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Kultur im Netz
Brandenburgisches Staatsorchester Frankfurt streamt Konzerte online

Familie Loichen, Mutter Dorothea, Musikerin am Staatsorchester Frankfurt (Oder), Vater Sven, Musikschullehrer, und ihre Kinder Emilia (2.v.l.) und Alma stehen in ihrem Haus am Fenster und spielen «Ode an die Freude». In der Corona-Zeit entwickeln die Musiker ungewöhnliche Konzertformate.
Familie Loichen, Mutter Dorothea, Musikerin am Staatsorchester Frankfurt (Oder), Vater Sven, Musikschullehrer, und ihre Kinder Emilia (2.v.l.) und Alma stehen in ihrem Haus am Fenster und spielen «Ode an die Freude». In der Corona-Zeit entwickeln die Musiker ungewöhnliche Konzertformate. © Foto: Patrick Pleul/dpa
Merle Hilbk / 25.04.2020, 04:15 Uhr - Aktualisiert 25.04.2020, 11:30
Frankfurt (Oder) (MOZ) Vielleicht zeigt sich gerade jetzt in diesen Zeiten der Isolation deutlicher, warum Menschen Kultur brauchen. Warum sie mehr ist als das, was insbesondere klassischer Musik in anderen Zeiten manchmal unterstellt wird: dass sie ein Zeitvertreib für Schöngeister sei. Und irgendwie aus der Zeit gefallen.

Wer jetzt die Facebook-Seite des Brandenburgischen Staatsorchesters anklickt, der sieht Videos von Musikern in ihren Wohnzimmern, auf Balkonen, an der Oder. Alleine, zu zweit oder per Webcam mit Kollegen in anderen Wohnungen verbunden, spielen sie Stücke, die einen tatsächlich in eine andere Zeit versetzen – und daran erinnern, wie sich Gemeinschaft und Lebendigkeit anfühlt.

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Video

Ungewöhnliche Konzertformate des Staatsorchesters Frankfurt

Videothek öffnen

"Wir wollen zeigen, dass Kultur einem in schweren Zeiten Mut machen kann," sagt Kontrabassist und Orchestervorstand Stefan Große Boymann. Da sind etwa die Violinisten Lienite Kostanda und Jazeps Jermolovs, die im schwarzen Bühnenoutfit  eine "Ode an die Zimmerpflanze" spielen. Auf dem achtfach geteilten Bildschirm tauchen hinter Yuccapalmen und  Gummibäumen immer neue Instrumentalisten auf. Doch es sind stets die beiden, die auf verschiedenen Instrumenten spielen und die einzelnen Teile zusammengeschnitten haben – bis hin zum komödiantischen Finale. Oder der Oboist und die hinter der Grenze in Słubice festsitzende Violinistin, die ein virtuelles Barock-Duett spielen.

Neueste Infos im Corona-Blog: Coronavirus und die Folgen für Brandenburg und Berlin

Rund ein Dutzend Videos haben die Orchestermitglieder ins Netz gestellt. In denen präsentieren sie ihre spontanen musikalischen Ideen und ihr Unterhaltungstalent – und beweisen damit, dass die Corona-Zwangspause nicht nur Konzerte verhindert, sondern auch das Experimentieren mit neuen Formaten und Stücken befördert.

Momentan verhandelt Generalmusikdirektor Jörg-Peter Weigle mit Oberbürgermeister und Ämtern über erste Auftritte: Freiluftkonzerte in kammermusikalischer Besetzung. Im Hof von Pflegeheimen, auf dem Turm der Marienkirche, an der Oder. Das Problem: Die Zuhörer dürfen theoretisch nicht länger stehen bleiben, sondern müssten sich um das Orchester herumbewegen, um den gesetzlichen Beschränkungen gerecht zu werden. Und offiziell ankündigen darf man so ein Konzert auch nicht. Vielleicht, so überlegt Stefan Große Boymann, könne man so einen "Musik-Flashmob" ja als Demonstration anmelden. "Aber wir müssen abwarten. Die Situation ist ja auch für die Behörden neu."

Mit denen arbeitet das Orchester jetzt auch auf andere Weise eng zusammen: Als der Oberbürgermeister die Bürger vor ein paar Wochen zur Unterstützung in der Corona-Krise aufrief, hatten die Musiker angeboten, in den Behörden auszuhelfen. Zugeteilt wurden sie ausgerechnet dem Ordnungsamt. Nun gehen Streicher und Blechbläser gemeinsam mit den Behördenmitarbeitern in gelben Westen auf Streife: Spielplätze kontrollieren, Absperrbänder an Bänken befestigen, Angler kontrollieren.

Andere Orchestermitglieder arbeiten derzeit bei der Corona-Hotline, beantworten Fragen wie die, was ein "Hausstand" ist, vermitteln Polen-Pendler an Rechtsberatungsstellen und hören sich die Sorgen von Einzelhändlern an. Da zeige sich, wie sehr das Orchester mit der Stadt verbunden sei, sagt Orchesterchef Jörg-Peter Weigle – und dass damals bei der Auseinandersetzung um den Haustarifvertrag kein dauerhafter Riss entstanden sei.

Umso mehr freue er sich nun auf die Auftritte im öffentlichen Raum. "Das werden Konzerte sein, von denen man vielleicht noch später seinen Enkeln erzählten wird: ,Damals bei Corona, da war in der Stadt überall Musik.‘"

Keine "Leningrader"am 15. Mai in Seelow

Neben vielen anderen Konzerten muss wegen der Corona-Pandemie auch die Open-Air-Aufführung von Schostakowitschs "Leningrader" Sinfonie am 15. Mai vor der Seelower Gedenkstätte abgesagt werden. Der Landkreis Märkisch-Oderland und das Brandenburgische Staatsorchester prüfen derzeit, ob sich ein Ausweichtermin im September finden lässt. Deshalb behalten die Karten für die "Leningrader" vorerst ihre Gültigkeit. Die Tickets könnten aber auch zurückgeben oder gegen eine Gutschrift eingetauscht werden.⇥red

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