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Gedenken
Steinstele für den stillen Helden Adrianus Millenaar in Biesenthal

An der Stele in der Plottkeallee: Bürgermeister Carsten Bruch, Schülerin Neele Reiter und Bildhauer Wolfgang Scheider (v.l.)
An der Stele in der Plottkeallee: Bürgermeister Carsten Bruch, Schülerin Neele Reiter und Bildhauer Wolfgang Scheider (v.l.) © Foto: privat
Olav Schröder / 18.05.2020, 10:51 Uhr
Biesenthal (MOZ) Fünf von sieben Steinstelen sind im Rahmen eines Projekts der Freien Naturschule Barnim in Biesenthal aufgestellt worden.

Sie erinnern an ehemalige Zwangsarbeiter während der Nazi-Diktatur und an den niederländischen Diplomaten Adrianus Millenaar, der als stiller Held Zwangsarbeiter aus dem KZ freikaufte. Für ihn wurde eine Steinstehle an der Neuen Mühle aufgestellt. Biesenthals Bürgermeister Carsten Bruch, der Künstler Wolfgang Schneider, die Schülerin Neele Reiter und die Lehrerin Jana Rieger nahmen die Aufstellung vor. Künstlerisch betreut wurde das Projekt von den beiden Bildhauern Iveta Sadecka und Wolfgang Schneider. So haben vor knapp einem Jahr in einem Bildhauer-Camp in Biesenthal tschechische und deutsche Schüler die ersten Stelen fertig gestellt. Große Unterstützung fanden sie über die gesamte Zeit bei Carsten Bruch, der Ortschronistin Gertrud Poppe, dem Bauunternehmer Thomas Czekalla und dem Projekthof Wukania.

Das Projekt war von Anbeginn an auf Internationalität angelegt. Die Schüler standen in Kontakt mit Zeitzeugen, die heute in der Tschechoslowakei leben. Mit Hilfe des Prager Vereins "Zivá pamet" führten sie Interviews mit ihnen. So entstand auch ein Video-Film, dessen Premiere im Kulturbahnhof Biesenthal große Beachtung fand.

Als eine von vier Oberschülern des Projektes der Freien Naturschule "Die Würde des Menschen ist unantastbar" hat Neele Reiter im April an die Zeitzeugin Adriana Millenaar Brown einen Brief in die USA geschrieben. Darin beschreibt sie, dass sie als Kind mit Freunden schon an der Neuen Mühle in der Plottkeallee gespielt hat, aber damals nicht wusste "was dieser Ort für eine Geschichte hat". Und weiter: "Die Forschungen und die Menschen haben mir eine neue Sichtweise auf die jeweiligen Orte, aber auch auf ganz Biesenthal gegeben." Der Brief blieb nicht ohne Reaktion. Eigentlich wollte die 82-jährige Adriana Millenaar Brown aus Massachusetts zur Eröffnung der Steinstelen nach Biesenthal kommen, konnte dies aus bekannten Gründen jedoch nicht realisieren. Sie sagte zu, 2021 zu einem Zeitzeugengespräch über ihren Vater nach Biesenthal zu kommen.

Die weiteren Standorte der Stehlen erinnern an tschechische Zwangsarbeiter in den Lagern Heideberg am Wanderweg und "Paula" am Prendener Weg/Uhlandstraße sowie in der Grünstraße 11. Dort wird stellvertretend an polnische Zwangsarbeiter auf Biesenthaler Bauernhöfen erinnert. Der vierte Standort am Pendlerparkplatz erinnert an italienische Militärinternierte im Lager am Bahnhof.

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