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Reality Show
Denny Heidrich aus dem Barnim über seine Teilnahme bei "Big Brother"

Christian Heinig / 22.05.2020, 18:15 Uhr - Aktualisiert 23.05.2020, 15:26
Werneuchen (MOZ) Denny Heidrich ist gerade ziemlich gefragt. Während des Interviews ploppen ständig neue Nachrichten auf seinem Smartphone auf.

Trotzdem nimmt sich der 32-jährige Profiboxer, der seine Jugendjahre in Werneuchen (Barnim) verbracht hat und heute bei Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) lebt, fast eine Stunde Zeit fürs Gespräch. Es geht nicht nur um Big Brother, sondern auch um seine angestrebte TV-Karriere, seine Schwester, seine Hilfe für den Verein "Kolibri" und Corona.

Ihr Big-Brother-Auszug liegt jetzt einen Monat zurück. Sind Sie schon wieder in der Realität angekommen?

Das schon. Aber das mit Corona ist schon krass. Ich werde es nie vergessen, als ich das Big-Brother-Haus verlassen hatte und dann am Flughafen Köln-Bonn stand, normalerweise ein absolutes Drehkreuz. Doch ich habe nur eine andere Menschenseele gesehen. Das war schon ein Schock. Inzwischen geht es.

Wenn Big Brother morgen anrufen würde, um Sie für eine nächste Staffel zu gewinnen – würden Sie direkt wieder einziehen?

Ja, sofort, zu 100 Prozent. Ich bin ja nach 71 Tagen rausgewählt worden, durch eine Nominierung. Aber die Zeit war gut. Und ich hatte nie das Gefühl ‚Ich muss hier raus‘. Wenn Big Brother ein Jahr lang gelaufen wäre, dann wäre ich ein Jahr im Haus geblieben.

Hat Sie nichts gestört?

Doch schon. Vor allem, dass es zum Teil wie im Affenkäfig war. Du warst den ganzen Tag damit beschäftigt, aufzuräumen. Das habe ich mir zur Aufgabe gemacht, weil ich ein ordentlicher Mensch bin. Mein Haus ist immer sauber, ich habe eine Grunddisziplin. Aber die gab es da nicht. Deshalb bin ich sofort angeeckt. Bei den Frauen war immer wichtig, dass die Haare gut sitzen, dass die Schminke passt, dass die Klamotte eng am Körper liegt. Aber mal den Teller in die Küche bringen – das haben sie nicht hinbekommen.

Letzte Wochenende fand das Finale der Show statt. Haben Sie es verfolgt?

Leider habe ich seit meinem Auszug nicht viel gucken können. Mir hat die Zeit gefehlt. Mein Telefon beschäftigt mich den ganzen Tag.

Wer ruft denn an?

Jede Menge Leute. Ich habe sogar eine Interview-Anfrage aus England bekommen. Auch Modelabels fragen an. Ich höre mir das an, aber will nicht alles machen. Ich bin ja nichts Besseres, nur weil ich in einem TV-Format war. Ich blute immer noch das gleiche Blut. Aber klar ist Big Brother ein Sprungbrett, um mir fürs Fernsehen einen Namen zu machen. Außerdem muss ich auch meinen Kühlschrank füllen, und ich habe eine Tochter.

Wie kam es überhaupt zur Bewerbung bei Big Brother?

Das war eine spontane Aktion. Obwohl ich vorher kein großer Trash-TV-Fan war, hatte ich letztes Jahr Promi-Big-Brother geschaut. Da lief dann ein Aufruf, dass sie eine neue Show mit Normalos planen – und da habe ich mich beworben. Das war morgens um 2.30 Uhr. Ich habe nicht groß nachgedacht, sondern es einfach gemacht.

Und was passierte dann?

Nach acht Wochen kam eine erste Kontaktaufnahme, weitere acht Wochen später die Einladung zum Casting nach Köln. Ich darf zwar keine Details verraten, aber Fakt ist: Ich habe mich da durchgesetzt. Die hatten Bock auf mich. Die Zusage kam vergangenes Jahr kurz vor Weihnachten, direkt vor meinem Titelkampf im Cruisergewicht.

Durften Sie mit jemandem über die Zusage sprechen?

Nein, wir durften gar nichts erzählen. Auch der Mutter meiner Tochter habe ich erst eine Woche, bevor die Show im Februar gestartet ist, Bescheid gesagt. Dabei hat es mir echt auf der Zunge gebrannt. Ich wollte es jedem erzählen. Am Ende hat es aber nur meine Schwester vorher erfahren, weil man ja jemanden braucht, der sich um alles kümmert, wenn man im Big-Brother-Haus ist.

Lässt es sich denn durch eine Big-Brother-Teilnahme reich werden?

Man bekommt eine Aufwandsentschädigung, das schon. Aber ich halte es so: Man redet nicht über Geld. Entweder man hat es oder man hat es nicht.

Vor dem Show-Start hatten Sie angekündigt, im Falle eines Sieges einen Teil der Gewinnprämie von 100 000 Euro an den Verein ‚Kolibri‘ zu spenden, der sich um krebskranke Kinder kümmert. Wie kommt’s?

Ich bin schon seit fast fünf Jahren für den Verein als Botschafter im Einsatz. Wir sind dazu regelmäßig im Helios Klinikum in Buch, um kranken Kindern einen Freude zu machen. Einmal habe ich zu einer Weihnachtsfeier 250 Geschenke mitgebracht, die ich zuvor durch eine eigene Aktion gesammelt habe. Das war der Hammer. Ich bleibe auf jeden Fall dran und werde Kolibri weiter unterstützen.

Welche Verbindungen haben Sie noch nach Werneuchen?

Etliche. Meine Eltern wohnen noch da und ich bin sehr gern in Werneuchen. Das war eine tolle Zeit.

In welchem Alter sind Sie damals nach Werneuchen gekommen?

Als ich fast 14 war, wollten meine Eltern raus aus Berlin und haben dort ein Haus gebaut. Ich bin direkt auf die Europaschule gekommen, habe angefangen, bei Rot-Weiß Fußball zu spielen. Natürlich sind wir mit 16 auch ohne Ausweis in die Clubs, um Mädels aufzureißen. Mit den Mopeds ging es außerdem quer über die Dörfer nach Bernau, nach Wandlitz. Das war eine super Zeit. Mit 19 bin ich dann zurück nach Berlin. Aber mit einigen Leuten habe ich bis heute Kontakt.

Als Sie schon im Big Brother Haus waren, ging es draußen mit der Corona-Welle los. Wie war es, als der Sender alle Bewohner Mitte März informiert hat?

Das war schon sehr schwierig. Ich bin ja ein Herzenstyp. Von außen wirke ich vielleicht manchmal etwas kalt, aber ich bin netter Kerl. Und als wir die Nachricht bekommen haben, dachte ich: Wow, was ist mit meiner Familie, was ist mit meiner Tochter, was ist mit der Mutter von ihr und mit meiner Schwester? Aber ich wusste, dass meine Schwester Bescheid gegeben hätte, wenn draußen was nicht in Ordnung ist. Und dann wäre ich sofort raus. Big Brother hat uns aber immer auf dem Laufenden gehalten.

Boxen Sie mittlerweile wieder?

Kämpfe gibt es gar nicht, nur ein bisschen Training. Aber im Moment liegt mein Fokus voll auf dem Fernsehen.

Und was kommt jetzt – "Dschungelcamp" oder "Let’s Dance"?

Dschungelcamp würde ich sofort machen. Es gab ja bei Big Brother diesen kleinen Aufreger, als ich einen Wurm gegessen habe. Das hat zu einem riesengroßen Shitstorm geführt. Dabei war es nur eine kleine Mutprobe, nach dem Motto: Traust du dich oder nicht. Ich habe damit kein Problem. Auch auf Formate wie Let‘s Dance hätte ich Bock, wo man sich bewegt. Ich bin Sportler. Und ein richtig guter Boxer bewegt sich auch gut.

Gibt es auch TV-Formate, bei denen Sie abwinken würden?

Was gar nicht geht, wäre "Adam sucht Eva". Da rennst du den ganzen Tag nur nackt herum, da geht es allein um Voyeurismus. Klar, auch bei Big Brother war man nackt. Aber die ganze Zeit, das wäre mir zu krass.

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