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Artenvielfalt
Saisonstart der Brandenburger Imker in sehr bewegten Zeiten

Kostprobe: Ministerpräsident Dietmar Woidke (l.) und Imker Holger Ackermann eröffneten auf dem Hof der Staatskanzlei in Potsdam die neue Bienensaison. Seit einigen Jahren gibt es dort und auf dem Dach der Landesvertretung in Berlin Bienenvölker.
Kostprobe: Ministerpräsident Dietmar Woidke (l.) und Imker Holger Ackermann eröffneten auf dem Hof der Staatskanzlei in Potsdam die neue Bienensaison. Seit einigen Jahren gibt es dort und auf dem Dach der Landesvertretung in Berlin Bienenvölker. © Foto: Soeren Stache
Mathias Hausding / 20.05.2020, 03:30 Uhr - Aktualisiert 20.05.2020, 08:09
Potsdam (MOZ) Das Schlimmste ist den märkischen Imkern nach dem zu milden Winter erspart geblieben. "Wir hatten rund 18 Prozent Verluste. Das ist besser als die Prognose von 25 Prozent, aber normal sind zehn Prozent", sagt Holger Ackermann, Sprecher des Landes-Imkerverbands.

Ist es zu warm, hat die Varroa-Milbe leichtes Spiel bei der Vernichtung von Bienenvölkern. Ackermann vermutet, dass die Imker die Milbe durch den Einsatz von Ameisensäure in Schach halten konnten.

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Dem Saisonstart pünktlich zum heutigen Weltbienentag steht also nichts im Wege. Auch auf dem Hof der Potsdamer Staatskanzlei und dem Dach der märkischen Landesvertretung in Berlin summt es wieder. Je zwei Bienenvölker gehen dort ihrer Arbeit nach, quasi als Werbeträger für eine bienenfreundliche Politik. Im vergangenen Jahr wurden an 140 Kilogramm Honig gesammelt, der in 1000 Gläschen abgefüllt und an Gäste verschenkt werden soll.

Etwa 26.000 Bienenvölker gibt es in Brandenburg, die laut Holger Ackermann von 3000 zumeist Hobby-Imkern betreut werden. "Vor 15 Jahren waren es 1800 Imker. Ihre Zahl hat sich also gut entwickelt."

Bauern setzen auf Blühstreifen

Auch der Landesbauernverband betont dieser Tage noch einmal, wie wichtig Honigbienen für die Bestäubungen in Landwirtschaft und Gartenbau seien. Bauern würden sich mit Imkern auch per App über die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln abstimmen. Laut Verband wollen Landwirte in diesem Jahr außerdem 5200 Hektar an Blühmischungen anlegen, das entspreche einem 20 Meter breiten und 2600 Kilometer langen Blühstreifen. Auf 4900 Hektar Fläche wollen die Landwirte darüber hinaus freiwillig Ackerrandstreifen anlegen.

Diese Ankündigungen sind Statements in der Debatte um Bienenschutz und Pflanzenschutz. Um die Insektenvielfalt zu erhalten, sollen die Landwirte deutlich weniger Pestizide einsetzen. "Um die Honigbiene mache ich mir nicht die größten Sorgen. Aber die Beweislast dafür, dass diese Mittel insbesondere den Wildbienen massiv schaden, ist erdrückend", sagt Holger Ackermann. "An einer schnellen und deutlichen Verringerung des Pestizideinsatzes führt kein Weg vorbei."

Obstbauern setzen nach wie vor Glyphosat ein

Der Imker betont jedoch, dass die Landwirte auf diesem Weg mitgenommen werden müssten. "Sie brauchen die erforderlichen Instrumente, um ihren Job weiterhin gut machen zu können." Wünschenswert sei mehr unabhängige Forschung zu dem ganzen Thema, die nicht durch Drittmittel finanziert werde. Er könne nachvollziehen, dass zum Beispiel Obstbauern nach wie vor auf Glyphosat setzen. "Ich verstehe, dass sie das nehmen, weil es nichts anderes gibt."

Eine der Angesprochenen, Claudia Schernus aus Frankfurt (Oder), beteuert für ihren Obstbaubetrieb: "Wir sehen keine negativen Auswirkungen durch Pflanzenschutzmittel. Erst Ende Mai mit Glyphosat etwas gegen das Unkraut zu tun, hat positive Effekte auf die Biodiversität, weil Insekten auf diese Art ab März ein gutes Blütenangebot haben." Und für den Einsatz stark in der Kritik stehender Neonicotinoide gelte: "Es gibt kein anderes Mittel gegen die Kirschessigfliege."

Als Ausgleich für den in ihren Augen in gewissem Maß notwendigen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf Agrarflächen schlägt sie mehr Freiflächen vor. Holger Ackermann sagt dazu: "Ja, auch das kann ein guter Weg sein. Sogenannte Stilllegungsflächen sind für Wildbienen interessant."

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Plädoyer für weniger Steingärten

Der Deutsche Imkerbund kritisiert zum heutigen Weltbienentag Steingärten und Flächenversiegelungen. Die Lebensbedingungen für Biene und Hummel hätten sich in den letzten Jahrzehnten verschlechtert. Wild- und Honigbienen bestäubten Wild- und Kulturpflanzen und sicherten dadurch nicht nur einen Großteil der menschlichen Nahrungsmittel, sondern erhielten als wichtiger Teil des Ökosystems die Naturvielfalt. Ein durchgängiges Blütenangebot vom zeitigen Frühjahr bis zum Herbst sei wichtig. Stetig wachsende Flächenversiegelung und daraus resultierende Pflanzenarmut müssten gestoppt werden. ⇥mat

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