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Sanierung
Es gibt immer wieder Ärger mit den Scheunen in Altlandsberg

Jana Reimann-Grohs / 22.05.2020, 06:00 Uhr
Altlandsberg (MOZ) Auf dem Dach seiner Scheunen hat der Stadtverordnete Ronald Marks (Altlandsberger Wählergruppe Aktiv & Offen/Freie Wähler) eine unübersehbare Lkw-Plane anbringen lassen. In großen Lettern prangt darauf der Schriftzug: "Die Stadtverordneten von Altlandsberg haben am 23.04.2020 beschlossen, mir diese Scheunen wegzunehmen." Nicht ganz billig war das Ganze, aber den Aufwand wert, sagt der Fraktionsvorsitzende.

Marks macht sich damit als Privatbesitzer bemerkbar. Der Hinweis ist Tatsachenbericht und zugleich Vorwurf Richtung Rathaus. Laut Beschluss der Stadtverordneten vom 23. April droht dem Fraktionsvorsitzenden die Kündigung. Er wird seine Scheunen nicht länger behalten dürfen. Sein Antrag auf Verlängerung der Investitionsverpflichtung wurde nicht mehrheitlich befürwortet. Bürgermeister Arno Jaeschke erklärte Marks daraufhin schriftlich den Rücktritt vom Kaufvertrag.

Die stark verfallenen Gebäude aus dem 19. Jahrhundert sind auf Lehmboden und 200 Quadratmeter Land gebaut. Das ganze Scheunenviertel ist seit 2014 Sanierungsgebiet und einmalig in Brandenburg aus denkmalpflegerischer Sicht. Die Stadt wollte Marks die Scheunen eigentlich nicht verkaufen, hätte sie im Jahr 2011 für 44 000 Euro sichern müssen; unter anderem sollten Dachreparaturen, Gründungsmaßnahmen, Fugen repariert werden.

Für die Reduzierung des Kaufpreises auf 23 000 Euro habe sich Marks im Dezember 2011 "Hals über Kopf" rein gestürzt und per Angebot zur Selbstreparatur verpflichtet: "Beim Kauf wollte ich einfach nur, dass kein unnützes Steuergeld ausgegeben wird." Über 20 Jahre ist er in Altlandsberg zu Hause, seit 2003 prägt Marks die Kommunalpolitik mit, zur Landtagswahl 2019 zog er für BVB/Freie Wähler in den Kreistag ein.

Im Frühjahr 2012 begann der Ausbau der Scheunen: Eine Zwischendecke wurde eingezogen, Material eingelagert und Beton für die Gründung gesetzt, sodass die Wände stabil bleiben. Die äußeren Schäden sind nach wie vor sichtbar. Von innen seien die Risse im Mauerwerk jedoch alle zugemacht, versichert Marks. "Ich habe mehr im Gebäude an der Substanz gemacht."

Ohne selbst erbrachte Eigenleistungen, steckten in dem Bauprojekt sieben Jahre Arbeit und 200 000 Euro. Aus heutiger Sicht sei es ein Fehler gewesen, so viel zu investieren. Doch der Ingenieur wollte an etwas bauen, das hinterher nutzbar wäre: Die Versteifungen in der Scheune waren nicht nur zu deren Erhalt gedacht. Irgendwann wäre er selbst gern in die Strausberger Straße 51 eingezogen, und beantragte deshalb die Nutzungsänderung in zwei Wohneinheiten, sagt Marks. Ursprünglich sei es auch gemeinschaftliches Ziel gewesen, daraus Wohnraum zu machen. Ehe er über mehrere Bauanträge zu einer möglichen Wohnraumnutzung kam, habe es aber eine Weile gedauert.

Wie vereinbart seien die Sicherungsmaßnahmen im Wesentlichen 2016 abgeschlossen worden, macht Marks anhand der Baudokumentation glaubhaft. Auch die Tore habe er gemacht. Nur das dritte konnte aufgrund fehlerhafter Gewegplanung und –ausführung der Stadt Altlandsberg bisher nicht eingebaut werden, erklärt er sich.

Erst im Januar 2019 wurde entschieden, dass er abweichend von der Bausatzung bauen dürfe. Nun hätten sich einige der damaligen Befürworter gegen ihn gewandt. Zumal es noch ein halbes Jahr nach dem Beschluss gedauert habe, bis endlich die Baugenehmigung vorlag. Was Marks dann in die Scheunen einbringen konnte, sei innerhalb eines halben Jahres entstanden.

Erst schlage der Bürgermeister selbst vor, dass er weiter ausbaut, dann arbeite er mit einigen Stadtverordneten daran, die gesamte Vereinbarung zu torpedieren, beschreibt Marks seine prekäre Lage. "Für mich ist es auch ein Armutszeugnis der Stadtverwaltung." Es gäbe keinen juristischen Grund, ihm die Scheunen wegzunehmen. Die Stadt hätte ihn rauskaufen können, drücke sich hiermit aber davor, klagt Marks an.

Gern würde er mit ein paar Stadtverordneten darüber sprechen: "Denn die nächste Stadtverordnetenversammlung am 28. Mai wird die hier verordneten Beschlüsse festlegen." Bisher seien nur zwei von 17 Stadtverordneten bereit, sich die Scheunen noch einmal anzuschauen und mit ihm darüber zu reden. Marks hofft immer noch, fertig bauen und eine seiner geplanten Wohneinheiten vermieten zu können. Für ihn wäre es auch eine Möglichkeit, die aufgenommenen Schulden abzutragen.

"Es handelt sich hier um eine privatrechtlich zu regelnde Angelegenheit. Deshalb werde ich dazu nichts sagen", antwortete der Bürgermeister auf Nachfrage der MOZ. Die Stadtverordneten würden bezüglich des Sanierungsobjektes auf Grundlage der Kommunalverfassung und Hauptsatzung ihre Entscheidung treffen. Nach dem 28. Mai werde der Beschluss mit dem Votum veröffentlicht, kündigt Jaeschke an.

Wegen der angestrebten Grundbuchänderung der Stadt Altlandsberg wird Marks keine weiteren finanziellen Mittel für den bereits veranlassten Ausbau der Scheunen auftreiben können. Im schlimmsten Fall zahlt er besitzlos für ein Darlehenszins, das er niemals in Anspruch nimmt.

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Klaus Klein 25.05.2020 - 20:15:27

Wenn ich richtig informiert bin

gibt es sogar Urteile in denen sogar persönliche Bürgschaften zur Übernahme von Unterkunft, Verpflegung, medizinische Versorgung usw. bis zur finanziellen Selbständigkeit des Gläubigers aufgehoben wurden.

Ronald Marks 25.05.2020 - 09:44:20

So ist der Sachverhalt richtig...

Zuerst möchte ich mich bei der Redakteurin Frau Reimann-Grohs für die sachliche Darstellung des Sachverhaltes bedanken. Ergänzend möchte ich hinzufügen, so dass es nun auch der Letzte versteht: Es geht nicht um die Fertigstellung des Gesamtbauvorhabens inkl. dem Einbau zweier Wohnungen. Laut Vertrag, auf den die Entscheidung der Stadtverordneten beruht, heißt es in §12 (1) „Der Käufer verpflichtet sich, die investive Maßnahme – Sanierung und Ausbau der Gebäude und unverzügliche Sicherung – innerhalb von 4 Jahren, beginnend am Tag der Beurkundung umzusetzen.“ Diese Leistungen wurden von mir im Wesentlichen nachweisbar erbracht (gem. §12 (3)). Es fehlt jedoch der Einbau eines vorderen Scheunentores. Das Angebot dafür liegt lange vor. Jedoch hat die Stadtverwaltung seit mind. sieben Jahren nicht gehandelt und die Gehwegabsenkung veranlasst. Niemand würde ein Tor einbauen, wenn er es nicht öffnen kann!

Margot Pietsch 25.05.2020 - 08:31:55

Unfassbar

Es gehörte wohl unwahrscheinlich viel Mut dazu, eine solch zerfallene uralte Scheune, noch dazu in einem Sanierungsgebiet, zu kaufen und zur nachhaltigen Nutzbarkeit zu bringen. Die Stadt sollte es unterstützen und froh sein, dass es bald eine „fertige Scheune“ geben könnte und nicht dazu beitragen, dass das vorgegebene Zeitfenster nicht eingehalten werden kann. Warum das Zeitfenster nicht eingehalten werden konnte, dass interessierte wie scheint die Stadtverordneten wenig, denn sonst hätte Herr Marks zu dieser Beratung am 23.04. nicht vor der Tür stehen müssen. Er bekam nicht die Chance zur Sache Stellung zu nehmen und allein das wirft Fragen auf. Zeitfenster werden kaum bei Neubau eingehalten, bei Sanierung von Altbau wohl nie. Es ist richtig, dass unsere politischen Vertreter mit Steuergeldern sorgsam umgehen müssen, doch bei der Sanierung der Scheune flossen keine Steuergelder. Mir stellt sich die Frage, für was die Stadt das Grundstück Strausberger Str. 51 braucht. Einige Scheunen gehören der Stadt, Planungen gab es (Kita), doch diese sind im Lehmboden der Scheune verlaufen. Stadteigene Grundstücke in diesem Sanierungsgebiet sind verwildert, vermüllt, da steht auch mal ein verrostetes Fahrzeug und verunreinigt den Boden und der Zahn der Zeit nagt an Gemäuern. Die Strausberger Str. 51 macht für alle sichtbare Baufortschritte und wäre bei Gutwill der Stadt bald ein Vorzeigeobjekt. Mir fällt kein logischer Grund ein, warum dies, nun auch von der Mehrheit der Stadtverordneten, verhindert werden soll.

Thomas Deuse 24.05.2020 - 13:56:27

Recherche ist alles

Danke für den Kommentar von Hrn. Kuck. Die MOZ sollte hier wirklich besser recherchieren und mehrere Seiten beleuchten. Der Ärger des Herrn Marks erklärt sich doch so auch viel besser, letztlich lag es dann doch an ihm und nicht an der Verwaltung.

Alfred Kuck 22.05.2020 - 14:34:54

Herr Marks hat Unrecht

Wenn ich es richtig verstanden habe, hatte Herr Marks mit dem Kaufvertrag eine Investitionsverpflichtung unterschrieben. Diese Investitionsverpflichtung war offenbar auch an einen Termin gebunden, der schon einmal verlängert wurde und jetzt eine weitere Verlängerung angelehnt wurde, weil die im Kaufvertrag fixierte Investverpflichtung nicht erfüllt wurde. Generell ist es doch normal, dass, wer eine solche Verpflichtung eingeht, diese auch erfüllen muss. Herrn Marks wurde demnach die Scheune nicht weggenommen, sondern sie fällt durch eine offensichtliche Vertragsverletzung gemäß vertraglicher Vereinbarung an die Stadt zurück. Es gibt zahlreiche Immobilien in der Region, wo es gut waäre, wenn es ein Rückfallrecht geben würde. Es ist wenig glaubwürdig, dass Herr Marks die Scheune aus reinem Mitleid von der Stadt gekauft hat. Er wollte die Scheune instand setzen und selbst zu Wohnzwecken nutzen und eine Einheit vermieten, also damit Geld verdienen. Dies ist nicht verwerflich, wer dies aber mit einem Zeitfenster unterschreibt, muss sich daran auch halten. Man mußß auch die Gegenseite betrachten, denn die Stadtverordneten sind auch gehalten, mit dem Vermögen der Stadt (der Bürger) sorgsam umzugehen.

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