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Sanierung
Bis Herbst kein Glockengeläut in Altfriedland

Ulrich Dahl / 03.05.2020, 05:30 Uhr
Altfriedland Das war ein spektakulärer Start des dritten Bauabschnitts der Sanierungsarbeiten an der ehemaligen Klosterkirche aus dem 13. Jahrhundert. Dabei wird der obere Teil des Kirchturms, der 1864 in die Kirche eingebaut wurde, renoviert und rekonstruiert. Arno Leye, Pfarrer der Kirchengemeinde Neutrebbin-Oderbruch, freut sich über den Fortgang der Arbeiten. "Seit mehr als achtzig Jahren erfolgt nun endlich eine umfassende Sanierung des ältesten Kirchenbaus in unserer Gemeinde."

"Diese lange Pause muss nichts Schlechtes sein", sagt Bauleiter Wolfram Schwelgin. "Hier ist noch viel wertvolle historische Bausubstanz erhalten geblieben, anderswo wurde aus Materialnot oder Unkenntnis mit falschen Materialien gebaut und oft erheblicher Schaden angerichtet."

Die Zimmerleute der auf Baudenkmalpflege spezialisierten Frankfurter Firma Jürgen Friedrich haben die Glockenentnahme seit Montag vorbereitet. "Wir mussten die Schallluken ausgebauen und den Glockenstuhl demontieren", erläutert Vorarbeiter Klaus Ritschel. Dazu wurden die Glocken an Kettenzügen im Gebälk des Turms aufgehängt. "Dann haben wir sie auf Holzpfählen aufs Gerüst gerollt, fast so wie die Steine beim Bau der Pyramiden", erklärt sein Kollege Jörg Wöllert das Vorgehen. Immerhin wiegt die Schwerere der Glocken etwa eine halbe Tonne. "Diese gute Vorarbeit hat meine Aufgabe sehr erleichtert", lobt der Kranführer.

In der nächsten Woche wird der Turm dann bis zur Spitze mit dem goldfarbenen Kreuz eingerüstet. Danach werden die Schieferschindeln abgedeckt, bevor die Zimmerer am Dachstuhl weiterarbeiten können.

Die Altfriedländer Glocken sind etwas Besonderes. Ursprünglich läuteten in der Kirche sogar drei. Zwei wurden 1733 aus der alten, abgerissenen Stadtkirche im Ort übernommen. Die Dritte aus dem Jahr 1735 ist ein Geschenk des Markgrafen Karl. Diese wurde nun ausgebaut. Sie soll im Herbst gereinigt und repariert zurückkehren. Während der Weltkriege des vergangenen Jahrhunderts wurde je eine der alten Glocken eingezogen und eingeschmolzen. Nach dem zweiten Weltkrieg erhielt die Klosterkirche dann eine Eisenglocke, die am 30. Oktober 1960 beim Erntedankgottesdienst geweiht wurde. "Deren Lebensdauer beträgt leider nur 60 bis 80 Jahre", erklärt Sebastian Blache, Mitglied des Gemeindekirchenrates und Musiker.

"Deshalb wird in den Niederlanden eine neue Bronzeglocke gegossen." Diese hat ein Cis als Ton, so wie ihre Vorgängerin aus Eisen. Die alte Bronzeglocke von 1735 gibt ein A als Ton. Dadurch haben die Altfriedländer Glocken einen eher unüblichen Tonabstand. "Eine große Terz als Intervall gibt es nicht sehr oft", macht Sebastian Blache deutlich. "Aber die Friedländer haben sich daran gewöhnt und schätzen den Klang ihrer Glocken." Daher haben Förderverein und Gemeindekirchenrat beschlossen, dass das ungewöhnliche Intervall und so der besondere Klang erhalten bleiben.

Vierter Bauabschnitt ab2021

Die Klosterkirche ist nicht das einzige Bauvorhaben der Gemeinde. "Gerade wurden die meisten Gewerke in Sietzing abgenommen", freut sich Burkhard Baer, Vorsitzender des Bauausschusses. "Ich bin sehr froh, dem Pfarrer auch hier in Altfriedland etwas Arbeit abnehmen zu können", sagt er und beugt sich über Formulare und Pläne, um sie mit Arno Leye zu besprechen. 2021 soll im vierten Bauabschnitt das Kirchenschiff von außen in Stand gesetzt und trocken gelegt werden. Finanziert werden die umfangreichen Maßnahmen, deren Kosten sich auf mehr als eine Million Euro belaufen werden, von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, dem Land Brandenburg, der Landeskirche, dem Kirchenkreis Oderland-Spree, der Kirchengemeinde Neutrebbin-Oderbruch, der Stiftung KiBa und vom Förderverein der Klosterkirche.

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