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Forderungen
Ausgang aus der Asylunterkunft in Hennigsdorf nur mit Armband

Screenshot von der Online-Pressekonferenz unter anderem mit Pro Asyl
Screenshot von der Online-Pressekonferenz unter anderem mit Pro Asyl © Foto: Burkhard Keeve
Burkhard Keeve / 11.05.2020, 17:03 Uhr - Aktualisiert 12.05.2020, 10:51
Hennigsdorf (MOZ) Während in einigen Gebäuden der Asyl-Unterkunft in Stolpe-Süd Geflüchtete wegen positiver Coronatests weiterhin unter Quarantäne stehen und die Anlage nicht verlassen dürfen, haben am Montag die Landesflüchtlingsräte, Pro Asyl und die Seebrücken-Bewegung auf einer Online-Pressekonferenz mehrere Forderungen vorgestellt.

Schutzsuchende würden dem Virus schutzlos ausgesetzt oder mit freiheitsentziehenden Maßnahmen belegt. "Wir beobachten derzeit eine bewusste Gefährdung der Gesundheit, nämlich, dass eine Durchseuchung in Kauf genommen wird", so Helen Deffner vom Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt. Zu Hunderten würden Geflüchtete auf engstem Raum untergebracht und zwangsläufig dem Virus ausgesetzt. Deffner: "Das Coronavirus macht noch einmal deutlich: Es ist längst an der Zeit, dass die Landesregierungen Konzepte für die Unterbringung von Geflüchteten in Wohnungen erarbeiten und ausbauen und nicht weiter auf Massenunterbringung setzen."

Informationen fehlen

Auch Online-Konferenzteilnehmer Nde Nzongou Barthelemy war ab Mitte April 14 Tage in seiner Gemeinschaftsunterkunft in Stolpe Süd unter Quarantäne. "Das war sehr schwierig, die Leute sind sehr verrückt. Wir haben keine Unterstützung", sagte Nde Nzongou Barthelemy am Montag. Nur die Kirche helfe ihnen. Er beklagte vor allem, dass es zwar vor Ort viel Polizei, aber keine Informationen zur Quarantäne gebe. "Jetzt haben wir ein Armband erhalten, dass wir tragen müssen", sagte Nde Nzongou Barthelemy. Nur mit dem Armband dürfe er das Asylheim verlassen. "Sonst darf nicht raus, das verstehe ich nicht." Mit dem Armband könne jeder erkennen, dass er getestet wurde. Auf der Pressekonferenz wird Pro-Asyl-Geschäftsführer Günter Burkhardt den Regierungen vor, "alle Warnungen in den Wind geschlagen zu haben, als noch ausreichend Zeit für Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Corona-Pandemie ergriffen werden konnten." Pro Asyl habe bereits am 19. März ein umfassendes Konzept vorgelegt.

Landesflüchtlingsräte, Pro Asyl und die Seebrücken-Initiativen fordern daher schnell zu handeln und die künftige Unterbringung in Wohnungen zu gewährleisten. Außerdem müssten die Landesregierungen jetzt Strukturen für eine menschenwürdige Aufnahme von Geflüchteten aus Elendslager aus dem Ausland schaffen. Apartments, Ferienwohnungen, Hotels und weiterer Leerstand müsse genutzt werden, um das Ansteckungsrisiko zu senken.

Inzwischen wurden auch mehr als 100 Flüchtlinge im Asylbewerberheim in Lehnitz unter Quarantäne gestellt.

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