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Verzögerungen
Barnimer drücken beim S-Bahn-Takt aufs Tempo

Abfahrt in 18 Minuten: Bislang verkehrt die S2 zwischen Bernau und Buch nur alle 20 Minuten. Viele Pendler und Lokalpolitiker fordern seit Jahren einen dichteren Takt.
Abfahrt in 18 Minuten: Bislang verkehrt die S2 zwischen Bernau und Buch nur alle 20 Minuten. Viele Pendler und Lokalpolitiker fordern seit Jahren einen dichteren Takt. © Foto: Wolfgang Rakitin
Christian Heinig / 04.05.2020, 03:00 Uhr
Bernau (MOZ) Es bleibt vorerst dabei: Die Brandenburger Landesregierung hat erneut bekräftigt, dass für die S-Bahn-Linie S2 zwischen Bernau und Buch ein durchgängiger 10-Minuten-Takt auch mit einem eingleisigen Betrieb machbar ist. Das geht aus einer Antwort des Infrastrukturministers Guido Beermann (CDU) auf eine kleine Anfrage des Barnimer Landtagsabgeordneten Péter Vida (BVB/Freie Wähler) hervor.

Konkret heißt es in der Antwort der Landesbehörde: "Eine zweigleisige Strecke ermöglicht den unabhängigen Betrieb beider Richtungen, sie ist aber keine zwingende Voraussetzung für die Umsetzung eines 10-Minuten-Taktes." Daher teile die Landesregierung grundsätzlich die Einschätzung der DB Netz AG.

Ähnlich hatte sich das Ministerium Anfang März auf MOZ-Nachfrage geäußert, nachdem es Ärger um eine geplante Brückenmodernisierung am Pölnitzweg gab. Die Brücke in Nähe des S-Bahnhofs Buch soll künftig nur noch einen Überbau für ein S-Bahn-Gleis bekommen, vorher waren es zwei. Kommunalpolitiker von Bernau bis Zepernick sahen dadurch die Realisierung eines 10-Minuten-Taktes gefährdet. Das Ministerium wies die Einwände zurück.

Verbindlicher Fahrplan als Ziel

Für Peter Vida ist die Sache damit klar. Sollte es auch eingleisig gehen, können nach seiner Ansicht "technische Argumente nichts ins Feld geführt werden, um eine weitere Verzögerung zu rechtfertigen". Bernaus Bürgermeister André Stahl (Die Linke) kündigt zudem weitere Gespräche an, um mit dem Land gemeinsam zu einem verbindlichen Fahrplan zu kommen. "Bisher gab es leider nur unverbindliche Meinungs- und Willensbekundungen, womit sich der Bürgermeister der Stadt Bernau nicht zufrieden gibt", heißt es aus dem Rathaus.

Vorerst aber bleibt die Frage offen, in welchem Zeitrahmen die Realisierung eines 10-Minuten-Taktes für den Abschnitt zwischen Bernau und Buch, der bislang nur alle 20 Minuten bedient wird, möglich wäre. Verbindliche Aussagen dazu gibt es von offizieller Seite weiterhin nicht. Die Bahnverantwortlichen halten sich bei diesem Thema zurück, so wie Alexander Kaczmarek. Der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn für das Land Berlin hatte im vergangenen November, im Rahmen einer Bahnhofstour in Bernau, gegenüber Fahrgästen angedeutet, dass die S2 in spätestens zehn Jahren alle zehn Minuten von Bernau aus in Richtung Berlin verkehren könne – das wäre 2029. Festlegen wollte er sich auf das Jahr aber nicht.

Ähnlich ist es auf landespolitischer Ebene. Das zeigen die weiteren Antworten, die Vida aus Potsdam auf seine kleine Anfrage erhalten hat. Vida hatte unter anderem gefragt, bis wann die Umsetzung des 10-Minuten-Taktes zu erwarten sei? Das Ministerium teilte mit, dass mit dem aktuellen Planungsstand "noch keine belastbaren Aussagen zu Umfang des Ausbaus oder zeitlicher Einordnung der Realisierung möglich" sind.

Im Moment läuft die Planungsphase eins. Dabei wird ermittelt, unter welchen infrastrukturellen Voraussetzungen eine Angebotsverdichtung bei der Linie S2 von Buch nach Bernau umgesetzt werden könne. Es geht dabei neben technischen Aspekten wie Machbarkeit und Kosten auch um Fragen des Betriebsablaufs, heißt: Fahrplangestaltung.

Koordiniert werden diese Planungen im Rahmen des Infrastrukturprojektes i2030 vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg. Umgesetzt werden sie dann gemeinsam mit den Ländern Brandenburg und Berlin sowie der Deutschen Bahn.

Wie viel Zeit diese erste Planungsphase insgesamt in Anspruch nimmt und wie es dann weitergeht, ist bislang aber offen.

Mit Blick auf die Fahrplanrobustheitsprüfungen, die derzeit für den Abschnitt der S2 erstellt werden, heißt es bei der Bahn: "Gemäß dem mit den Ländern Berlin und Brandenburg abgestimmten Zeitplan wird ein Ergebnis Ende dieses Jahres erwartet." Die Antwort legt nahe, dass es offenbar doch einen Zeitplan gibt – aber nur intern.

Vida sieht Versäumnisse

Der Landtagsabgeordnete Vida sieht zudem, was die Planung angeht, Versäumnisse seitens der Bahn. Dass erst jetzt die infrastrukturellen Voraussetzungen für eine Angebotsverdichtung bei der Linie S2 geprüft werde, hätte "mit gesundem Menschenverstand vor den derzeit stattfindenden Brücken- und Streckensanierungsmaßnahmen erfolgen müssen", so der Landespolitiker.

Außerdem bleibt ungewiss, ob ein verlässlicher 10-Minuten-Takt wirklich ohne zweites Gleis machbar ist. Wie die MOZ bereits im März berichtete, gibt es in Bahnkreisen Überlegungen, zwischen Bernau und Bernau-Friedenstal eine Begegnungsstrecke zu errichten, damit alles reibungslos klappt. Auch deshalb werde die Eisenbahnbrücke Weißenseer Straße, deren Modernisierung  2022 erfolgen soll, mit zwei Überbauten geplant. Und der Bau einer möglichen Begegnungsstrecke dürfte – mitsamt der Planungsphase – sicherlich einige zusätzliche Zeit in Anspruch nehmen.

Unterstützung durch Regionalverkehr?

Im Rahmen der Verkehrsplanung will die Brandenburger Landesregierung auch unabhängig vom 10-Minuten-Takt der S-Bahn zwischen Bernau und Berlin die regionalen Verkehrsangebote zwischen Angermünde, Eberswalde und Berlin verbessern.

Konkret geplant ist die Kapazitätsausweitung der Linie RB24 von 300 auf 485 Sitzplätze ab Dezember 2022 sowie die Verdichtung des Angebotes des RE3 zwischen Angermünde und Berlin.

Der Barnimer Landtagsabgeordnete Péter Vida fordert eine frühere Unterstützung der S-Bahn durch den Regionalverkehr – spätestens ab 2021.⇥red

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