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Afrikanische Schweinepest
Oder-Spree setzt auf Lebendfallen zur Wildschweinjagd

Drückjagd mit der Stiftung Stift Neuzelle bei Göhlen und Groß 06. Dezember 2019 Drückjagd mit der Stiftung Stift Neuzelle in den Revieren bei Göhlen und Groß Drewitz. Bei der Schwarzwildjagd waren auch mit GPS ausgestattete Jagdghunde (Schwarze Bracke) beteiligt.
Drückjagd mit der Stiftung Stift Neuzelle bei Göhlen und Groß 06. Dezember 2019 Drückjagd mit der Stiftung Stift Neuzelle in den Revieren bei Göhlen und Groß Drewitz. Bei der Schwarzwildjagd waren auch mit GPS ausgestattete Jagdghunde (Schwarze Bracke) beteiligt. © Foto: Gerrit Freitag
Olaf Gardt / 27.04.2020, 21:15 Uhr
Beeskow (MOZ) Der Landkreis Oder-Spree hat fünf Wildschwein-Lebendfallen angeschafft und zahlreiche Jäger des Kreises in der Nutzung der Vorrichtungen geschult. Auf Nachfrage hat die Kreisverwaltung erklärt, dass die Fallen in schwer bejagbaren Gebieten, vor allem in Grenznähe, eingesetzt werden sollen. Dazu zählen beispielsweise breite Schilfgürtel und morastige Gelände. Ziel ist es, auch in diesen Gegenden die Wildschweinbestände einzudämmen, um die Ausdehnungsgefahr der Afrikanischen Schweinepest (ASP) zu reduzieren.

Die Schweinepest ist seit Ende vergangenen Jahres kurz vor der deutsch-polnischen Grenze zu Sachsen und Brandenburg angekommen. Im Nachbarland sind mittlerweile nicht nur Wildschweine betroffen, auch ein Bestand an Hausschweinen musste wegen eines Krankheitsfalls getötet werden. Die ASP gilt als hoch ansteckend und endet für die meisten betroffenen Tiere tödlich. Für Menschen besteht nach derzeitigem Kenntnisstand aber keine Gefahr.

Bricht die ASP allerdings in einer Region aus, hat das dramatische wirtschaftliche Folgen, weil Schweinehalter ihre Tiere praktisch nicht mehr vermarkten können. Eine Ausfuhr ist nicht möglich, außerdem ist es zweifelhaft, ob überhaupt ein Käufer zu finden ist. In Brandenburg selbst gibt es zudem nicht genügend Schlachtkapazitäten, um die hier gemästeten Tiere auch zu verarbeiten.

Zur Abwehr der ASP hat der Landkreis bereits Ende vergangenen Jahres einen mobilen Zaun entlang von Oder und Neiße installieren lassen, um die Einwanderung von Wildschweinen aus Polen zu verhindern. Nach allen bisherigen Einschätzungen hat dieser Zaun, der durch Strom, Geräusche und Gerüche wirkt, auch gehalten. Größtes Problem war zeitweise der Diebstahl der Stromversorgungsgeräte.

Mittlerweile hat der Kreis auch einen massiven Zaun für die Grenze, so wie ihn Dänemark aufgestellt hat, angeschafft. Montiert werde dieser aber erst, wenn es wirklich einen ASP-Fall gebe. Das hat offenbar auch rechtliche Gründe, weil Eigentumsfragen von Grund und Boden vor dem Zaunbau geklärt werden müssten.

An dem Einsatz der Lebendfallen zur Wildschweinjagd gibt es indes Kritik. "Lebendfallen wurden erfunden, um Konflikte mit Tieren ethisch zu lösen, indem Tiere lebend gefangen und dann woanders wieder ausgesetzt werden. Der Landkreis missbraucht den gedachten Nutzen der Lebendfallen für seine Zwecke", moniert Anja Grabs, Fraktionsvorsitzende der Bündnisgrünen im Kreistag.

Schweine werden untersucht

Die Kreisverwaltung hat unterdessen versichert, dass trotz der durch die Corona-Pandemie angespannten Laborkapazitäten alle notwendigen Fleischbeschauen und Test auch bei Wildschweinen durchgeführt werden.

Tests lasse das Veterinäramt auch beim Fund toter Schweine durchführen. Da noch kein Seuchenfall ausgerufen sei gelte zwar, dass die Jagdberechtigten tote Tiere in der Natur belassen und gegebenenfalls vergraben können, so Landratsreferent Christina Stauch. Doch schätze man derzeit eine Untersuchung als sinnvoll ein. Anlass für diese Aussagen ist ein Vorfall in Müllrose. Dort haben nach Angaben von MOZ-Lesern Hunde in den vergangenen Tagen zahlreiche Knochen von toten Wildschweinen ausgegraben und auf einer Freifläche in der Nähe der Ortsumgehung verteilt. Stauch empfahl, mögliche Funde von totem Wild dem Veterinäramt (Veterinaeramt@landkreis-oder-spree.de) zu melden.

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