Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Corona
Keine Zunahmen von Infizierten im Hennigsdorfer Heim

Fünf Häuser der Gemeinschaftsunterkunft in Hennigsdorf stehen unter Quarantäne. 68 Personen sind dort aktuell infiziert.
Fünf Häuser der Gemeinschaftsunterkunft in Hennigsdorf stehen unter Quarantäne. 68 Personen sind dort aktuell infiziert. © Foto: Roland Becker
Klaus D. Grote / 24.04.2020, 19:25 Uhr - Aktualisiert 24.04.2020, 20:23
Hennigsdorf (MOZ) Die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Menschen in Gemeinschaftsunterkünften für Geflüchtete ist nach Angaben der Kreisverwaltung am Freitag nicht weiter gestiegen. Demnach sind aktuell 69 Geflüchtete infiziert, eine dieser Personen lebt im Heim in Kremmen, die anderen befinden sich in der Gemeinschaftsunterkunft Stolpe-Süd. Dort stehen die fünf belegten Häuser komplett unter Quarantäne. Am Freitag begannen die Umzüge, um positiv und negativ getestete Personen räumlich voneinander zu trennen. Die Umzüge würden am Sonnabend fortgesetzt. Ein Teil der im Heim negativ getesteten Personen konnte nach Informationen der Redaktion in Zimmer des Hennigsdorfer Lehrlingswohnheims umziehen.

Landrat Ludger Weskamp (SPD) sagte, dass "die aus medizinischen Aspekten gebotene schnelle räumliche Trennung von positiv auf das Coronavirus getesteten Bewohnern von nicht infizierten Personen bei allem Handeln des Landkreises oberste Priorität hatte". Kirstin Neumann vom Flüchtlingsrat Brandenburg kritisierte das zögerliche Vorgehen. Sie frage sich, warum Risikogruppen, Familien und Personen, die in Pflegeberufen arbeiten, nicht schon viel früher in separate Unterkünfte gebracht worden seien. Der Flüchtlingsrat habe dies schon vor vier Wochen gefordert. "Welche Konsequenzen zieht der Landkreis aus den hohen Infektionszahlen in Stolpe-Süd?", fragte Kirstin Neumann. Auch in anderen Gemeinschaftsunterkünften gebe es Risikopatienten. Der Landkreis trage die Verantwortung für diese Menschen.

Unterdessen startete der Kreistagsfraktionsvorsitzende der Linken, Vadim Reimer, eine Online-Petition. "Herr Landrat, holen Sie die Geflüchteten aus der Gemeinschaftsunterkunft in Hennigsdorf", lautet deren Forderung. In den Zimmern sei es nicht möglich, ausreichend Abstand zu halten, Küchen und Bäder müssten geteilt werden. Es fehle außerdem an Schutzmaterialien. Der Landrat widersprach dieser Darstellung. Alle Bewohner hätten Mund-Nasen-Schutzmasken erhalten, auch Desinfektionsmittel gebe es in den Einrichtungen. "Die Quarantäne für die Gemeinschaftsunterkunft entspricht den Vorgaben des Robert-Koch-Instituts für vergleichbare Einrichtungen", sagte Weskamp. Das Vorgehen sei mit dem Gesundheitsministerium abgesprochen. Abstandsregeln könnten eingehalten werden, weil die Heime nicht voll belegt seien.

Corona-Blog: Coronavirus und die Folgen für Brandenburg und Berlin

Altenpfleger positiv getestet

In Stolpe-Süd stehen alle fünf belegten Häuser unter Quarantäne. Nachdem die Zahl der Infizierten auf 68 angestiegen war, kündigte der Landkreis am Donnerstag an, positiv und negativ getestete Personen voneinander zu trennen. Alle Bewohner sollen aber in Hennigsdorf bleiben und nicht auf andere Standorte verteilte werden, stellte der Landkreis nochmals dar. Kremmens Bürgermeister Sebastian Busse (CDU) ging auch am Freitag noch davon aus, dass Erkrankte in die Kremmener Unterkunft umziehen sollten.

Vom Flüchtlingsrat gab es auch Kritik an der Informationspolitik des Kreises. Der als Altenpfleger arbeitende Mann aus Kamerun, der am Dienstag auch im Fernsehen über die Situation in der Quarantäne berichtete, sagte, dass ihm und anderen Bewohnern lediglich mündlich von einer ihm unbekannten Person mitgeteilt worden sei, positiv auf das Coronavirus getestet worden zu sein. Ein Schriftstück zum Testergebnis, das er auch für seinen Arbeitgeber benötige, liege ihm nicht vor. Zuvor hatte er beklagt, dass er mit Erkrankten zusammenleben müsse. Er habe umgehend das Berliner Seniorenheim über seine Infektion informiert, sagte er. Dem Haus lag keine Information des Gesundheitsamtes Oberhavel vor. Der Pfleger aus Hennigsdorf hatte sich bis vergangenen Sonnabend um 15 Senioren in dem Haus gekümmert.

Insgesamt wurden in Oberhavel bisher 259 Menschen positiv auf das Coronavirus getestet (Stand: 24. April, 12 Uhr). 113 Personen befinden sich in häuslicher Quarantäne, elf Personen müssen stationär behandelt werden. Sechs Menschen sind verstorben. 129 Personen sind geheilt. Entsprechend gibt es aktuell 124 Erkrankte im Landkreis, teilte die Kreisverwaltung mit.

1 629 Oberhaveler stehen als begründete Verdachtsfälle derzeit unter Quarantäne. 1 355 Menschen wurden bereits negativ auf das Coronavirus getestet, bei 274 Personen stehe das Testergebnis noch aus. Außerdem wurden 774 Menschen im Landkreis häuslich abgesondert, weil sie mit positiv getesteten Personen direkten Kontakt hatten.

Die Covid-19-Fälle verteilen sich wie folgt auf die Kommunen: Hennigsdorf (101), Oranienburg (35), Hohen Neuendorf (30), Velten (18), Glienicke/Nordbahn (18), Oberkrämer (12), Mühlenbecker Land (10), Birkenwerder (6), Löwenberger Land (6), Leegebruch (6), Liebenwalde (5), Zehdenick (5), Kremmen (4) und im Amt Gransee und Gemeinden (3). In Fürstenberg/Havel gibt es weiterhin keinen gemeldeten Fall.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG