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Tag der Befreiung
Gedenken in Zeiten von Corona in Eberswalde

Gedenken am Sowjetischen Ehrenmal auf dem Waldfriedhof: Für den Verein Kontakt legten Irina und Ivan Dessert ein Blumengebinde nieder.
Gedenken am Sowjetischen Ehrenmal auf dem Waldfriedhof: Für den Verein Kontakt legten Irina und Ivan Dessert ein Blumengebinde nieder. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Viola Petersson / 09.05.2020, 05:00 Uhr - Aktualisiert 09.05.2020, 11:31
Eberswalde (MOZ) Gedenken in Zeiten der Pandemie. Großer Mindestabstand, Desinfektionsmittel, Masken, Videobotschaft statt zentrale Gedenkveranstaltung mit Reden. Die Erinnerung an den Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus, an das Kriegsende vor 75 Jahren, sie musste auch in Eberswalde Regeln folgen.

Eberswaldes Bürgermeister Friedhelm Boginski sprach am Freitagvormittag zu Beginn der Kranzniederlegung am Sowjetischen Ehrenmal auf dem Waldfriedhof, die sich über sechs Stunden erstreckte, nur kurz von einem "sehr bewegenden Tag" und davon, dass die nunmehr 75-jährige Friedenszeit "eines der größten Geschenke" sei. Gleichzeitig aber auch eine "der größten Herausforderungen". Denn es ginge um das Bewahren, das Nicht-Vergessen, um Lehren aus dem Zweiten Weltkrieg, so der frühere Geschichtslehrer.

Genau das wird auch in den Worten eines Eberswalders deutlich, der sich im Rahmen eines sogenannten Beteiligungsprojektes der Stadt Eberswalde zu Wort gemeldet hat: "Deutsche Waffen und deutsches Geld ... morden längst schon wieder mit in der Welt", war mahnend auf einer Pinnwand am Ehrenmal zu lesen.

Neben dem Stadtoberhaupt legten Waldemar Hinkel und Bernhard Wolf von der Brandenburgischen Freundschaftsgesellschaft einen Kranz nieder. Es folgten der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung, Martin Hoeck, weitere Abgeordnete sowie Irina und Ivan Dessert vom Verein Kontakt. Für den Ökumenischen Arbeitskreis, der beschlossen hatte, alle Christen im Gedenken zu vereinen, war Friedemann Gillert vor Ort.

Am Sowjetischen Ehrenmal auf dem Waldfriedhof Eberswalde wurde heute des 75.Jahrestages der Befreiung gedacht. Eingeladen hatten die Stadt Eberswalde und die Brandenburgische Freundschaftsgesellschaft . Eine geplante größere Veranstaltung konnte aufgrund der Coronapandemie nicht stattfinden.
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Gedenken an 75.Jahrestag der Befreiung vom NS-Regime

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Der Arbeitskreis hat sich wegen der aktuellen Corona-Einschränkungen im Vorfeld bereits mit einem Brief an den Botschafter der Russischen Förderation in der Bundesrepublik, Sergej J. Netschajew, gewandt. Darin heißt es: "... möchten wir Christen in Eberswalde gemeinsam Ursachen (des Zweiten Weltkrieges –  d. R.) und Schuld neu benennen." Der Krieg im Osten, er habe sich "deutlich" vom übrigen Verlauf unterschieden. "Es ging um großflächige Vernichtung von Menschenleben und Kulturgut in der Sowjetunion", ist zu lesen. Die Zahl von 27 Millionen sowjetischen Kriegsopfern sei kaum bewusst. "Besonders betrübt sind wir Christen in Eberswalde, dass wir nicht stärker dem verbrecherischen Krieg entgegengetreten sind. Gott schenke uns die Versöhnung zwischen den Völkern!" Dank der alliierten Streitkräfte, "bei uns in Eberswalde durch die Rote Armee, konnte die Macht des Nationalsozialismus gebrochen werden", schreibt Gillert. "Wir trauern mit Ihnen um die gefallenen Soldaten der Roten Armee. Wir beten für eine friedliche Zusammenarbeit der Menschen."

Vom Wert des Friedens

Diesen Gedanken griff Boginski ebenso in seiner Videobotschaft auf. Auch wenn aktuell wegen der Corona-Pandemie der Fokus auf das Thema Gesundheit gerichtet sei. "Frieden ist genauso wichtig", betonte das Stadtoberhaupt. Und 75 Jahre nach der Befreiung von der Gewalt- und Schreckensherrschaft sei es umso wichtiger, mit den Kindern und Jugendlichen dazu ins Gespräch zu kommen. Die Stadt werde die Erinnerung lebendig halten.

Das Beteiligungsprojekt zum 8. Mai läuft weiter. Eberswalder sind aufgerufen, ihre Gedanken, Wünsche und Erinnerungen, die sie mit dem Kriegsende verbinden, an pressestelle@eberswalde.de zu schicken. Die Beiträge werden auf den Kanälen der Stadt publiziert.

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