweisschilder auf Mindestabstand hin, auf Händewaschen und Desinfizieren. An der Kasse trennt ein gläserner Spuckschutz die Verkäuferin von den Kunden. An diesen Anblick wird man sich gewöhnen müssen.

In die Buchhandlung zu Katrin Zweigart kommen Lesefreunde wie Andrea Nowack (r.) jetzt mit langen Lektürelisten. Manches hat sie da, vieles bestellt sie gern zum Abholen am nächsten Tag.
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Endlich wieder shoppen

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Wo der direkte Kontakt zu Kunden unvermeidbar ist, wie beim Herrenausstatter Krumnow, wird mit Mundschutz und Einmalhandschuhen gearbeitet. Sabine und Sebastian Gierke haben auch welche für Kunden parat, die sich schützen wollen, wenn Änderungen vermessen und Anzüge anprobiert werden.

Bürgermeister Frank Steffen hört am Mittag auf seiner Kontrolltour mit Kolleginnen vom Ordnungsamt viele Fragen: "Ist der Mundschutz jetzt Pflicht?" und "Wie viele Kunden dürfen in einen Raum?". Das Problem: Es gebe oft keine konkreten Vorgaben, so Steffen, "sondern immer nur Empfehlungen". Empfehlungen vom Bund, vom Land, vom Kreis, von Virologen. "Es soll sich ein Kunde pro 20 Quadratmetern aufhalten", empfiehlt er weiter. In kleinen Geschäften wie Uhren & Schmuck Fünfhaus oder der Änderungsschneiderei von Gundel Hilgenfeld dürfen Kunden darum nur einzeln eintreten. "Aber da achten sie meist schon selbst drauf", sagt die Schneiderin.

Forsters Sporthaus darf gar nur mit Mundschutz betreten werden. Inhaberin Ines Lehmann hat auch die Gänge abgesperrt: "Es ist so eng hier, dass wir keinen Mindestabstand von 1,50 Meter garantieren können", erklärt sie. Auswahl aber sei möglich, ebenso die Anprobe, so Lehmann, "außer T-Shirts und Pullover". Denn die Berufsgenossenschaft BGHW hat jüngst hingewiesen: In Fällen, in denen Kleidung über den Kopf anprobiert werde, könne es bei unmittelbarem Kontakt mit Nase und Mund zu einer Kontamination kommen. Das Risiko sei noch nicht abschätzbar.

Bei EP-Baumann werden Handys nur mit Einmalhandschuhen zur Ansicht gegeben. Bei Vodafone sind sie in Vitrinen verschwunden. Überall wird kontaktloses Zahlen per EC- oder Kreditkarte empfohlen und akzeptiert.

"Verständnisvoll", "vernünftig" – so beschreiben Händler und Bürgermeister die Reaktionen der Beeskower. "Die Situation ist für uns alle neu", so Steffen. Bußgelder seien noch nicht verhängt worden, würden auch nur bei bewusster, grober Missachtung eingesetzt. An den Markttagen soll es bis Anfang Mai bei einem Frischemarkt bleiben. Für den Fall, dass die Mundschutzpflicht kommt, habe die Stadt Beeskow bereits 10 000 Masken bestellt.

Spuckschutz der Marke Eigenbau

In Storkow kamen derweil zu "Künus Schuhe" Eltern mit Kindern, die aus ihren alten Schuhen während der coronabedingten Schließung herausgewachsen seien. "Es war nicht der ganz große Ansturm, aber guter Kundenverkehr", sagt Inhaber Manfred Kühnelt.   Er lässt maximal drei Kunden gleichzeitig ein. Auf Masken verzichtet er: "In meinem Geschäft gehört auch Beratung dazu, mit Mundschutz wäre ich schwer zu verstehen." Manfred Tinius vom Euronics-Elektronikmarkt hat mit Zollstock vor der Kasse die Abstände vermessen und Markierungen geklebt. Von "etwas mehr Andrang als sonst" berichtet auch er. Am Vormittag habe auch eine Mitarbeiterin des Ordnungsamtes noch einmal ein Merkblatt zu den Corona-Vorkehrungen dagelassen. Bald sollte wirklich jeder die Regeln kennen.

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